Archiv der Kategorie 'Dinge'

Mutti Rutschen Fett Umgemäht

Kürzlich fand ich mich in einem niederländischen Spaßbad wieder. Wellen, Salmonellen, Geschrei. Das komplette Programm also. Ich hatte beschlossen, kurz rüber zum Babybecken zu gehen um mich in das schön warme Wasser zu legen. Dort drüben war das Geschrei nicht mehr ganz so laut, die paar Babys blubberten friedlich im Wasser vor sich hin und die Mütter standen am Beckenrand und tratschten um die Wette. Natürlich verstand ich kein Wort.

Plötzlich lautes Gekreisch. Mein Kopf drehte sich langsam nach rechts oben. Der Eingang zur Babyrutsche. Man konnte nichts sehen, denn der Aufstieg verdeckte die Sicht auf die Einstiegsplattform. Immer noch Gekreisch. Plötzlich veränderte sich der Flennton. Erst wurde er leiser und bekam einen dumpfen Hall und irgendwie klang das, als würde jemand in ein Rohr brüllen. Dann wurde das Flennkreischen abrupt lauter. DER TUNNELAUSGANG!

Ich sah auf das untere Ende der Rutsche und im gleichen Moment schoss ein Dreijähriger aus der Öffnung und kam drei Meter später kurz vor einer kleinen Mauer zum Stehen. Der Kleine war in einen viel zu kleinen und viel zu bunten Schwimmreifen eingezwängt und weinte fürchterlich.

Ich sah wieder hoch zur Rutschenplattform. Da, ein großer dunkler Schatten! Erneut schaute ich zum Rutschenausgang. Masse mal Geschwindigkeit gleich Energie. Plötzlich materialisierte eine seelöwenhafte, mittelschwere Frau im schwarzen Badeanzug kopfüber aus der Tunnelöffnung, schleuderte hart über den Boden (der von circa 20 Zentimeter hohem Wasser bedeckt war), drehte sich auf die Seite und überschlug sich direkt vor die Füße zweier Tratschtanten, die sie beinahe noch mit umriss. Fast wäre ich hingerannt und hätte nachgeschaut, ob sie noch lebt. Aber sie drehte sich schnell auf die andere Seite, stemmte sich erstaunlich mühelos hoch und verschwand mit ihrem immer noch heulenden Kind unterm Arm auf Nimmerwiedersehen im Dickicht halbnackter Menschen.

Duschen. Abtrocknen. Anziehen. Euro. Schwer. Gehen. Atmen. Aufschließen.

Ich heizte den Bungalow auf kuschelige 25 Grad und schrieb folgendes auf ein leeres A4-Blatt: Mutti Rutschen Fett Umgemäht. Dann legte ich mich in die Badewanne und ließ mich von meinem auf den Wasserwellen hin und her schaukelnden Glied in einen tranceartigen Zustand versetzen.

Ich träumte von Robben und gestrandeten Walen.

3. Klasse

Herr Jensen zeigte auch in diesem Schuljahr sehr gute Lernergebnisse. Die Mitarbeit im Unterricht und außerunterrichtlichen Bereich ist lobenswert. Er gibt durchdachte Antworten und informiert sich gern über die neusten Ereignisse. Die Arbeit im Gruppenrat nahm er sehr ernst und erfüllte die übertragenen Aufgaben gewissenhaft und zuverlässig.

Die Ergebnisse im Schwimmunterricht sind befriedigend.

Mein Herz im Herbst

Diesen Samstag geht es seit langer Zeit mal wieder in die Moritzbastei. Warum? Na wegen Sometree! Vor kurzem noch im Vorprogramm von Snow Patrol, nun wieder in kleineren Schuhen unterwegs. Das wird ein von heiligem Ernst erfüllter Abend, garantiert nicht dancefloortauglich, ohne Mitklatschrefrains, ohne eitles Getue und ohne kleine Mädchen in Arschquetschhosen. Bei letzterem bin ich mir aber nicht so sicher.

Früher spielte die mittlerweile in Berlin ansässige Band Hardcore, danach Post-Hardcore (klar) und jetzt Post-Emo-Post-Post-Hard-Emo-Bläsercore. Versuche, die Band in eine Schublade zu legen, sind schwer. Und eigentlich auch Unsinn. Der Sänger klingt zwar manchmal wie Sting, aber das soll uns hier und heute nicht groß stören. Ob Sägegitarren, Pianoflächen, Waldhornpassagen, Geigen oder virtuos gedroschene 5/3-keine-Ahnung-was-für-Takte: Die sprühende Liebe der Band zur Musik webt alles zu einem wundervoll emotionalen Krachklangteppich.

Anschließend: Dörty Däncing.

Sometree bei MySpace.

sometree – sink or swim from sometree on Vimeo.

Platzi und die Kaiserin oder über die Möglichkeit der Befeuerung von PrOn-Fantasien durch Betrachtung von Nachrichtenportalen

Na Kathi Kaiserschnecke, alles klar? Was soll‘n der Platzi nachher noch mit dir machen?
Ähh…hihi…vielleicht das Gleiche wie gestern?
Bist du sicher?
Äh…hihi…ich denke schon.
Pass auf, Muschikätzchen, die Scheiße hier dürfte nur ’ne knappe Stunde dauern, dann kommt der Platzi zu dir, okay?
Hihi…oh ja.

Bild: Geklaut (was sonst) von SprOn.

Blauer Vogel

Da ist er wieder, der blaue Vogel. Seht ihr ihn? Der große blaue Vogel. Wäre so gern mehr. So unendlich gern mehr. Und manchmal spielt er es sogar. Er nervt jeden. Wirklich. Er kann mit einer infantilen Penetranz nerven, die ich so bei Vögeln noch nie erlebt habe. Und klugscheißen kann er, unser blauer Vogel. Weiß immer Bescheid, hat den Durchblick, hat immer Recht. Ein verlorener Travestiestar. Und Schauspieler. Ein schlechter zwar, aber immerhin. Muss sprechen, braucht enorm viel Aufmerksamkeit und regelmäßigen Ledersex. Leicht überheblich, oft verständnisvoll tuend. Monologisiert ohne Pause über Gott und die Welt. Was Gutes? Schwer… Tatscht gern. Tratscht gern. Unterschreitet Distanzbedürfnisse. Versucht, jeden zu vereinnahmen. Kann ohne Aufmerksamkeit einfach nicht existieren, der blaue Vogel.

Achtung, er flattert! Er kommt näher…was will er?

Ahh. Ja. Mhmm. Echt? Jaja. Ja. Mhmm…und dann? Ah. Moment…okay. Mhmm. Jo. Hehe. Jaa. Ach! Nee! Doch doch…klar. Mhmm. Uff. Wirklich? Irre. Nein. Nein. Ja. Nein. Immer. Manchmal. Mhmm. Jup! Oh.

Wieder weggeflattert.

Manchmal muss man den blauen Vogel auch einfach mal annehmen. Buddha hätte es auch so gemacht.

10.000.000 Sonnen

Name: Omega Centauri
Beruf: Kugelsternhaufen
Größe: 150 Lichtjahre
Alter: 12 Milliarden Jahre

Bildquelle: Hubblesite.org

Bitte staunen Sie jetzt. Vielen Dank.

Mein Meisenmann

Hey hey Meisenmann, du süßer kleiner Meisenmann, was machst du denn hier? Hey, Meisenmann, warum schaust du so betrübt? Bist du traurig? Mensch, da kullert ja eine Träne über deine frisch rasierte Wange. Nun mach mal deinen Schlips locker, du schwitzt ja.

Ich weiß, du wolltest immer so lieb sein. Du wolltest es allen Recht machen, allen helfen, gut sein. Du bist so vernünftig, mein Meisenmann, na komm, schau mich an: Bist du frei, Meisenmann? Nein? Bist du deswegen so traurig? Zeig mal deine Flügel, die sind ja ganz nass. Komm her. Du weißt nicht genau, was mit dir los ist? Du fühlst dich leer, einsam und sinnlos? Aber Meisenmann, du hast doch alles, was man sich nur wünschen kann. Einfach alles. Was, du fühlst dich überfordert? Aber das machen doch alle, ich meine, viele so. Die schaffen das doch auch. Nur noch drei oder zehn oder fünfundreißig Jahre, kein Problem. Das bekommst du hin. Was, du willst nicht mehr? Jetzt? Meisenmann, das geht nicht. Was man anfängt muss man auch beenden, das weißt du doch. Ja, genau, man muss was leisten im Leben. Leistung, verstehst du? Leistung hält gesund, klar, auf jeden Fall. Immer am Ball bleiben, du putziger Meisenmann.

Du musst wissen, Meisenmann, dass ich dich sehr lieb habe. Du kannst nichts dafür. Wirklich nicht. Schau dich mal an, dein enttäuschter Blick, deine nassen schwarzen Flügel, Meisenmann, bist das überhaupt du? Was ist denn mit deinen Augen? Bist du übermüdet? Wie, ich soll dir helfen? Wie meinst du das? Frage lieber, wie du dir selbst helfen kannst. Nein, nein, du kannst nicht weg rennen. Das wäre doof. Aber ich verstehe deine Fluchtfantasien. Du Träumer. So, und jetzt reiß dich mal zusammen. Komm, steh auf, Meisenmann. Das nächste Meeting wartet. Alle warten schon auf dich. Alle. Du kennst das doch. Eloquent sein, pünktlich, höflich, geistreich. All das kennst du, Meisenmann. Und all das kannst du.

Und jetzt rein mit dir. Mach’s gut, mein Meisenmann, sei tapfer und beiß dich durch. Kommen auch mal wieder andere Zeiten. Wann? Bald. Keine Ahnung, komm, geh da jetzt rein und erklär dich. Überzeug sie, egal wie. Wir brauchen dich. Du hältst uns schließlich alle aus. Mit deiner schönen und wahren Pflicht.

Franziskarrr!

Grand Opening

Lust auf Farben? Diesen Samstag eröffnet in der Kochstraße 116 am Connewitzer Kreuz ein neuer Laden für Kunstbedarf und wird euch in Zukunft mit hochwertigen Künstlerfarben, Zeichenpapier, Staffeleien und weiteren Kreativitätsboostern versorgen. Außerdem wird es eine Ladengalerie und eine Malwerkstatt geben, in der u.a. Kurse für diverse Maltechniken angeboten werden. Also, mal mal!

Think less but see it grow (Blogparty)

Mein Gott, was liebe ich diese Band! Alle mal anfassen. Kommt, los, Rocco, Captain, Rundordner Foster und Schrankfuchs, wir tanzen! Ja, auch du, XXXXXX, ich weiß, du tanzt nicht gern, aber hier guckt doch keiner zu, also los, herkommen. So, fein, und nun lasst noch Spreeblick und Plutog in die Mitte, prima. Was, Heldenstadt will auch mittanzen? Na komm her Alter, uff‘m Dancefloor sind wa doch alle gleich. Hier, noch etwas Sonne für die Haare und Blumen für die Hose, kann es los gehn? Moment, ich starte den Song…


Phoenix – „Lisztomania“ (YouTube)

Auch schön: 1901. Wie eigentlich das ganze Album. Hatte ich schon erwähnt, dass ich diese Band liebe?

Fotostrecke

Bin gerade im Keller und räume meine Speicherkarten leer, schließlich steht der mehr als verdiente Urlaub vor der Tür, da gibt es immer noch einiges zu erledigen. Ich kippe mal ein paar kommentierte Fotos hier rein. Warnung: Dieser Blogpost hat keinen tieferen Sinn, es handelt sich nur um ein paar harmlose Fotos mit unbedarften Textpassagen. Völlig langweilig also. Here we go… (mehr…)

1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16,0.

Horsti & Friends on Vimeo and on YouTube.

Music by danish musician/producer/DJ Troels Abrahamsen.

Danke an @Schrankfuchs fürs Uploaden

Heilung

Einige haben es sicherlich mitbekommen: Der Unternehmensberater mit der unfassbar schlechten Frisur verkauft jetzt auch Handys. So weit, so egal. Was mich allerdings wirklich ärgert ist die ebenfalls als unfassbar zu bezeichnende Schändung von David Bowies „Heroes“ im aktuellen Werbefilm der Firma Vodafone. Wer nach dem Konsum des Werbeclips an eine Lobotomie dachte: bitte macht es nicht. Schaut euch stattdessen das Originalvideo an, ein zeitloses Low Budget-Meisterwerk in blass-bunt („Hee David, guck ma, wir ham da ’ne Lampe aufgebaut, stell dich ma dahin und singe!“).

I, I will be king
And you, you will be queen


David Bowie – „Heroes“ (YouTube)

Beige in Erfurt

Okay, jetzt ist der Beigegag aber durch. Versprochen. Im Hintergrund performen übrigens die Original Saaletaler, deren Homepage… ähhhm… wie soll ich das sagen, deren Homepage irgendwie… ja… irgendwie so aussieht. Ist aber gar nicht schlimm, denn der Vertrieb von beiger Musik erfolgt, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, größtenteils nicht über das Internet.

Mein Hintern gehört mir!

Die Themen Überwachung, Kontrolle und Zensur sind ja im Moment die heiß beklöppelten Eisen. Wir haben zwar schon 1999 leidenschaftlich über Überwachung diskutiert, als Ursel von der Leyen gerade mit ihrem circa fünfzehnten Kind schwanger lief, allerdings ging es dabei eher um die Frage, ob und in wie weit uns eine in einer öffentlichen Toilette installierte Überwachungskamera beim Kacken beeinflussen würde.

Apropos Popo.

Letztes Wochenende sahen wir uns auf der Fusion mit einer recht prekären sanitären Situation konfrontiert. Um einen der begehrten Plätze in einem Luxustoilettencontainer (d.h. echte Kloschüssel in eigener Kabine mit Wasserspülung und kostenlosem Toilettenpapier) zu ergattern, mussten tagsüber Wartezeiten von einer Stunde und mehr einkalkuliert werden. Meine Bedenken, nach drei Tagen an Diarrhöe oder Staupe zu erkranken, haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.

Die Wartezeit bis zum Erreichen der göttlichen Kloschüssel konnte man sich mit dem panoptischen Fotokiosk vertreiben. Der kleine Automat machte auf Knopfdruck ein Foto vom Benutzer, welches man dann an Freunde mailen konnte. In dieser Mail stehen, wie ich finde, wichtige und richtige Gedanken zum Thema Überwachung. Hier ein Auszug: (mehr…)

Beige in Bad Elster

Alte Menschen besitzen häufig die unwiderstehliche Aura einer Schrankwand. Unverrückbar stehen sie an ihrem festen Platz und wurden lange nicht mehr ausgemistet. Neue Dinge finden selten in ihnen Platz. Und meistens umweht sie ein Hauch von beschissenem Farbton.

Letztens weilten wir im Kurheilbad Bad Elster, dem scheinbaren Mekka der beige bejackten Ü70-Generation unweit der tschechischen Grenze oder so. Ich lüge nicht wenn ich sage, dass 90 Prozent der an uns vorbei flanierenden Passanten mindestens ein beiges Kleidungsstück trugen. Wie Pappfiguren aus Schießhallen wurden sie an unsichtbaren Seilen hängend an uns vorbei gezogen, ganz langsam. Wir versuchten, den unterschiedlichen Beigetönen Namen zu geben: hell beige, dunkel beige, grau beige, blau beige, ocker beige. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, im örtlichen Kleidungsfachgeschäft („Moden“) ein beiges Kleidungsstück zu kaufen, nur um die Stylegötter in der heimischen Indiedisco zu provozieren. Sehr schnell verwarf ich den Gedanken aber wieder. Wir liefen weiter. Ich musste an Ken Park denken. Genauer gesagt an Tate, der am Ende des Films scheinbar grundlos seine Großeltern ersticht, um sich danach das Gebiss seines Großvaters in den Mund zu stecken. Ich schweifte gedanklich etwas ab, kurz darauf drückte sie meine Hand ein wenig fester und ich war wieder mitten in der Traumstadt einer 88 Jährigen Edelmatrone, die gerne rosa Plastepudel sammelt.

Jemand hatte uns direkt mitten in eine kitschige Postkarte materialisiert, in eine Welt, die einen Hauch von post-sozialistischem Chic mit einer Art Open Air-Altersheim kombinierte. Wir liefen vorbei an Springbrunnen, Sitzbänken und Blumenbeeten zu einem Gebäude, dass unser wissender Begleiter fälschlicherweise der Art Déco Epoche zuordnete. Er bemerkte seinen Fehler allerdings sehr schnell und wir betraten das Gebäude durch den Haupteingang. Ich lief zu einem Tresen, an dem eine ältere Dame frisch gespülte Gläser verteilte und fragte dezent nach Soylent Green. Sie schaute mich lange fragend an. Dann reichte sie mir ein leeres Glas während ich von einem 105 Jährigen auf Krücken weg gedrängelt wurde.

Über eine breite Treppe gelangten wir in ein helles rundes Kellergewölbe. In der Mitte des Raumes stand ein Brunnen, aus dem mehrere dünne Messingrohre ragten. Aus jedem dieser Rohre plätscherte etwas Wasser. Ich probierte von dem Wasser. Es schmeckte stark nach Eisen, so als hätte man an einem Containerschiff geleckt. Ich goss den Rest zurück in den Brunnen. Ich probierte ein anderes Rohr. Dieses Wasser schmeckte weniger nach Eisen, dafür umso mehr nach Salz. Ich spuckte aus und setzte mich anschließend neben eine 98-Jährige auf eine gepolsterte Sitzbank.

Ich hatte Durst, aber dieses Wasser war ungenießbar. Der Raum war erfüllt von einer angenehm meditativen Stimmung. Alle saßen schweigend auf den gepolsterten Sitzbänken und nippten ab und zu an ihren gefüllten Gläsern. Hier und da stand jemand auf, lief in die Mitte des Raumes, ließ sich etwas Wasser in sein Glas und setzte sich wieder auf seinen Platz. Eine angenehme Ruhe erfüllte mich.

Ich blickte rüber zu meiner reizenden Begleiterin die immer noch auf der Treppe stand. Ihre grazile Hand öffnete und schloss sich wieder. Wir verließen das Gebäude und traten in die gleißende Sonne. Bedächtig und viel langsamer als auf dem Herweg liefen wir zurück zu unserer Herberge, dem Hotel Goldener Anker. Ich sah die beigen Jacken, die Wolken, ich hörte den Wind und das Murmeln, das Zwitschern und die Gespräche über Architekturepochen.

Aber eigentlich dachte ich die ganze Zeit nur darüber nach, wann es wohl wieder eine günstige Gelegenheit geben würde um sie zu vögeln.

Sie ziehen uns in den Mangel

Endlich weiß ich, was ich bin. Ich bin ein Krisenkind. Krisenkinder sind verdammt arm dran. Mal wieder im Supermarkt gewesen? Gibt nur noch Kartoffeln, Wasser und Milch. Aber auch das wird bald alle sein. Die Krise ist allgegenwärtig und wir werden von ihr zermalmt. Bald. Ehrlich!

„And what is this?“
„Cheese.“

Hamsterrad of Death

Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren – von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. […]

Stressfaktor Nummer eins ist der Job, wie die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gaben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. […]

Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. […]

Vollständigen Artikel lesen (SPON)…

Kunst ist ein revolutionärer Akt

Letzte Nacht habe ich davon geträumt, wie ich ein Videointerview mit Jonathan Meese blogge. Und jetzt habe ich es tatsächlich getan. Seltsam.

Jonathan Meese bei Youtube

Guten Tag, ich möchte mich beschweren!

Sie möchten sich beschweren? Ja, sehr gut. Wie hätten Sie es denn gern: mit Blei, Beton oder möchten Sie, dass wir Sie mit unserer hauseigenen Cat CP76 bedienen? Wie, falsch verstanden? Ach so, Sie möchten sich über etwas aufregen. Worum geht es denn? Moment, nicht so schnell, ich habe nur Katastrophe und Bus verstanden. Ihr Bus kommt seit drei Tagen aufgrund einer Baustelle 2 Minuten zu spät? Aha. Und das empfinden Sie nun als Katastrophe. Ja, ich höre Sie. Und vor 30 Jahren hat der Fahrschein mal 60 Pfennig gekostet? Interessant. Das wusste ich noch nicht. Was ist denn mit dem Busfahrer? Hat fettige Haare und sieht ausländisch aus? Und die neue Linientaktung empfinden Sie ebenfalls als katastrophal?

Soll ich Ihnen mal was sagen? Sie sind ein weinerliches, jammerndes Häufchen stinkender, hypersaturierter Katzenscheiße.

Nein, jetzt mal Fresse halten und zuhören! Katastrophen sind: Krieg, Erdbeben, Kometeneinschlag, AIDS. Keine Katastrophen sind: Stau, Bahnverspätungen, Parkverbote, Eintrittspreise oder TV-Programme. Noch einmal: Katastrophen sind: Hurrikane, Taifune, Super-GAU und gerade noch so der Tornado. Keine Katastrophen sind: Schlaglöcher, Nebenkostennachforderungen, Öffnungszeiten und defekte Geldautomaten. Kündigung und Arbeitslosigkeit? Keine Katastrophe. Kolbenfresser? Keine Katastrophe. Eine Woche feiner Durchfall? Tut mir leid, auch keine Katastrophe.

Da ich bereits gemerkt habe, dass Sie ein renitentes Querulantenarschloch sind, gebe ich Ihnen mal drei anschauliche Beispiele für Katastrophen in der jüngeren Menschheitsgeschichte. Da hätten wir als Erstes den Völkermord in Ruanda im Jahr 1994. In drei Monaten wurden 800.000 Menschen größtenteils mit Macheten abgeschlachtet. Hat damals keinen interessiert. Weiter. Mal vom Bürgerkrieg in Uganda gehört, wo unter Zwang mehr Kinder als Erwachsene gekämpft haben? Sagt Ihnen Srebrenica was? 30 Tage, 8000 Tote?

Wie, ich bin frech? Wer will mir hier Wohlstandslappalien als Katastrophe verkaufen, Sie oder ich? Und jetzt legen Sie lieber schnell auf, sonst beschwere ich mich bei der Bundeskanzlerin über Sie!

Hallo?

Deutsches Museum München –
Geekshit of the Universe

Wer sich als kleiner Junge oder kleines Mädchen für Flugzeuge, Hubschrauber, Schiffe, Raketen, Teilchenbeschleuniger, Planeten, Licht, Strom, Chemie, Physik und Computer interessierte und gleichzeitig noch Sendungen wie „Abenteuer Forschung“ oder die „Knoff-Hoff-Show“ im TV verfolgt hat, der oder die sollte sich eine Woche frei nehmen und das Deutsche Museum in München besuchen. (mehr…)

Der Lonsdale-Papa

Oft sehe ich ihn nicht, aber wenn, dann ist es irgendwie unangenehm. Weder weiß ich, wie er heißt, wo er wohnt oder ob und was er arbeitet. Er riecht immer nach Zigarettenasche, selten nach Alkohol. Er ist klein und drahtig und scheint gerade der Pubertät entkrochen zu sein. Obendrein ist er unglaublich hässlich und möglicherweise dumm, denn nur so kann ich mir erklären, warum er vorzugsweise Kleidung der Marke Lonsdale aufträgt, die bekanntermaßen vor allem von Neonazis bevorzugt wird. Manchmal trägt er auch ein dunkelblaues Bomberjäckchen von Alpha Industries, dazu enge Jeans und weiße Turnschuhe. Ich kann hier nur Vermutungen anstellen, aber sollte er ausnahmsweise kein rechtes Gedankengut in seiner Gehirnbaracke stapeln, dann könnte er auch das typische Hooligan Mitläuferwürstchen sein, also einer, der sich gerne hinter den richtig harten Jungs versteckt.

Trotzdem scheint er sich liebevoll um seine Tochter zu kümmern. Neulich saßen wir in der Garderobe des Kindergartens und seine Tochter sprach ihn aus Versehen mit „Mama“ an. Er grinste jovial väterlich und griff sich mit beiden Händen an seine Brust, machte kreisförmige, reibende Bewegungen und sagte dann: „Na, da fehlt mir hier aber was!“.

Er lachte vergnügt. Ich lachte gequält mit. Zwangsläufig sozusagen. Da ich die Mama auch schon gesehen hatte wusste ich, dass ihm da sehr sehr viel fehlt. Es würde mich interessieren, was er über mich denkt. Wahrscheinlich denkt er nicht übermäßig viel, aber das Wenige, was da oben in seinem Gehirnkasten kreucht und fleucht…doch, das würde mich wirklich interessieren. Mir fällt ein, das meine Tochter vor über einem Jahr an einem Kindergeburtstag teilnahm, den er und seine Frau (Freundin? Schwester? Cousine?) ausrichteten. Ich war leider nicht dabei, aber meiner Tochter hatte es gut gefallen und sie begrüßte mich nach der Feier nicht mit „Sieg Heil“. Also machte ich mir keine Sorgen.

Das nächste mal fahre ich mit hin. Ich werde versuchen, mit ihm ein Bier zu trinken und wenn mir die Gelegenheit günstig erscheint, werde ich ihn freundschaftlich in die Seite knuffen und folgendes fragen:

„Du…mal so unter uns: wieso läufst du eigentlich so scheiße rum?“

Frohe Ostern!


„Der armlose Osterhase“ von L.

Der erste Sonnenstrahl im Tal der Lust

Normalerweise denkst du schnell, dass du abgelehnt wirst. Du gehst zu deiner Frau und wenn sie nicht bereit ist, mit dir zu sein oder sie nicht besonders liebevoll mit dir ist, dann fühlst du dich zurück gewiesen. Dein Ego ist verletzt. Dieses Ego ist kein besonders intelligentes Ding. Alle Egos sind idiotisch.

Intelligenz kennt kein Ego. Intelligenz sieht einfach, was passiert. Intelligenz versucht zu verstehen, warum die Frau jetzt nicht mit dir sein will. Sie weist dich nicht zurück – du weißt das, denn sie hat dich so geliebt, sie liebt dich immer noch so sehr – aber in diesem Moment möchte sie gerne alleine sein. Wenn du sie liebst, dann wirst du sie alleine lassen. Du wirst sie nicht erpressen, du wirst sie nicht dazu zwingen, mit dir zu schlafen.

Wenn der Mann alleine sein will, dann wird sich die Frau nicht denken: „Jetzt ist er nicht mehr an mir interessiert. Wahrscheinlich ist er mit einer anderen Frau…“ Eine intelligente Frau wird den Mann alleine lassen, damit er sich sammeln kann und wieder Energie zum Teilen bekommt.

Dieser Rhythmus ist wie Tag und Nacht, Sommer und Winter. Es verändert sich ständig. Wenn zwei Menschen miteinander respektvoll umgehen – und Liebe ist immer respektvoll, sie schätzt den anderen, sie verehrt den anderen, wie während eines Gebets – dann werdet ihr euch langsam aber sicher verstehen. Dir wird der Rhythmus des anderen bewusst sein, ebenso wie dein eigener.

Bald werdet ihr bemerken, dass mit der Liebe sich eure beiden Rhythmen annähern. Wenn du dich liebevoll fühlst, fühlt sie es auch. Die Beziehung wird von selbst stabil. Sie wird synchron.

Osho, Philosophia Perennis

Einen Toast mit Butter und Salz essen (Das Korn mit den gelben Ähren)

Wenn wir uns im Zustand höchster Achtsamkeit befinden, dann kann etwas sehr einfaches zu etwas sehr besonderem werden. Gehe zu deinem Toaster und röste dir einen Toast. Nimm den Toast heraus und lege ihn auf einen Teller. Betrachte ihn eine kurze Zeit und streiche dann eine Menge Butter deiner Wahl auf die warme Oberfläche. Sieh, wie die Butter zerläuft und langsam flüssig wird.

Bestreue den Toast mit etwas Salz. Nimm ihn in deine Hand und führe ihn zu deinem Mund. Beiße hinein und fange langsam an zu kauen. Merkst du, wie deine Geschmacksnerven feuern und wie immer mehr Speichel in deinen Mund schießt? Siehst du das Korn? Die gelbe Weite? Sanft weht ein Sommerwind durch die gelben Ähren. Es raschelt leise und es ist sehr trocken. Ein goldener Sommertag, an dem wir früher als Kinder immer ganz lange draußen geblieben sind und abends völlig fertig und verdreckt nach Hause kamen um feucht träumend am nächsten Morgen wieder los zu rennen auf der Suche nach neuen Abenteuern. Du schaust nach oben und siehst die Sonne. Das Licht der Sonne wird umgewandelt und es entstehen Pflanzen die wachsen und später goldene Ähren ausbilden, die zu Mehl gemahlen werden, dann zu Teig verarbeitet werden, dann gebacken, dann abgekühlt, dann aufgeschnitten, dann gegessen, dann umgewandelt und dann wieder abgesondert werden. Ohne Sonne kein Brot. Sieh, wie sich die Ähren der Sonne entgegen strecken, wie sie gelockt werden, sie lechzen nach Licht. Wir alle lechzen nach Licht.

Kaue weiter, lass dich fallen. Schmecke das Fett der Butter. Die Butter war mal Milch in einer Kuh. Die Kuh stand draußen auf der Wiese und fraß Gras. Das Gras wuchs nur unter dem Einfluss von Sonnenlicht. Alles ist ein goldener pulsierender Strom. Es gibt hier keine Zeit. Es gibt nur einen Moment der ewig dauert. Beiß erneut von deinem Toast ab.

Kannst du das Licht schmecken?

Herrenlose Bücher im Hausflur

Heute ein Bild aus der Reihe „Dinge, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben“:

Die technologische Singularität

Neulich saß ich da und dachte: scheiße, auch du wirst irgendwann sterben. Und du auch. Alle die du kennst werden bald tot sein. Sie werden ohne ihr Zutun beendet. Diesmal gibt es keine Wahl. Abends einschlafen und nie wieder aufwachen. Wäre das eine Erlösung oder ein Verlust? Die meisten Menschen würden sagen: Verlust.

Verlust von allem. Die zentrale Frage lautet: was ist Tod und wie könnte dieser Tod vermieden werden? (mehr…)

Das endet wenn ich ablehne mich zu wehren / Und draußen viele andere die sich wehren

Samstag.

Wir hatten mit großer Mühe die Ghost Bees überstanden und sehnten uns nach purem goldenen Krach. Glass and Fishes hatten wir leider verpasst, sehr schade. Das letzte was ich hörte klang gut. Pling Plang Plang Pling Plang Plang. Die zwei mit Federn geschmückten Jungmatronen bauten sorgsam ihre Bühnendekoration ab, die wohl eine Art Reminiszens an indianisches Folkloretum darstellen sollte. Ich schob mein Saftglas in die Jackentasche und wir gingen nach draußen, um ein wenig Connewitzer Vorfrühlingsluft zu atmen. Als wir in den Saal zurück kehrten versuchte ich, das K. in Richtung der Bühne zu ziehen, denn ich hatte das Gefühl, die Leute warteten ungeduldig auf unseren Auftritt. Ich bemerkte meinen Irrtum aber schnell und wir platzierten uns in der Nähe des leicht adipös wirkenden Mischers.

Der schönste Moment, der beginnt und gleich wieder trennt.

Plötzlich stand er neben uns. Mit Parka, Umhängetasche und obligatorischer Hornbrille. Er stand wie versteinert da und stierte in Richtung Bühne. Ich erschrak und vergrub mein Gesicht in ihrem unglaublich gut riechenden Haar. Dann schaute ich wieder hin. Er hatte abgenommen und war scheinbar nicht betrunken. Er rührte sich nicht. Gut so, dachte ich, und ich ließ mich wieder von der Band mitnehmen. Doch dann begann er ohne Vorwarnung exaltiert zu tanzen, und die Brille rutschte ihm dabei fast aus dem eckigen Gesicht. Das mit Backpulver oder Paracetamolstaub verschnittene Speed, dass er sich offensichtlich kurz vor Konzertbeginn auf der mit Urinstein verkrusteten Klobrille eingefahren hatte, begann zu wirken und Holden tanzte sich recht schnell warm.

In deinem Garten machen wir kaputt was wir erwarten.

Dann pfiff es und die Band musste aufgrund eines technischen Problems pausieren. Der mit Truckermütze bemützte Mützer ähhh Mischer verfiel in wohl dosierte Hektik und Holden ergriff seine Chance. Er schrie quer durch den Raum zur Bühne:

„Ehh, macht euch doch ma locker! Ihr seid so unlocker!“

Stille.

Dann schrie er noch einmal:

„Ich meine, ihr macht coole Musik, aber ihr seid so unlocker!! Macht euch doch mal locker!“

Die Replik kam ad hoc von einer couragierten Konzertbesucherin aus dem Publikum:

„Halt deine Schnauze!“

Holden in Richtung der Couragierten:

„Ja sag ich doch!!“

Die Band bedankte sich höflich beim Publikum und alle klatschten. Holden schniefte und bebte. Er war offensichtlich kein glühender Verehrer des Shoegazertums und stürmte, ich würde sagen, ziemlich unlocker, aus dem Saal. Die unglaubliche Rampensauigkeit, die Holden in seinen eigenen Shows zelebriert, scheint offenbar der Maßstab für alle zu sein. Holden, du respektloses Arschloch.

Auf der Bühne indes mehrstimmige, live gesampelte Chöre, Hackbretter und Schifferklaviere direkt aus der psychedelischen Hölle. Feuer und Einsamkeit. Wärme und Hoffnung. Knabenhafter Gesang und akribisch arrangierte, fantastisch dargebotene Songs.

Die Band heißt Klez.e und das gerade erschienene Album nennt sich „Vom Feuer der Gaben“, erschienen bei Loob Musik.


Klez.e – „Strandlied“, vom Vorgängeralbum „Flimmern“. MySpace

Am Telefon

Guten Tag, Sie sprechen mit Herr Jensen.

Hallo?

Ja, hallo.

Jürgens?

Nein, Jensen.

Ah, ich hatte Jürgens verstanden. Guten Tag, Frau Jensen.

Nein, Herr Jensen!

Ah, guten Tag, Frau Herrjensen.

Nein, ich bin der Herr Jensen.

Oh, Entschuldigung, Sie klingen so weiblich.

Gut. Worum geht es?

[…]

Vielen Dank, Herr Jensen, und b b.

Was heißt denn b b?

Das heißt: bis bald.

Ja, bis bald. Auf Wiederhören.
.
.
.
NICHT.

Das Panzer fahrende Buddhalienchen

Sie hatte den Panzer zum fünften Geburtstag von ihrem sehr reichen Großonkel Herbert bekommen. Erst wusste sie nichts damit anzufangen, denn sie hatte sich eigentlich die aktuelle Figur der Penny Mae-Puppe gewünscht, eine an Anorexia nervosa leidende Plastikpuppe. Doch nach zwei Tagen des Darbens stieg das Buddhalienchen in den Panzer und alle Verwandten freuten sich, dass die Kleine nun doch noch ihr Geschenk in Besitz nahm. Das Buddhalienchen kletterte in den Panzer und machte es sich bequem. Anschließend probierte sie den Zündschlüssel.

Der Panzer sprang sofort an. Er machte einen unglaublichen Lärm und Oma Elsbeth hielt sich beide Ohren zu. Dabei lachte sie weiter, ihr Gesicht war fratzenhaft entstellt. Nach kurzer Zeit roch es im Wohnzimmer nach Benzin und Abgasen und alle begannen zu husten. Der Panzer hatte schließlich einen 1.1er Benzinmotor mit Miniturbo und war bis zu 70 km/h schnell. Das Buddhalienchen begann nun ebenfalls zu husten und merkte dabei nicht, wie ihre linke Hand einen Hebel berührte, der sofort nach links sprang. Mit einem Ruck drehte sich das Panzerohr nach links und zertrümmerte dabei den Kiefer von Onkel Herold. Es knirschte laut und Harold spuckte Blut, Zähne und Knochenstückchen auf die ihm gegenüber sitzende Oma Hannelore. Das Panzerrohr indes drehte sich schnell weiter und krachte mit einem dumpfen Geräusch gegen das Gesäß von Opa Horst, der sich gerade die Ablagerungen des Rauchs von seiner Brille putzen wollte. Er wurde quer durch den Raum geschleudert und prallte mit dem Kopf an einen Eisenpfeiler. Alle schrieen wild durcheinander und das Buddhalienchen drehte und drehte sich bis sie durch Zufall wieder mit ihrer linken Hand den Schalter berührte und der Panzerturm plötzlich anhielt. Sie wollte natürlich sofort aussteigen und trat dabei aus Versehen auf das Gaspedal des Panzers.

Er schoss sofort los.

Es gab ein rasselndes Geräusch, einen tumben Knall, und der Panzer hatte die Hauswand durchbrochen und raste quer über den Vorgarten auf Onkel Helmuts VW Polo zu. Der Panzer schoss in Richtung Polo, verkeilte sich krachend in ihm und schob in unbeirrt auf die gegenüberliegende Hauswand zu. Der Goldfischteich, Gartenzwerge, Briefkästen, Sträucher: alles wurde zerstört. Der Panzer zerdrückte den Polo schließlich an der Hauswand, durchbrach auch diese noch und schob ihn direkt in das Wohnzimmer von Familie Kubujeit.

Herr Kubujeit schien gar nicht amüsiert darüber zu sein, plötzlich einen VW Polo in seiner Wohnstube vorzufinden. Er schrie durch das Loch nach draußen (der Panzer war mittlerweile stehen geblieben und hatte sich selbst abgewürgt):

„Ehhhhhh…was solln die Scheiße! Spinnt ihr, ihr Volldeppen? Wem jehört dit Ding hier??“

Es war Donnerstag gegen 14.25 Uhr und Herr Kubujeit schien schon ordentlich angetrunken zu sein. Er stapfte durch das Loch in seiner Wand nach draußen und wankte quer über die Straße auf das Loch der Weigels zu. Bei dem Versuch, durch das Loch zu steigen, rutschte er aus und rammte sich einen spitzen Mauerstein in seinen Oberschenkel. Er brüllte und krakeelte und niemand verstand ihn. Dann sah er Onkel Herold blutüberströmt in der Ecke liegen und er blickte auf die weinende Oma Hannelore und er war verwirrter als jemals zu vor.

Er sagte erschrocken: „Warn dit Teroooooorrissssten?“

Olaf trat auf Herrn Kubujeit zu und versuchte ihm klar zu machen was hier gerade passiert war. Der schüttelte immer wieder mit dem Kopf und blickte sich um. Sofort schoss ihm fieberhaft in den Kopf, wie er die Versicherung um einige Tausender prellen konnte, indem er den Wert seines Hauses noch morgen neu berechnen ließ. Hastig stieg er wieder durch das Loch nach draußen.

Irgendein Handy klingelte, und schräg gegenüber sah man die Friedrichs demonstrativ entspannt mit dem Gartenschlauch ihre Hecke wässern. Sie taten so, als hätten sie nichts gesehen, denn mit Blutenden oder gar Toten wollten sie um Himmels Willen nichts zu tun haben.

Ein paar Vögel flogen durch den blauen Himmel und es kam eine leichte Briese auf. Vielleicht wird es heute noch ein Gewitter geben.

Wer weiß.