Ralfs Dilemma



Früher Morgen.

Ralf saß in der Linie 19, die ihn wie immer pünktlich und zuverlässig seinem Arbeitsplatz zuführte. Er fühlte sich gut, denn er hatte wunderbar geschlafen und von atomar verwüsteten Städten und riesigen Sandkippern geträumt. Als Kind bezeichnete er diese Fahrzeuge als „Dumper“. Warum weiß er bis heute nicht.

Die Bahn hielt und plötzlich hörte er es stöckeln. Sie kam von links hinten, klapperte an ihm vorbei und platzierte sich schräg gegenüber auf einem Anderthalb-Sitz. Ralf starrte angestrengt geradeaus. Langsam nahm die Straßenbahn wieder Fahrt auf. Er registrierte, ohne sie direkt anzusehen, dass da eine Menge Rot an ihr war. Rotes Oberteil, roter Minirock, rote Pumps, rot lackierte Zehennägel. Sie hatte ihre drallen Beine übereinander geschlagen und wippte unendlich affektiert mit dem Fuß. Sie machte ihn nervös. Laut Plan (nämlich ihrem) sollte er jetzt hingucken. Er schaute zur anderen Seite aus dem Fenster. Immer schön cool bleiben, ein strebsamer Werktätiger wie er wird sich doch nicht von einer aufgetakelten Versicherungsvertreterinnenazubiene aus der Ruhe bringen lassen.

Nach 5 Minuten schaute er sie an. Ralf sah ihr direkt ins Gesicht. Sie war maximal 17 und sicher nicht auf dem Weg zur Schule. Er sah hinter ihrer nassforschen Gesichtsmaske drei Dinge: Unsicherheit, Traurigkeit und Angst. Sie schien stumm zu fragen: warum schaust du mich nicht an? Hätte sie ihn das wirklich gefragt, er hätte sich sofort bei ihr entschuldigt.

Die Bahn hielt und Ralf stieg aus. Er lief zu seinem Arbeitsplatz und reihte sich brav in die Wertschöpfungskette ein. Er dachte nochmal kurz an die 17-Jährige, dann arbeitete er seine 36 ungelesenen Emails ab.

Zum Mittag gab es Salzkartoffeln und Eier in Senfsoße.



Früher Morgen.

Ralf saß in der Linie 19, die ihn wie immer pünktlich und zuverlässig seinem Arbeitsplatz zuführte. Er fühlte sich gut, denn er hatte wunderbar geschlafen und von atomar verwüsteten Städten und riesigen Sandkippern geträumt. Als Kind bezeichnete er diese Fahrzeuge als „Dumper“. Warum weiß er bis heute nicht.

Die Bahn hielt und plötzlich hörte er es stöckeln. Sie kam von links hinten, klapperte an ihm vorbei und platzierte sich schräg gegenüber auf einem Anderthalb-Sitz. Ralf starrte angestrengt geradeaus. Langsam nahm die Straßenbahn wieder Fahrt auf. Er registrierte, ohne sie direkt anzusehen, dass da eine Menge Rot an ihr war. Rotes Oberteil, roter Minirock, rote Pumps, rot lackierte Zehennägel. Sie hatte ihre drallen Beine übereinander geschlagen und wippte unendlich affektiert mit dem Fuß. Sie machte ihn nervös. Laut Plan (nämlich ihrem) sollte er jetzt hingucken. Er schaute zur anderen Seite aus dem Fenster. Immer schön cool bleiben, ein strebsamer Werktätiger wie er wird sich doch nicht von einer aufgetakelten Versicherungsvertreterinnenazubiene aus der Ruhe bringen lassen.

Nach 5 Minuten schaute er sie an. Ralf sah ihr direkt ins Gesicht. Sie war maximal 17 und sicher nicht auf dem Weg zur Schule. Er sah hinter ihrer nassforschen Gesichtsmaske drei Dinge: Unsicherheit, Traurigkeit und Angst. Sie schien stumm zu fragen: warum schaust du mich nicht an? Hätte sie ihn das wirklich gefragt, er hätte sich sofort bei ihr entschuldigt.

Die Bahn hielt und Ralf stieg aus. Er lief zur gegenüber liegenden Haltestelle und fuhr mit der nächsten Bahn zurück. Leicht gekrümmt schloss er seine Wohnung auf. Er warf seine Tasche in den Flur und lief ins Bad. Dann stellte er sich vor die Badewanne, zog sich seine Hosen runter und nahm seinen Penis zwischen Daumen- und Zeigefinger. Er brauchte nur 15 Sekunden, dann spritzte er leise keuchend an die gegenüber liegende geflieste Wand.

Nachdem er sich abgewischt hatte startete Ralf einen neuen Versuch. Er nahm seine Tasche und ging wieder zur Haltestelle.

Später Morgen.

Ralf saß in der Linie 19.


4 Antworten auf „Ralfs Dilemma“


  1. 1 rob 03. März 2010 um 11:13 Uhr

    Dabei hab ich irgendwie Kevin Spacey in American Beauty deutlich vor Augen. Ähnlicher Fall.

  2. 2 Herr Jensen 03. März 2010 um 15:48 Uhr

    Stimmt. Toller Film übrigens.

  3. 3 Hombre 04. März 2010 um 13:13 Uhr

    *klugscheiß an*

    Dumper

    *klugscheiß aus*

  4. 4 Herr Jensen 04. März 2010 um 13:48 Uhr

    Hey, ich weiß das.

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