Im Dorf I

Ich fuhr am Ortseingangsschild vorbei in mein totgepflastertes Dorf. Rechts der Bahnhof mit den zugemauerten Fenstern und anschließend die alte Müllkippe, auf der wir früher immer Kühlschränke und halbvolle Benzinkanister einen 30-Meter-Abhang runter krachen ließen. Blitzblanke Häuser, der zur Hälfte versumpfte Sportplatz, die alten Rohrwerke, die Blocks, die Schule. Pünktlich 18.00 Uhr rollte ich auf den Parkplatz des zentral gelegenen Niedrig-Preis-Marktes und stellte den Motor ab. Ich wollte noch ein Getränk für mein abendliches Treffen mit Hiebi kaufen und betrat den Markt unter seltsam nostalgischen Gefühlen. An der Supermarktkasse hatte sich eine kleine Schlange gebildet und ich legte mein Sechserpack Becks Chilled Orange und eine 10er-Packung Kinder Pingui auf das Laufband. Plötzlich drehte sich eine vor mir in der Schlange stehende klobige Gestalt langsam um und grinste mich mit einer seltsamen Mischung aus Irrsinn und Bräsigkeit an:

Es war Schrödi.

Schrödi war im Kindergarten mein bester Freund. Wir spielten damals den ganzen Tag mit Spielzeugautos und waren große Fans der Serie „Auf Achse“. Ich grinste zurück und er gab mir seine fleischige Hand. Seine beträchtliche Körperfülle und sein kurzer unansehnlicher Goatie irritierten mich nur kurz. Wir plauderten ein wenig belanglosen Unsinn bevor er seine Flasche Jack Daniels bezahlen musste. Ein verhuschtes Mädchen in schwarzer Bomberjacke zählte aus einem Geldbündel 15 Euro ab und gab sie ihm. Anschließend bezahlte ich mein Zeug und lief ihnen hinterher.

Draußen sah ich, wie er und das Mädchen in einen VW-Bus der Feuerwehr stiegen. Dann rollte er langsam vom Parkplatz, machte Blaulicht an und gab Gas.

Es hatte mich aufrichtig gefreut ihn zu sehen.


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