Sommerreise (III): Paris

Männer unter sich. Familiärer Ausflug, den es in dieser Konstellation wohl um 1996 das letzte Mal gab. Ein Traum (nicht meiner) wird wahr: Einmal mit dem TGV fahren. In Frankfurt fotografieren wir uns gegenseitig vorm Triebwagen. Ich ahne: Trainspotter sind Menschen, die ihren Trieb auf Wagen umleiten (har-har!). Der TGV ist innen etwas hutzlig, hat keine Steckdosen und fängt ab 280 beängstigend an zu schaukeln.

Wir wagen uns in die monströseste Touristenfalle Frankreichs: Versailles. Einzig Takashi Murakamis Skulpturen und die putzigen Asiatinnen mit ihren kleinen Fotoapparaten und den niedlichen Schühchen lassen mich diesen Auftrieb einigermaßen gut ertragen. Nach kurzer Zeit verschmelzen die Skulpturen, die Asiatinnen und das Schloss in dekorativer Debilität zu einer erstaunlich homogenen Einheit. Chapeau! Es empfiehlt sich, vor dem Besuch des Schlosses Sofia Coppolas hinreißenden Popschinken „Marie Antoinette“ anzuschauen.

Abends lesen wir auf Spiegel Online über Terroristen, die sich angeblich auf direktem Weg nach Paris befinden. Leicht paranoid kauern wir uns am nächsten Morgen in einen ICE 3MF Richtung Frankfurt. Der Zug beschleunigt auf 320 und ich frage mich, was mit uns passieren würde, wenn die Terroristen jetzt ein paar Kühe auf die Gleise schieben. Nach 45-minütiger erfolgloser Wiederbelebung eines Mannes mit Herzinfarkt und einem dadurch verursachten 1-stündigen Aufenthalt in einem Ort namens Landstuhl erreichen wir das unglaublich hässliche Mannheim. Der Rest der Reise verläuft ohne Zwischenfälle.

Wieder festgestellt: Mein Bruder ist einer der 5 besten Menschen die ich kenne.


2 Antworten auf „Sommerreise (III): Paris“


  1. 1 Hombre 04. November 2010 um 11:36 Uhr

    Da bekommt der Bruder gleich ganz rosige Wangen bei solch lieben Worten. :)

    Präzisierung Versailles. Im Schloßpark wabert aufgrund einer Vielzahl unsichtbarer Lautsprecher kitschigste Kammermusik durch die Hecken. Ein Umstand, der die vorher bei der Schlossbesichtigung durchlebte Duldungsstarre in das Bedürfnis umformt, sich endlich übergeben zu müssen.

    Kleine Katzen, die Spaghetti bolognese klauen, machen es fast wieder gut.

  2. 2 Herr Jensen 04. November 2010 um 21:18 Uhr

    Meouww!

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