Archiv Seite 2

Spring Break

Morgen ist kalendarischer Frühlingsanfang und aus diesem Grund lasse ich hier und jetzt ein paar heiße Puppen tanzen.

Good Shoes – „Under Control“ (aus dem kurzweiligen Album „No Hope, No Future“)

Direktlink

Wir basteln uns einen UMTS-Verstärker

Heutiger Titel der Serie „Bastelei-Ei-Ei“: Wir bauen uns eine preiswerte UMTS-Verstärkerantenne. Bevor wir jedoch zur überaus kniffligen Bauanleitung kommen, muss ich noch kurz erwähnen, wer diese grandiose Idee hatte:

Mein Papa.

Seit neuestem Laptopbesitzer und UMTS-Funker. Leider im D2-Netz von Vodafone, und da, ähm…sagen wir mal, hackert es zu bestimmten Zeiten ganz gewaltig, vor Allem in ländlichen Gebieten. Das D1-Netz der Telekom, und dass weiß ich ebenfalls aus eigener Erfahrung, läuft zu 95% immer rund mit guter DSL-Geschwindigkeit. Was also tun?

Als erstes den höchsten Punkt im Haus finden. Das heißt konkret: im oberen Stockwerk steht am Fenster ein 2 Meter großer und nicht sehr breiter Schrank. Oben drauf steht ein UMTS-WLAN-Router mit eingestecktem UMTS-Stick, der genau in die Richtung einer Handy-Antenne funkt. Dahinter ein seltsames und irgendwie nach Raumschiff Orion aussehendes Gerät oder Buch. Ein Spiegel? Nein. Alu-Folie. Ein Alufolienreflektor, der ein paar der Handystrahlen auf das Empfangsgerät reflektiert.

Ergebnis: Bandbreitensteigerung um 200 – 500 Prozent.

Ich war anfangs sehr skeptisch, bis ich heute Nachmittag beschloss, mir ebenfalls so ein Ding zu bauen. Ruckzuck – Folie ab. Eins-Zwei: Bastelei-ei-ei! Ich denke, eine ausführliche Bauanleitung kann ich mir hier jetzt doch lieber sparen.

Ergebnis der Bastelei:

Sobald ich die Folie wieder entferne sinkt die Bandbreite rapide ab.

Verblüffende Scheiße.

Spanish Sahara

I‘m the fury in your head, I‘m the fury in your bed
I‘m the ghost in the back of your head

Da es draußen wieder schneit schnell noch einen Winterclip: Die von mir als ziemlich dufte empfundene Band Foals bringt am 10. Mai ihr neues Album raus („Total Life Forever“). Hier kommt die brilliante Vorabsingle „Spanish Sahara“. Meine Güte ist das schön.

FOALS // SPANISH SAHARA from dave ma on Vimeo.

Ralfs Dilemma



Früher Morgen.

Ralf saß in der Linie 19, die ihn wie immer pünktlich und zuverlässig seinem Arbeitsplatz zuführte. Er fühlte sich gut, denn er hatte wunderbar geschlafen und von atomar verwüsteten Städten und riesigen Sandkippern geträumt. Als Kind bezeichnete er diese Fahrzeuge als „Dumper“. Warum weiß er bis heute nicht.

Die Bahn hielt und plötzlich hörte er es stöckeln. Sie kam von links hinten, klapperte an ihm vorbei und platzierte sich schräg gegenüber auf einem Anderthalb-Sitz. Ralf starrte angestrengt geradeaus. Langsam nahm die Straßenbahn wieder Fahrt auf. Er registrierte, ohne sie direkt anzusehen, dass da eine Menge Rot an ihr war. Rotes Oberteil, roter Minirock, rote Pumps, rot lackierte Zehennägel. Sie hatte ihre drallen Beine übereinander geschlagen und wippte unendlich affektiert mit dem Fuß. Sie machte ihn nervös. Laut Plan (nämlich ihrem) sollte er jetzt hingucken. Er schaute zur anderen Seite aus dem Fenster. Immer schön cool bleiben, ein strebsamer Werktätiger wie er wird sich doch nicht von einer aufgetakelten Versicherungsvertreterinnenazubiene aus der Ruhe bringen lassen.

Nach 5 Minuten schaute er sie an. Ralf sah ihr direkt ins Gesicht. Sie war maximal 17 und sicher nicht auf dem Weg zur Schule. Er sah hinter ihrer nassforschen Gesichtsmaske drei Dinge: Unsicherheit, Traurigkeit und Angst. Sie schien stumm zu fragen: warum schaust du mich nicht an? Hätte sie ihn das wirklich gefragt, er hätte sich sofort bei ihr entschuldigt.

Die Bahn hielt und Ralf stieg aus. Er lief zu seinem Arbeitsplatz und reihte sich brav in die Wertschöpfungskette ein. Er dachte nochmal kurz an die 17-Jährige, dann arbeitete er seine 36 ungelesenen Emails ab.

Zum Mittag gab es Salzkartoffeln und Eier in Senfsoße.



Früher Morgen.

Ralf saß in der Linie 19, die ihn wie immer pünktlich und zuverlässig seinem Arbeitsplatz zuführte. Er fühlte sich gut, denn er hatte wunderbar geschlafen und von atomar verwüsteten Städten und riesigen Sandkippern geträumt. Als Kind bezeichnete er diese Fahrzeuge als „Dumper“. Warum weiß er bis heute nicht.

Die Bahn hielt und plötzlich hörte er es stöckeln. Sie kam von links hinten, klapperte an ihm vorbei und platzierte sich schräg gegenüber auf einem Anderthalb-Sitz. Ralf starrte angestrengt geradeaus. Langsam nahm die Straßenbahn wieder Fahrt auf. Er registrierte, ohne sie direkt anzusehen, dass da eine Menge Rot an ihr war. Rotes Oberteil, roter Minirock, rote Pumps, rot lackierte Zehennägel. Sie hatte ihre drallen Beine übereinander geschlagen und wippte unendlich affektiert mit dem Fuß. Sie machte ihn nervös. Laut Plan (nämlich ihrem) sollte er jetzt hingucken. Er schaute zur anderen Seite aus dem Fenster. Immer schön cool bleiben, ein strebsamer Werktätiger wie er wird sich doch nicht von einer aufgetakelten Versicherungsvertreterinnenazubiene aus der Ruhe bringen lassen.

Nach 5 Minuten schaute er sie an. Ralf sah ihr direkt ins Gesicht. Sie war maximal 17 und sicher nicht auf dem Weg zur Schule. Er sah hinter ihrer nassforschen Gesichtsmaske drei Dinge: Unsicherheit, Traurigkeit und Angst. Sie schien stumm zu fragen: warum schaust du mich nicht an? Hätte sie ihn das wirklich gefragt, er hätte sich sofort bei ihr entschuldigt.

Die Bahn hielt und Ralf stieg aus. Er lief zur gegenüber liegenden Haltestelle und fuhr mit der nächsten Bahn zurück. Leicht gekrümmt schloss er seine Wohnung auf. Er warf seine Tasche in den Flur und lief ins Bad. Dann stellte er sich vor die Badewanne, zog sich seine Hosen runter und nahm seinen Penis zwischen Daumen- und Zeigefinger. Er brauchte nur 15 Sekunden, dann spritzte er leise keuchend an die gegenüber liegende geflieste Wand.

Nachdem er sich abgewischt hatte startete Ralf einen neuen Versuch. Er nahm seine Tasche und ging wieder zur Haltestelle.

Später Morgen.

Ralf saß in der Linie 19.

Moritz von Oswald Trio vs. Pantha du Prince (war: Faschingsmus)

Letzte Nacht bekam ich Lust auf einen ordentlichen Rant. Ich lag neben meinem Bett auf irgendwelchen Stromkabeln und hatte mir vorgenommen, den ganzen debilen Närrinnen und Narrhalesen mal eins ans Knie zu nageln, so von wegen Fasching kommt ja eigentlich von Faschismus (haha!) und warum rosa Elefanten sturz betrunken neben das Kölner Bahnhofsklo kotzen. So auf dem Niveau sollte das passieren. Olympia und Westerwelle hätte ich auch noch irgendwie eingebaut, denn dies sind zwei weitere Sachen, mit denen ich rein gar nichts anzufangen weiß. Doch dann hörte ich Pantha du Prince statt Slayer und der ganze Ärger war weg. Einfach weg. Ich rief mir Bilder von opulenten Prunksitzungen vor mein inneres Auge, bei denen Westerwelle lauthals den Thrill einer nachmittäglichen TV-Übertragung im Skilanglauf pries – doch es half nichts. Eine Wolke lähmender Toleranz breitete sich in mir aus und ich ließ das mit dem Rant bleiben.

Stattdessen lieber Musik. Morgen Heute Gestern Neulich Abend live im Centraltheater: Moritz von Oswald Trio und Pantha du Prince. Bei Moritz von Oswald ist es wie bei den abstrakten Malern, die mal kurz auf die Staffelei niesen und uns das als Kunst verkaufen wollen: Für einen Moment hat man das Gefühl, die wollen einen verscheißern. Sobald der Moment überwunden wurde bleibt ein silberner Beigeschmack von (in diesem Fall elektronischer) Avantgarde.


Direktlink



Bei Pantha du Prince alias Hendrik Weber sieht die Sache schon etwas eingängiger aus. Im Kreuzer stand glaube was von „Glöckchentechno“. Lasse ich aus Zeitgründen mal so stehen.


Direktlink

Delphic! Delphic! Delphic!

Seit vorgestern bis circa nächsten Dienstag ist das hier genau mein Ding.

Direktlink

Achtsamkeit im Alltag

Der Mann macht alles richtig. Wenn wir davon ausgehen, das dieser Visionär, diese one-man army, diese lebende Provokation aller unachtsamen Stressmacher nicht an einer seltenen autistischen Störung und/oder Zwangsneurose leidet („Herr Doktor, ja, das Kehrblech hängt immer neben der Tür, auch im Sommer!“) und nicht stundenweise bezahlt wird, dann wird das folgende Video euch, liebe Leser, nach jedem Durchlauf mehr und mehr beruhigen und in einen angenehmen kontemplativen Zustand versetzen. Wer sich dann noch zu Gedankengängen à la „Wieso kehrt der Idiot die Scheiße nicht einfach runter??“ verleiten lässt, dem ist, bei allem Respekt, nicht mehr zu helfen.

Ich selbst bin das genaue Gegenteil des Superabkehrers und setze auf Chaos (richtigerweise muss man an dieser Stelle natürlich sagen, das der Mann den Schnee nicht abkehrt, sondern abnimmt beziehungsweise abhebt).

Nach einem zünftigen Schneefall nähere ich mich also vorsichtig der Frontscheibe und schneide mit meiner EC-Karte einen dreißig mal zehn Zentimeter großen Sehschlitz in die Schneedecke. Etwaiges Eis wird mit der Krankenkassenkarte weg gekratzt, denn die brauche ich (Gott sei Dank!) nicht so häufig. Danach öffne ich unter aller gebotener Vorsicht die Fahrertür, steige ein und ziehe die Tür vorsichtig zu auf das höchstens fünf bis acht Schneeflocken abfallen. Ich genieße ein paar Sekunden das Gefühl in einer gemütlichen dunklen Höhle zu sitzen und fahre vorsichtig los. Und je schneller ich werde, desto größer und schöner ist die Schneewolke hinter mir, denn hey, ich bin ein fahrender Schneesturm! Ich hab das sooo gern. Hach.

Jetzt aber ist der Schneepedant dran:


Direktlink

via Nerdcore

Zen

.

Ein Strauß bunter Melodien

2009. (mehr…)

Testbild

Der rauschende Herbst

Film: Das K. und Herr Jensen (2008)
Musik: Bohren & der Club of Gore – „Zeigefinger“ (aus dem Album „Geisterfaust“) – hier kaufen

Mutti Rutschen Fett Umgemäht

Kürzlich fand ich mich in einem niederländischen Spaßbad wieder. Wellen, Salmonellen, Geschrei. Das komplette Programm also. Ich hatte beschlossen, kurz rüber zum Babybecken zu gehen um mich in das schön warme Wasser zu legen. Dort drüben war das Geschrei nicht mehr ganz so laut, die paar Babys blubberten friedlich im Wasser vor sich hin und die Mütter standen am Beckenrand und tratschten um die Wette. Natürlich verstand ich kein Wort.

Plötzlich lautes Gekreisch. Mein Kopf drehte sich langsam nach rechts oben. Der Eingang zur Babyrutsche. Man konnte nichts sehen, denn der Aufstieg verdeckte die Sicht auf die Einstiegsplattform. Immer noch Gekreisch. Plötzlich veränderte sich der Flennton. Erst wurde er leiser und bekam einen dumpfen Hall und irgendwie klang das, als würde jemand in ein Rohr brüllen. Dann wurde das Flennkreischen abrupt lauter. DER TUNNELAUSGANG!

Ich sah auf das untere Ende der Rutsche und im gleichen Moment schoss ein Dreijähriger aus der Öffnung und kam drei Meter später kurz vor einer kleinen Mauer zum Stehen. Der Kleine war in einen viel zu kleinen und viel zu bunten Schwimmreifen eingezwängt und weinte fürchterlich.

Ich sah wieder hoch zur Rutschenplattform. Da, ein großer dunkler Schatten! Erneut schaute ich zum Rutschenausgang. Masse mal Geschwindigkeit gleich Energie. Plötzlich materialisierte eine seelöwenhafte, mittelschwere Frau im schwarzen Badeanzug kopfüber aus der Tunnelöffnung, schleuderte hart über den Boden (der von circa 20 Zentimeter hohem Wasser bedeckt war), drehte sich auf die Seite und überschlug sich direkt vor die Füße zweier Tratschtanten, die sie beinahe noch mit umriss. Fast wäre ich hingerannt und hätte nachgeschaut, ob sie noch lebt. Aber sie drehte sich schnell auf die andere Seite, stemmte sich erstaunlich mühelos hoch und verschwand mit ihrem immer noch heulenden Kind unterm Arm auf Nimmerwiedersehen im Dickicht halbnackter Menschen.

Duschen. Abtrocknen. Anziehen. Euro. Schwer. Gehen. Atmen. Aufschließen.

Ich heizte den Bungalow auf kuschelige 25 Grad und schrieb folgendes auf ein leeres A4-Blatt: Mutti Rutschen Fett Umgemäht. Dann legte ich mich in die Badewanne und ließ mich von meinem auf den Wasserwellen hin und her schaukelnden Glied in einen tranceartigen Zustand versetzen.

Ich träumte von Robben und gestrandeten Walen.

3. Klasse

Herr Jensen zeigte auch in diesem Schuljahr sehr gute Lernergebnisse. Die Mitarbeit im Unterricht und außerunterrichtlichen Bereich ist lobenswert. Er gibt durchdachte Antworten und informiert sich gern über die neusten Ereignisse. Die Arbeit im Gruppenrat nahm er sehr ernst und erfüllte die übertragenen Aufgaben gewissenhaft und zuverlässig.

Die Ergebnisse im Schwimmunterricht sind befriedigend.

Mein Herz im Herbst

Diesen Samstag geht es seit langer Zeit mal wieder in die Moritzbastei. Warum? Na wegen Sometree! Vor kurzem noch im Vorprogramm von Snow Patrol, nun wieder in kleineren Schuhen unterwegs. Das wird ein von heiligem Ernst erfüllter Abend, garantiert nicht dancefloortauglich, ohne Mitklatschrefrains, ohne eitles Getue und ohne kleine Mädchen in Arschquetschhosen. Bei letzterem bin ich mir aber nicht so sicher.

Früher spielte die mittlerweile in Berlin ansässige Band Hardcore, danach Post-Hardcore (klar) und jetzt Post-Emo-Post-Post-Hard-Emo-Bläsercore. Versuche, die Band in eine Schublade zu legen, sind schwer. Und eigentlich auch Unsinn. Der Sänger klingt zwar manchmal wie Sting, aber das soll uns hier und heute nicht groß stören. Ob Sägegitarren, Pianoflächen, Waldhornpassagen, Geigen oder virtuos gedroschene 5/3-keine-Ahnung-was-für-Takte: Die sprühende Liebe der Band zur Musik webt alles zu einem wundervoll emotionalen Krachklangteppich.

Anschließend: Dörty Däncing.

Sometree bei MySpace.

sometree – sink or swim from sometree on Vimeo.

Platzi und die Kaiserin oder über die Möglichkeit der Befeuerung von PrOn-Fantasien durch Betrachtung von Nachrichtenportalen

Na Kathi Kaiserschnecke, alles klar? Was soll‘n der Platzi nachher noch mit dir machen?
Ähh…hihi…vielleicht das Gleiche wie gestern?
Bist du sicher?
Äh…hihi…ich denke schon.
Pass auf, Muschikätzchen, die Scheiße hier dürfte nur ’ne knappe Stunde dauern, dann kommt der Platzi zu dir, okay?
Hihi…oh ja.

Bild: Geklaut (was sonst) von SprOn.

Blauer Vogel

Da ist er wieder, der blaue Vogel. Seht ihr ihn? Der große blaue Vogel. Wäre so gern mehr. So unendlich gern mehr. Und manchmal spielt er es sogar. Er nervt jeden. Wirklich. Er kann mit einer infantilen Penetranz nerven, die ich so bei Vögeln noch nie erlebt habe. Und klugscheißen kann er, unser blauer Vogel. Weiß immer Bescheid, hat den Durchblick, hat immer Recht. Ein verlorener Travestiestar. Und Schauspieler. Ein schlechter zwar, aber immerhin. Muss sprechen, braucht enorm viel Aufmerksamkeit und regelmäßigen Ledersex. Leicht überheblich, oft verständnisvoll tuend. Monologisiert ohne Pause über Gott und die Welt. Was Gutes? Schwer… Tatscht gern. Tratscht gern. Unterschreitet Distanzbedürfnisse. Versucht, jeden zu vereinnahmen. Kann ohne Aufmerksamkeit einfach nicht existieren, der blaue Vogel.

Achtung, er flattert! Er kommt näher…was will er?

Ahh. Ja. Mhmm. Echt? Jaja. Ja. Mhmm…und dann? Ah. Moment…okay. Mhmm. Jo. Hehe. Jaa. Ach! Nee! Doch doch…klar. Mhmm. Uff. Wirklich? Irre. Nein. Nein. Ja. Nein. Immer. Manchmal. Mhmm. Jup! Oh.

Wieder weggeflattert.

Manchmal muss man den blauen Vogel auch einfach mal annehmen. Buddha hätte es auch so gemacht.

10.000.000 Sonnen

Name: Omega Centauri
Beruf: Kugelsternhaufen
Größe: 150 Lichtjahre
Alter: 12 Milliarden Jahre

Bildquelle: Hubblesite.org

Bitte staunen Sie jetzt. Vielen Dank.

Mein Meisenmann

Hey hey Meisenmann, du süßer kleiner Meisenmann, was machst du denn hier? Hey, Meisenmann, warum schaust du so betrübt? Bist du traurig? Mensch, da kullert ja eine Träne über deine frisch rasierte Wange. Nun mach mal deinen Schlips locker, du schwitzt ja.

Ich weiß, du wolltest immer so lieb sein. Du wolltest es allen Recht machen, allen helfen, gut sein. Du bist so vernünftig, mein Meisenmann, na komm, schau mich an: Bist du frei, Meisenmann? Nein? Bist du deswegen so traurig? Zeig mal deine Flügel, die sind ja ganz nass. Komm her. Du weißt nicht genau, was mit dir los ist? Du fühlst dich leer, einsam und sinnlos? Aber Meisenmann, du hast doch alles, was man sich nur wünschen kann. Einfach alles. Was, du fühlst dich überfordert? Aber das machen doch alle, ich meine, viele so. Die schaffen das doch auch. Nur noch drei oder zehn oder fünfundreißig Jahre, kein Problem. Das bekommst du hin. Was, du willst nicht mehr? Jetzt? Meisenmann, das geht nicht. Was man anfängt muss man auch beenden, das weißt du doch. Ja, genau, man muss was leisten im Leben. Leistung, verstehst du? Leistung hält gesund, klar, auf jeden Fall. Immer am Ball bleiben, du putziger Meisenmann.

Du musst wissen, Meisenmann, dass ich dich sehr lieb habe. Du kannst nichts dafür. Wirklich nicht. Schau dich mal an, dein enttäuschter Blick, deine nassen schwarzen Flügel, Meisenmann, bist das überhaupt du? Was ist denn mit deinen Augen? Bist du übermüdet? Wie, ich soll dir helfen? Wie meinst du das? Frage lieber, wie du dir selbst helfen kannst. Nein, nein, du kannst nicht weg rennen. Das wäre doof. Aber ich verstehe deine Fluchtfantasien. Du Träumer. So, und jetzt reiß dich mal zusammen. Komm, steh auf, Meisenmann. Das nächste Meeting wartet. Alle warten schon auf dich. Alle. Du kennst das doch. Eloquent sein, pünktlich, höflich, geistreich. All das kennst du, Meisenmann. Und all das kannst du.

Und jetzt rein mit dir. Mach’s gut, mein Meisenmann, sei tapfer und beiß dich durch. Kommen auch mal wieder andere Zeiten. Wann? Bald. Keine Ahnung, komm, geh da jetzt rein und erklär dich. Überzeug sie, egal wie. Wir brauchen dich. Du hältst uns schließlich alle aus. Mit deiner schönen und wahren Pflicht.

Franziskarrr!

Grand Opening

Lust auf Farben? Diesen Samstag eröffnet in der Kochstraße 116 am Connewitzer Kreuz ein neuer Laden für Kunstbedarf und wird euch in Zukunft mit hochwertigen Künstlerfarben, Zeichenpapier, Staffeleien und weiteren Kreativitätsboostern versorgen. Außerdem wird es eine Ladengalerie und eine Malwerkstatt geben, in der u.a. Kurse für diverse Maltechniken angeboten werden. Also, mal mal!

Think less but see it grow (Blogparty)

Mein Gott, was liebe ich diese Band! Alle mal anfassen. Kommt, los, Rocco, Captain, Rundordner Foster und Schrankfuchs, wir tanzen! Ja, auch du, XXXXXX, ich weiß, du tanzt nicht gern, aber hier guckt doch keiner zu, also los, herkommen. So, fein, und nun lasst noch Spreeblick und Plutog in die Mitte, prima. Was, Heldenstadt will auch mittanzen? Na komm her Alter, uff‘m Dancefloor sind wa doch alle gleich. Hier, noch etwas Sonne für die Haare und Blumen für die Hose, kann es los gehn? Moment, ich starte den Song…


Phoenix – „Lisztomania“ (YouTube)

Auch schön: 1901. Wie eigentlich das ganze Album. Hatte ich schon erwähnt, dass ich diese Band liebe?

Fotostrecke

Bin gerade im Keller und räume meine Speicherkarten leer, schließlich steht der mehr als verdiente Urlaub vor der Tür, da gibt es immer noch einiges zu erledigen. Ich kippe mal ein paar kommentierte Fotos hier rein. Warnung: Dieser Blogpost hat keinen tieferen Sinn, es handelt sich nur um ein paar harmlose Fotos mit unbedarften Textpassagen. Völlig langweilig also. Here we go… (mehr…)

1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16,0.

Horsti & Friends on Vimeo and on YouTube.

Music by danish musician/producer/DJ Troels Abrahamsen.

Danke an @Schrankfuchs fürs Uploaden

Heilung

Einige haben es sicherlich mitbekommen: Der Unternehmensberater mit der unfassbar schlechten Frisur verkauft jetzt auch Handys. So weit, so egal. Was mich allerdings wirklich ärgert ist die ebenfalls als unfassbar zu bezeichnende Schändung von David Bowies „Heroes“ im aktuellen Werbefilm der Firma Vodafone. Wer nach dem Konsum des Werbeclips an eine Lobotomie dachte: bitte macht es nicht. Schaut euch stattdessen das Originalvideo an, ein zeitloses Low Budget-Meisterwerk in blass-bunt („Hee David, guck ma, wir ham da ’ne Lampe aufgebaut, stell dich ma dahin und singe!“).

I, I will be king
And you, you will be queen


David Bowie – „Heroes“ (YouTube)

Liebes Facebook,

ich habe da mal eine klitze kleine Frage an dich, dauert auch nicht lange.

Ich habe schon so viel von dir gehört. Facebook hier, Facebook da, Facebook trallalla. Ehemals renitente StudiVZ-Verweigerer haben mittlerweile ihren eigenen hübschen Eintrag bei dir und sogar einer der Gründungsinvestoren vom StudiVZ hat selbigem einen Arschtritt verpasst und ist in deine offenen Arme getaumelt. Gut, da gibts diese kleine unschöne Sache mit der CIA – Schwamm drüber. Woll‘n wa ma nich so sein.

Neulich hatte ich Langeweile und bekam Lust dich mal anzugucken. So wie man halt ab und zu in den Zoo geht. Nix weiter dabei. Ich wollte wissen, ob du eine schöne Ergonomie hast, ob man dich flüssig benutzen kann und ob du vielleicht Menschen beherbergst, die ich schon lange aus den Augen verloren habe. Da ich allerdings nur glotzen und nichts kaufen wollte, wählte ich mir einen Fantasienamen („Horsti Frosch“) und durchlief die üblichen Anmeldeformalitäten. Nachdem ich dir verboten hatte, meine Mailadressbücher zu filzen, zeigtest du mir vier Personen mit Bild und Namen und fragtest mich, ob ich von den vier Personen welche kenne. Meine Kinnlade klappte in Richtung Erdmittelpunkt und ein leichter Schauer lief mir über den Rücken, denn ich kannte von den vier Personen genau drei.

Nach diesem kleinen Schock dachte ich: Ahh…clever, dieses Facebook. Hat wohl gemerkt, dass ich mich von Leipzig aus angemeldet habe. IP-Adresse und so. Aber Moment: Die drei Personen wohnen ja gar nicht mehr in Leipzig. Sie wohnen nicht mal in Deutschland. Je einmal Südafrika, Frankreich und USA. Und die drei Personen kennen sich untereinander nicht. Komisch, findest du nicht auch?

Doch dann kam ich drauf: Diese drei Personen haben wahrscheinlich mal nach meinem echten Namen gesucht und endlich ist der Gesuchte in dein Körbchen gehopst. Huch, aber welch‘ Irrtum, ich bin ja als Horsti Frosch angemeldet!

Ich las, dass du weltweit ca. 250 Millionen Nutzer hast. Und jetzt kommt meine eigentliche Frage:

What the fuck?!?

Drenched in Blood

Merke: bei Turbonegro-Konzerten immer hinten stehen.

Turbonegro – „Drenched in Blood (D.I.B.)“ – YouTube

Beige in Erfurt

Okay, jetzt ist der Beigegag aber durch. Versprochen. Im Hintergrund performen übrigens die Original Saaletaler, deren Homepage… ähhhm… wie soll ich das sagen, deren Homepage irgendwie… ja… irgendwie so aussieht. Ist aber gar nicht schlimm, denn der Vertrieb von beiger Musik erfolgt, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, größtenteils nicht über das Internet.

Mein Hintern gehört mir!

Die Themen Überwachung, Kontrolle und Zensur sind ja im Moment die heiß beklöppelten Eisen. Wir haben zwar schon 1999 leidenschaftlich über Überwachung diskutiert, als Ursel von der Leyen gerade mit ihrem circa fünfzehnten Kind schwanger lief, allerdings ging es dabei eher um die Frage, ob und in wie weit uns eine in einer öffentlichen Toilette installierte Überwachungskamera beim Kacken beeinflussen würde.

Apropos Popo.

Letztes Wochenende sahen wir uns auf der Fusion mit einer recht prekären sanitären Situation konfrontiert. Um einen der begehrten Plätze in einem Luxustoilettencontainer (d.h. echte Kloschüssel in eigener Kabine mit Wasserspülung und kostenlosem Toilettenpapier) zu ergattern, mussten tagsüber Wartezeiten von einer Stunde und mehr einkalkuliert werden. Meine Bedenken, nach drei Tagen an Diarrhöe oder Staupe zu erkranken, haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.

Die Wartezeit bis zum Erreichen der göttlichen Kloschüssel konnte man sich mit dem panoptischen Fotokiosk vertreiben. Der kleine Automat machte auf Knopfdruck ein Foto vom Benutzer, welches man dann an Freunde mailen konnte. In dieser Mail stehen, wie ich finde, wichtige und richtige Gedanken zum Thema Überwachung. Hier ein Auszug: (mehr…)

Beige in Bad Elster

Alte Menschen besitzen häufig die unwiderstehliche Aura einer Schrankwand. Unverrückbar stehen sie an ihrem festen Platz und wurden lange nicht mehr ausgemistet. Neue Dinge finden selten in ihnen Platz. Und meistens umweht sie ein Hauch von beschissenem Farbton.

Letztens weilten wir im Kurheilbad Bad Elster, dem scheinbaren Mekka der beige bejackten Ü70-Generation unweit der tschechischen Grenze oder so. Ich lüge nicht wenn ich sage, dass 90 Prozent der an uns vorbei flanierenden Passanten mindestens ein beiges Kleidungsstück trugen. Wie Pappfiguren aus Schießhallen wurden sie an unsichtbaren Seilen hängend an uns vorbei gezogen, ganz langsam. Wir versuchten, den unterschiedlichen Beigetönen Namen zu geben: hell beige, dunkel beige, grau beige, blau beige, ocker beige. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, im örtlichen Kleidungsfachgeschäft („Moden“) ein beiges Kleidungsstück zu kaufen, nur um die Stylegötter in der heimischen Indiedisco zu provozieren. Sehr schnell verwarf ich den Gedanken aber wieder. Wir liefen weiter. Ich musste an Ken Park denken. Genauer gesagt an Tate, der am Ende des Films scheinbar grundlos seine Großeltern ersticht, um sich danach das Gebiss seines Großvaters in den Mund zu stecken. Ich schweifte gedanklich etwas ab, kurz darauf drückte sie meine Hand ein wenig fester und ich war wieder mitten in der Traumstadt einer 88 Jährigen Edelmatrone, die gerne rosa Plastepudel sammelt.

Jemand hatte uns direkt mitten in eine kitschige Postkarte materialisiert, in eine Welt, die einen Hauch von post-sozialistischem Chic mit einer Art Open Air-Altersheim kombinierte. Wir liefen vorbei an Springbrunnen, Sitzbänken und Blumenbeeten zu einem Gebäude, dass unser wissender Begleiter fälschlicherweise der Art Déco Epoche zuordnete. Er bemerkte seinen Fehler allerdings sehr schnell und wir betraten das Gebäude durch den Haupteingang. Ich lief zu einem Tresen, an dem eine ältere Dame frisch gespülte Gläser verteilte und fragte dezent nach Soylent Green. Sie schaute mich lange fragend an. Dann reichte sie mir ein leeres Glas während ich von einem 105 Jährigen auf Krücken weg gedrängelt wurde.

Über eine breite Treppe gelangten wir in ein helles rundes Kellergewölbe. In der Mitte des Raumes stand ein Brunnen, aus dem mehrere dünne Messingrohre ragten. Aus jedem dieser Rohre plätscherte etwas Wasser. Ich probierte von dem Wasser. Es schmeckte stark nach Eisen, so als hätte man an einem Containerschiff geleckt. Ich goss den Rest zurück in den Brunnen. Ich probierte ein anderes Rohr. Dieses Wasser schmeckte weniger nach Eisen, dafür umso mehr nach Salz. Ich spuckte aus und setzte mich anschließend neben eine 98-Jährige auf eine gepolsterte Sitzbank.

Ich hatte Durst, aber dieses Wasser war ungenießbar. Der Raum war erfüllt von einer angenehm meditativen Stimmung. Alle saßen schweigend auf den gepolsterten Sitzbänken und nippten ab und zu an ihren gefüllten Gläsern. Hier und da stand jemand auf, lief in die Mitte des Raumes, ließ sich etwas Wasser in sein Glas und setzte sich wieder auf seinen Platz. Eine angenehme Ruhe erfüllte mich.

Ich blickte rüber zu meiner reizenden Begleiterin die immer noch auf der Treppe stand. Ihre grazile Hand öffnete und schloss sich wieder. Wir verließen das Gebäude und traten in die gleißende Sonne. Bedächtig und viel langsamer als auf dem Herweg liefen wir zurück zu unserer Herberge, dem Hotel Goldener Anker. Ich sah die beigen Jacken, die Wolken, ich hörte den Wind und das Murmeln, das Zwitschern und die Gespräche über Architekturepochen.

Aber eigentlich dachte ich die ganze Zeit nur darüber nach, wann es wohl wieder eine günstige Gelegenheit geben würde um sie zu vögeln.

Sie ziehen uns in den Mangel

Endlich weiß ich, was ich bin. Ich bin ein Krisenkind. Krisenkinder sind verdammt arm dran. Mal wieder im Supermarkt gewesen? Gibt nur noch Kartoffeln, Wasser und Milch. Aber auch das wird bald alle sein. Die Krise ist allgegenwärtig und wir werden von ihr zermalmt. Bald. Ehrlich!

„And what is this?“
„Cheese.“