Archiv der Kategorie 'Dinge'

Ein gutes Team

Da saßen sie,
direkt vor mir,
dürr und klapprig
um die 50 mit Bier.

Der Eine hatte
seinen Fuß hoch gestellt,
wie ein Pickelteen,
der Andere trug
Ferrari-Boxershorts
und Muskelshirt,
die Socken bis auf
Kniehöhe.

Miserabel tätowierte
Knastfressen,
Statisten aus
Bang-Boom-Bang.

Ich fragte mich,
wie viel es sich die LVB
wohl kosten lässt,
mich mit solchen
Archetypen
zu erheitern.

Ich dachte noch lange
an die Zwei.

Ein Leben als Kassenpatient

Meine Krankenkasse ist prima. Die Sachbearbeiter sind immer erreichbar, es gibt auch in diesem Jahr keinen Zusatzbeitrag und die neue profil liest sich wie immer super. HHhhnnNppffGrhhgggghhh!!!

Gegen die Kälte

Bin Fan. Aber sowas von.

Nachtrag: Frau Schneeweiß

Leipzigs berühmteste Supermarkt-Celebrity Frau Schneeweiß wurde von Flickr-Benutzer one more robot fotografiert. Auf dem Bild hält sie einen Fuffi in der Hand. Ich hoffe, damit wurden nicht nur ein paar Kaugummis bezahlt. Die verwendeten Tags sind, wie ich finde, äußerst passend gewählt:

rewe
connewitzer kreuz
karl liebknecht straße
kasse
diva
hamses nich passend?
drag-queen
wasserstoffblond
13 die 24 bitte
forever young
viel hilft viel
plastiknägel
runzel

Des Weiteren haben mir grunzende Eichhörnchen von einer StudiVZ-Gruppe berichtet, die „Ich kaufe nur bei Fr. Schneeweiß “ heißt und 24 Mitglieder hat. Schöne Sache. Wann gibts T-Shirts?

Last Minutes with ODEN

Das Ergreifendste, was ich in letzter Zeit zu Gesicht bekam.

Last Minutes with ODEN from phos pictures on Vimeo.

Weitere fantastische Filme vom Vimeo Festival 2010 kann man sich hier anschauen.

André Gorz und der Wert der Arbeit

(via)

Sommerreise (IV): Obergurgl

Fakt 1: Es ist durchaus möglich, auch ohne Jack Wolfskin Uniform einen Tag im Hochgebirge zu überleben. Völlig problemlos kann man mit der gleichen Jacke auf einem Rave, auf einem Dreitausender oder auf dem Geburtstag einer Oma rumlaufen. Alle Klamottenverkäufer, die was anderes behaupten, lügen dreist.

Fakt 2: Obergurgl liegt ca. 220 Meter unter Hochgurgl und wenige Meter über Untergurgl. Hochgurgl liegt 2150 Meter über dem Meeresspiegel.

Fakt 3: Das uns beherbergende Obergurgler Universitätszentrum lässt seine Gäste zwar in komplett aus Holz bestehenden Zimmern auf Jugendherbergsniveau logieren, betreibt seine Küche aber auf Sternebasis. Interessante Mischung, mein lieber Herr Diplom-Betriebswirt!

Fakt 4: Österreicher sind nette Menschen. Ich weiß jetzt ganz genau, wie eine Seilbahn funktioniert.

Fakt 5: C. und W. gilt ewiger Dank.

Tonträgerhü(ö)llenkunst

In Folge hier nicht näher auszuführenden Gründen muss ich auf eine nette Fotostrecke bei SPON hinweisen:

Wenn die beiden Brüder Martin und Andreas Brugger und ihr Bandkollege Manfred Höllwarth aus dem schönen Zillertal dort vor Fototapeten-Bergpanorama mit irr-entrücktem Blick vor sich hinstieren und ihnen der Coverdesigner vor lauter Heimatverbundenheit noch kopfgroße Enzianblüten und einen Geige spielenden Teddybären vor den Körper montiert hat, will man nämlich eigentlich nur noch eins: Weinen.

Genau so ist es. Und Patrick Lindner heißt mit Klarnamen eigentlich Friedrich Günther Raab. Wer hätte das gedacht.

Kurz durchatmen…sicherheitshalber nochmal…dann bitte hier klicken.

Sommerreise (III): Paris

Männer unter sich. Familiärer Ausflug, den es in dieser Konstellation wohl um 1996 das letzte Mal gab. Ein Traum (nicht meiner) wird wahr: Einmal mit dem TGV fahren. In Frankfurt fotografieren wir uns gegenseitig vorm Triebwagen. Ich ahne: Trainspotter sind Menschen, die ihren Trieb auf Wagen umleiten (har-har!). Der TGV ist innen etwas hutzlig, hat keine Steckdosen und fängt ab 280 beängstigend an zu schaukeln.

Wir wagen uns in die monströseste Touristenfalle Frankreichs: Versailles. Einzig Takashi Murakamis Skulpturen und die putzigen Asiatinnen mit ihren kleinen Fotoapparaten und den niedlichen Schühchen lassen mich diesen Auftrieb einigermaßen gut ertragen. Nach kurzer Zeit verschmelzen die Skulpturen, die Asiatinnen und das Schloss in dekorativer Debilität zu einer erstaunlich homogenen Einheit. Chapeau! Es empfiehlt sich, vor dem Besuch des Schlosses Sofia Coppolas hinreißenden Popschinken „Marie Antoinette“ anzuschauen.

Abends lesen wir auf Spiegel Online über Terroristen, die sich angeblich auf direktem Weg nach Paris befinden. Leicht paranoid kauern wir uns am nächsten Morgen in einen ICE 3MF Richtung Frankfurt. Der Zug beschleunigt auf 320 und ich frage mich, was mit uns passieren würde, wenn die Terroristen jetzt ein paar Kühe auf die Gleise schieben. Nach 45-minütiger erfolgloser Wiederbelebung eines Mannes mit Herzinfarkt und einem dadurch verursachten 1-stündigen Aufenthalt in einem Ort namens Landstuhl erreichen wir das unglaublich hässliche Mannheim. Der Rest der Reise verläuft ohne Zwischenfälle.

Wieder festgestellt: Mein Bruder ist einer der 5 besten Menschen die ich kenne.

Sommerreise (II): Klein Quassow

Post-Fusion-Chillout in Klein Quassow. Völlig erschöpft vom vielen Tanzen ziehen wir uns in dieses Kleinod inmitten der Mecklenburger Seenplatte zurück. Der Ort ist mehr als übersichtlich, denn man kann ohne Probleme vom Ortseingangsschild zum Ortsausgangsschild spähen. Zwei Dinge irritieren sofort: Erstens die enorme Insektendichte tagsüber und zweitens die totale Ruhe nachts. Am ersten Abend klatsche ich mehrmals in meine Hände um eine plötzliche Taubheit auszuschließen.

Beim Tischtennis (diesmal ohne Aufbauprobleme) steht plötzlich Dackeldame Betty hinter mir und knurrt mich an. Auf meine halbgaren Vertreibungsversuche („Aus! Lauf weg!“) reagiert sie nicht, also entschließe ich mich zum Äußersten: Ich führe den Balztanz des Paradiesvogels auf. Völlig verschreckt sucht sie bellend das Weite. Hoffentlich wurde sie nicht traumatisiert, denn das täte mir sehr leid. Um mich im Dorf nicht unbeliebt zu machen habe ich bewusst auf den Gebrauch von Pfefferspray verzichtet.

Am letzten Tag trauen wir uns endlich, unseren Vermieter auf die Rinnsal produzierende Dusche anzusprechen („Hey Christian…wie soll ich sagen…deine Dusche ist Mist!“). Sofort wird die Nachbarschaft zusammen getrommelt und in der „Kanalisation“ nach der Ursache geforscht. Ergebnis: Fette Kröte im Zuflussrohr. Ich biete mein Pfefferspray an und ernte ziemlich verstörte Blicke. Wir verlassen den Ort unter lautem Triumphgekläffe.

Sommerreise (I): Saaleck

Mit der Liebsten und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund im Saaletal. Am ersten Abend versuchen wir, die mit gebuchte Tischtennisplatte auseinander zu klappen. Nach endlosem Gezerre und Getrete steht mein Entschluss fest: Dieses Sportgerät muss brennen!

Ich besinne mich und hole doch lieber unsere Vermieterin die leider auch nicht weiter wusste („Wollen Sie wirklich jetzt noch spielen?“– „Ja! Nur wegen der Platte haben wir Ihr Haus gemietet!“). Sie holt ihren handwerklich versierten Schwager und der zieht einhändig an einem roten Hebel. Schmetterlingshaft und butterweich entfalten sich die grünen Platten. Nebenan blöken irgendwelche Schafe. Ich verliere 0:3.

Im Haus finden wir die Seebestattungsurkunde von Erich Maul sowie das Electronic Traumtelefon. Nachts möchte ich im Traum Erich Maul anrufen, aber am anderen Ende kommt nur Geblubber. Am nächsten Tag spazieren wir im Regen nach Himmelreich und beobachten vögelnde Schnecken im Gras. Klassischer Tantrasex.

Natürlich fragen wir, was denn die Oma für den einen Euro kochen würde. Klassischer Touristen-Nepp: Fettbemme.

Nimm dich in Acht vor Stimulanzien!

Sound

Christoph Schlingensief in einem Interview mit der Spex:

In der Nacht herrschen einfach ein anderer Sound und eine andere Energie. Spirituell gesprochen gibt es weniger Schwingungen und weniger Theater, es ist ruhiger, das Telefon klingelt nicht. Und psychisch gesprochen fällt es mir leichter, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, wenn ich weiß, dass die Menschen um mich herum pennen. Es war immer ein sehr befreiender Augenblick, nachts zu realisieren: Endlich Ruhe, keiner um mich herum, ich kann loslegen.

Los gehts.

When will you ever come?

Meouw! Meeeoouuuwwww!

Frau Schneeweiß

Im Rewe-Markt um die Ecke arbeitet eine Kassiererin, die genau so heißt wie sie aussieht: Schneeweiß. Ich lese immer die Namensschilder von Servicekräften (darauf stehen beispielsweise Sachen wie „Jacqueline – Auszubildende im ersten Lehrjahr“, „Herr Brunze – ich helfe gerne“ oder einfach nur „Ingo“). Neben dem provokant langsamen Essen eine meiner liebsten Marotten. Manchmal führt dies vor allem bei weiblichen Schildchenträgern zu irritierenden Blicken, denn häufig muss ich mich etwas vor beugen, um die Schrift zu entziffern (diese Schildchen, das wissen wir alle, hängen [fast] immer auf Brusthöhe).

Frau Schneeweiß im Rewe performt den optischen Duktus einer in Würde gealterten 105-jährigen Lady Gaga, die sich nach ein bis acht Botoxunfällen und vier gescheiterten Ehen nun ihrem ultimativen Ruhestand entgegen piept. Nonchalant und unter unendlich großer Widerwilligkeit zieht sie meine Waren über den Scanner als wären es verschwitzte Hemden adipöser Unternehmensberater. Nach dem letzten Piep lässt sie ihre geöffnete Hand genervt schlaff auf das Laufband fallen. Nun ertönt ein nach verrostetem Tretlager klingendes Geräusch: „Achd Euro Sechsunfuffzsch!“. An guten Tagen reibt sie noch ein gequältes „Bidde“ nach. Das Geld habe ich bereits in meiner Hand und gebe ihr schnell den geforderten Betrag. Ich zahle schon seit langem nicht mehr mit der EC-Karte, denn jedes Mal überkam mich das Gefühl, ich würde ihr damit große Schmerzen zufügen.

Die Existenz von Frau Schneeweiß ist ein brutaler Schlag ins Gesicht aller „Der-Kunde-ist-König“-Rufer. Den Rewe-Servicecoach möchte ich gerne sehen, der sich an Frau Schneeweiß seine gebleckten Zähne ausbeißt. Bitte nicht falsch verstehen: Dies ist kein Rant. Die Frau ist mir sympathischer als alle stromlinienförmigen Vertreter-Aale, Milch-Lobbyisten und Werbepfosten zusammen.

So, jetzt muss ich aber los. Einkaufen. Ich brauche zwar nichts, aber vielleicht hat sie ja heute Dienst…

Olafur Eliasson

Hier kann man sich eine sehr sehenswerte Dokumentation über den dänischen Künstler Olafur Eliasson ansehen:

In der alten Ziegelhalle neben dem Hamburger Bahnhof in Berlin-Mitte, dem Atelier von Olafur Eliasson, einem der einflussreichsten Künstler der Gegenwartskunst, herrscht geschäftige Betriebsamkeit. Sein größtes Kunstevent, die „The New York City Waterfalls“, und die Retrospektive „Take your Time“, die das MoMA Eliasson gewidmet hat, werden vorbereitet. Über 40 Assistenten aus verschiedensten Disziplinen arbeiten an Modellen aus Holz und Stahl. Sie erproben und verwirklichen all die Projekte, die Eliasson weltweit plant, und mischen dabei Architektur, Physik und Fantasie. Inspiriert durch Licht, Wind, Nebel und Wasser, simuliert Eliasson Naturphänomene, die eine intensive sinnliche Wahrnehmung evozieren und illusionistische Räume schaffen. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Natur und Technologie, zwischen Kunst und Wissenschaft.

Jefällt mir dit Zeuch.

Schwarz wie Milch

via

Weitere Infos hier unter Backstory.

Come to North Korea!

Das Vice Magazin mit einer Low-Fi-Doku über eine 10-tägige Nordkorea-Reise. Erschütternd interessant und zeitweilig komisch bis absurd. Die Reiseshow, die dem gemeinen Touristen dort geboten wird, erlaubt natürlich keinen objektiven Alltagseindruck. Jedoch lässt sich daraus leicht ein bisweilen gruseliger indirekter Eindruck ableiten. Am traurigsten fand ich die im Film angedeutete Tatsache, das die Nordkoreaner allen Ernstes denken, sie würden im geilsten Land der Welt leben. Irre.

Ich habe alle auf Youtube erhältlichen Teile zu einer Playlist zusammen geschustert. Sollte da was nicht funktionieren: Unter dem Video gibt es alle Teile nochmal mit einem Direktlink.

Wer selbst einmal nach Nordkorea reisen möchte kann dies ohne weiteres mit Young Pioneers Tours oder dem Korea-Reisedienst tun. Der All-inclusive-Trip über China kostet rund 1200 Euro. Wer kommt mit?

Hier die Direktlinks zu den einzelnen Clips: (mehr…)

Shaun sagt:

Im Dorf II

Absolute Stille. Hiebi stand rauchend vor seiner Garage und erwartete mich bereits. Trifft man sich im Dorf mit alten Freunden, dann tut man dies nicht etwa in deren Wohnung (die Freundin will schließlich ihre Ruhe) oder in einer Kneipe (gibt es schlicht nicht), sondern in einer Garage. Bevor wir uns jedoch an den Hasseröder-Bierkastentisch setzten, durfte ich die aufgebockte sechshunderter Gilera starten und mehrmals ordentlich am Gasgriff drehen. Als ich nach kurzer Zeit anfing zu husten schrie ich ihn an und fragte, wie man das Ding wieder ausmacht. Lässig griff Hiebi mir über die Schulter und drehte den kleinen Zündschlüssel mit einem Ruck ins Off. Das Knattern war jetzt weg, allerdings musste ich immer noch husten und ging für fünf Minuten nach draußen. Hiebi amüsierte sich köstlich während er in der Garage wartete.

Nachdem ich mich wieder zu ihm gesellte versprach er mir, dass ich, sobald die Elektrik wieder stimmt, ruhig ein Ründchen damit drehen kann. Ich setzte mich zu ihm und fingerte zwei Becks aus der Sechserpackung. Mein Versuch, die eine Flasche mit Hilfe der anderen zu öffnen, schlug grandios fehl. Die Scherben ließen wir liegen. Hiebi reichte mir grinsend seinen Schlüsselbund, an dem ein mittelgroßer Flaschenöffner hing. Er streichelte kurz meinen Hinterkopf, dann stießen wir an.

In den folgenden drei Stunden hörte ich wundersame Geschichten über Hochzeiten, auf denen in Micky-Maus-Kostümen getanzt wird, ich hörte eine Geschichte von einem Porschefahrer, der sich keinen Ölwechsel leisten kann, außerdem von einem Porschebeifahrer, der sich seine Finger in Porschebeifahrertüren einklemmt, es gab etwas über ein koprophiles Haschisch-Desaster auf Jamaika zu hören und ich bekam einen seltenen Einblick in die Organisationsstruktur eines Karnevalvereins. Zwischendurch urinierte ich in totaler Dunkelheit vor die Garage. Zwei bis vier tradierte Weltbilder später machte ich mich auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen schenkte mir Hiebi zwei gebrauchte Federbeine. Er ist halt einer von den Guten.

Im Dorf I

Ich fuhr am Ortseingangsschild vorbei in mein totgepflastertes Dorf. Rechts der Bahnhof mit den zugemauerten Fenstern und anschließend die alte Müllkippe, auf der wir früher immer Kühlschränke und halbvolle Benzinkanister einen 30-Meter-Abhang runter krachen ließen. Blitzblanke Häuser, der zur Hälfte versumpfte Sportplatz, die alten Rohrwerke, die Blocks, die Schule. Pünktlich 18.00 Uhr rollte ich auf den Parkplatz des zentral gelegenen Niedrig-Preis-Marktes und stellte den Motor ab. Ich wollte noch ein Getränk für mein abendliches Treffen mit Hiebi kaufen und betrat den Markt unter seltsam nostalgischen Gefühlen. An der Supermarktkasse hatte sich eine kleine Schlange gebildet und ich legte mein Sechserpack Becks Chilled Orange und eine 10er-Packung Kinder Pingui auf das Laufband. Plötzlich drehte sich eine vor mir in der Schlange stehende klobige Gestalt langsam um und grinste mich mit einer seltsamen Mischung aus Irrsinn und Bräsigkeit an:

Es war Schrödi.

Schrödi war im Kindergarten mein bester Freund. Wir spielten damals den ganzen Tag mit Spielzeugautos und waren große Fans der Serie „Auf Achse“. Ich grinste zurück und er gab mir seine fleischige Hand. Seine beträchtliche Körperfülle und sein kurzer unansehnlicher Goatie irritierten mich nur kurz. Wir plauderten ein wenig belanglosen Unsinn bevor er seine Flasche Jack Daniels bezahlen musste. Ein verhuschtes Mädchen in schwarzer Bomberjacke zählte aus einem Geldbündel 15 Euro ab und gab sie ihm. Anschließend bezahlte ich mein Zeug und lief ihnen hinterher.

Draußen sah ich, wie er und das Mädchen in einen VW-Bus der Feuerwehr stiegen. Dann rollte er langsam vom Parkplatz, machte Blaulicht an und gab Gas.

Es hatte mich aufrichtig gefreut ihn zu sehen.

Wir basteln uns einen UMTS-Verstärker

Heutiger Titel der Serie „Bastelei-Ei-Ei“: Wir bauen uns eine preiswerte UMTS-Verstärkerantenne. Bevor wir jedoch zur überaus kniffligen Bauanleitung kommen, muss ich noch kurz erwähnen, wer diese grandiose Idee hatte:

Mein Papa.

Seit neuestem Laptopbesitzer und UMTS-Funker. Leider im D2-Netz von Vodafone, und da, ähm…sagen wir mal, hackert es zu bestimmten Zeiten ganz gewaltig, vor Allem in ländlichen Gebieten. Das D1-Netz der Telekom, und dass weiß ich ebenfalls aus eigener Erfahrung, läuft zu 95% immer rund mit guter DSL-Geschwindigkeit. Was also tun?

Als erstes den höchsten Punkt im Haus finden. Das heißt konkret: im oberen Stockwerk steht am Fenster ein 2 Meter großer und nicht sehr breiter Schrank. Oben drauf steht ein UMTS-WLAN-Router mit eingestecktem UMTS-Stick, der genau in die Richtung einer Handy-Antenne funkt. Dahinter ein seltsames und irgendwie nach Raumschiff Orion aussehendes Gerät oder Buch. Ein Spiegel? Nein. Alu-Folie. Ein Alufolienreflektor, der ein paar der Handystrahlen auf das Empfangsgerät reflektiert.

Ergebnis: Bandbreitensteigerung um 200 – 500 Prozent.

Ich war anfangs sehr skeptisch, bis ich heute Nachmittag beschloss, mir ebenfalls so ein Ding zu bauen. Ruckzuck – Folie ab. Eins-Zwei: Bastelei-ei-ei! Ich denke, eine ausführliche Bauanleitung kann ich mir hier jetzt doch lieber sparen.

Ergebnis der Bastelei:

Sobald ich die Folie wieder entferne sinkt die Bandbreite rapide ab.

Verblüffende Scheiße.

Spanish Sahara

I‘m the fury in your head, I‘m the fury in your bed
I‘m the ghost in the back of your head

Da es draußen wieder schneit schnell noch einen Winterclip: Die von mir als ziemlich dufte empfundene Band Foals bringt am 10. Mai ihr neues Album raus („Total Life Forever“). Hier kommt die brilliante Vorabsingle „Spanish Sahara“. Meine Güte ist das schön.

FOALS // SPANISH SAHARA from dave ma on Vimeo.

Ralfs Dilemma



Früher Morgen.

Ralf saß in der Linie 19, die ihn wie immer pünktlich und zuverlässig seinem Arbeitsplatz zuführte. Er fühlte sich gut, denn er hatte wunderbar geschlafen und von atomar verwüsteten Städten und riesigen Sandkippern geträumt. Als Kind bezeichnete er diese Fahrzeuge als „Dumper“. Warum weiß er bis heute nicht.

Die Bahn hielt und plötzlich hörte er es stöckeln. Sie kam von links hinten, klapperte an ihm vorbei und platzierte sich schräg gegenüber auf einem Anderthalb-Sitz. Ralf starrte angestrengt geradeaus. Langsam nahm die Straßenbahn wieder Fahrt auf. Er registrierte, ohne sie direkt anzusehen, dass da eine Menge Rot an ihr war. Rotes Oberteil, roter Minirock, rote Pumps, rot lackierte Zehennägel. Sie hatte ihre drallen Beine übereinander geschlagen und wippte unendlich affektiert mit dem Fuß. Sie machte ihn nervös. Laut Plan (nämlich ihrem) sollte er jetzt hingucken. Er schaute zur anderen Seite aus dem Fenster. Immer schön cool bleiben, ein strebsamer Werktätiger wie er wird sich doch nicht von einer aufgetakelten Versicherungsvertreterinnenazubiene aus der Ruhe bringen lassen.

Nach 5 Minuten schaute er sie an. Ralf sah ihr direkt ins Gesicht. Sie war maximal 17 und sicher nicht auf dem Weg zur Schule. Er sah hinter ihrer nassforschen Gesichtsmaske drei Dinge: Unsicherheit, Traurigkeit und Angst. Sie schien stumm zu fragen: warum schaust du mich nicht an? Hätte sie ihn das wirklich gefragt, er hätte sich sofort bei ihr entschuldigt.

Die Bahn hielt und Ralf stieg aus. Er lief zu seinem Arbeitsplatz und reihte sich brav in die Wertschöpfungskette ein. Er dachte nochmal kurz an die 17-Jährige, dann arbeitete er seine 36 ungelesenen Emails ab.

Zum Mittag gab es Salzkartoffeln und Eier in Senfsoße.



Früher Morgen.

Ralf saß in der Linie 19, die ihn wie immer pünktlich und zuverlässig seinem Arbeitsplatz zuführte. Er fühlte sich gut, denn er hatte wunderbar geschlafen und von atomar verwüsteten Städten und riesigen Sandkippern geträumt. Als Kind bezeichnete er diese Fahrzeuge als „Dumper“. Warum weiß er bis heute nicht.

Die Bahn hielt und plötzlich hörte er es stöckeln. Sie kam von links hinten, klapperte an ihm vorbei und platzierte sich schräg gegenüber auf einem Anderthalb-Sitz. Ralf starrte angestrengt geradeaus. Langsam nahm die Straßenbahn wieder Fahrt auf. Er registrierte, ohne sie direkt anzusehen, dass da eine Menge Rot an ihr war. Rotes Oberteil, roter Minirock, rote Pumps, rot lackierte Zehennägel. Sie hatte ihre drallen Beine übereinander geschlagen und wippte unendlich affektiert mit dem Fuß. Sie machte ihn nervös. Laut Plan (nämlich ihrem) sollte er jetzt hingucken. Er schaute zur anderen Seite aus dem Fenster. Immer schön cool bleiben, ein strebsamer Werktätiger wie er wird sich doch nicht von einer aufgetakelten Versicherungsvertreterinnenazubiene aus der Ruhe bringen lassen.

Nach 5 Minuten schaute er sie an. Ralf sah ihr direkt ins Gesicht. Sie war maximal 17 und sicher nicht auf dem Weg zur Schule. Er sah hinter ihrer nassforschen Gesichtsmaske drei Dinge: Unsicherheit, Traurigkeit und Angst. Sie schien stumm zu fragen: warum schaust du mich nicht an? Hätte sie ihn das wirklich gefragt, er hätte sich sofort bei ihr entschuldigt.

Die Bahn hielt und Ralf stieg aus. Er lief zur gegenüber liegenden Haltestelle und fuhr mit der nächsten Bahn zurück. Leicht gekrümmt schloss er seine Wohnung auf. Er warf seine Tasche in den Flur und lief ins Bad. Dann stellte er sich vor die Badewanne, zog sich seine Hosen runter und nahm seinen Penis zwischen Daumen- und Zeigefinger. Er brauchte nur 15 Sekunden, dann spritzte er leise keuchend an die gegenüber liegende geflieste Wand.

Nachdem er sich abgewischt hatte startete Ralf einen neuen Versuch. Er nahm seine Tasche und ging wieder zur Haltestelle.

Später Morgen.

Ralf saß in der Linie 19.

Moritz von Oswald Trio vs. Pantha du Prince (war: Faschingsmus)

Letzte Nacht bekam ich Lust auf einen ordentlichen Rant. Ich lag neben meinem Bett auf irgendwelchen Stromkabeln und hatte mir vorgenommen, den ganzen debilen Närrinnen und Narrhalesen mal eins ans Knie zu nageln, so von wegen Fasching kommt ja eigentlich von Faschismus (haha!) und warum rosa Elefanten sturz betrunken neben das Kölner Bahnhofsklo kotzen. So auf dem Niveau sollte das passieren. Olympia und Westerwelle hätte ich auch noch irgendwie eingebaut, denn dies sind zwei weitere Sachen, mit denen ich rein gar nichts anzufangen weiß. Doch dann hörte ich Pantha du Prince statt Slayer und der ganze Ärger war weg. Einfach weg. Ich rief mir Bilder von opulenten Prunksitzungen vor mein inneres Auge, bei denen Westerwelle lauthals den Thrill einer nachmittäglichen TV-Übertragung im Skilanglauf pries – doch es half nichts. Eine Wolke lähmender Toleranz breitete sich in mir aus und ich ließ das mit dem Rant bleiben.

Stattdessen lieber Musik. Morgen Heute Gestern Neulich Abend live im Centraltheater: Moritz von Oswald Trio und Pantha du Prince. Bei Moritz von Oswald ist es wie bei den abstrakten Malern, die mal kurz auf die Staffelei niesen und uns das als Kunst verkaufen wollen: Für einen Moment hat man das Gefühl, die wollen einen verscheißern. Sobald der Moment überwunden wurde bleibt ein silberner Beigeschmack von (in diesem Fall elektronischer) Avantgarde.


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Bei Pantha du Prince alias Hendrik Weber sieht die Sache schon etwas eingängiger aus. Im Kreuzer stand glaube was von „Glöckchentechno“. Lasse ich aus Zeitgründen mal so stehen.


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Achtsamkeit im Alltag

Der Mann macht alles richtig. Wenn wir davon ausgehen, das dieser Visionär, diese one-man army, diese lebende Provokation aller unachtsamen Stressmacher nicht an einer seltenen autistischen Störung und/oder Zwangsneurose leidet („Herr Doktor, ja, das Kehrblech hängt immer neben der Tür, auch im Sommer!“) und nicht stundenweise bezahlt wird, dann wird das folgende Video euch, liebe Leser, nach jedem Durchlauf mehr und mehr beruhigen und in einen angenehmen kontemplativen Zustand versetzen. Wer sich dann noch zu Gedankengängen à la „Wieso kehrt der Idiot die Scheiße nicht einfach runter??“ verleiten lässt, dem ist, bei allem Respekt, nicht mehr zu helfen.

Ich selbst bin das genaue Gegenteil des Superabkehrers und setze auf Chaos (richtigerweise muss man an dieser Stelle natürlich sagen, das der Mann den Schnee nicht abkehrt, sondern abnimmt beziehungsweise abhebt).

Nach einem zünftigen Schneefall nähere ich mich also vorsichtig der Frontscheibe und schneide mit meiner EC-Karte einen dreißig mal zehn Zentimeter großen Sehschlitz in die Schneedecke. Etwaiges Eis wird mit der Krankenkassenkarte weg gekratzt, denn die brauche ich (Gott sei Dank!) nicht so häufig. Danach öffne ich unter aller gebotener Vorsicht die Fahrertür, steige ein und ziehe die Tür vorsichtig zu auf das höchstens fünf bis acht Schneeflocken abfallen. Ich genieße ein paar Sekunden das Gefühl in einer gemütlichen dunklen Höhle zu sitzen und fahre vorsichtig los. Und je schneller ich werde, desto größer und schöner ist die Schneewolke hinter mir, denn hey, ich bin ein fahrender Schneesturm! Ich hab das sooo gern. Hach.

Jetzt aber ist der Schneepedant dran:


Direktlink

via Nerdcore

Zen

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Ein Strauß bunter Melodien

2009. (mehr…)

Testbild

Der rauschende Herbst

Film: Das K. und Herr Jensen (2008)
Musik: Bohren & der Club of Gore – „Zeigefinger“ (aus dem Album „Geisterfaust“) – hier kaufen