Archiv für Oktober 2009

Mein Herz im Herbst

Diesen Samstag geht es seit langer Zeit mal wieder in die Moritzbastei. Warum? Na wegen Sometree! Vor kurzem noch im Vorprogramm von Snow Patrol, nun wieder in kleineren Schuhen unterwegs. Das wird ein von heiligem Ernst erfüllter Abend, garantiert nicht dancefloortauglich, ohne Mitklatschrefrains, ohne eitles Getue und ohne kleine Mädchen in Arschquetschhosen. Bei letzterem bin ich mir aber nicht so sicher.

Früher spielte die mittlerweile in Berlin ansässige Band Hardcore, danach Post-Hardcore (klar) und jetzt Post-Emo-Post-Post-Hard-Emo-Bläsercore. Versuche, die Band in eine Schublade zu legen, sind schwer. Und eigentlich auch Unsinn. Der Sänger klingt zwar manchmal wie Sting, aber das soll uns hier und heute nicht groß stören. Ob Sägegitarren, Pianoflächen, Waldhornpassagen, Geigen oder virtuos gedroschene 5/3-keine-Ahnung-was-für-Takte: Die sprühende Liebe der Band zur Musik webt alles zu einem wundervoll emotionalen Krachklangteppich.

Anschließend: Dörty Däncing.

Sometree bei MySpace.

sometree – sink or swim from sometree on Vimeo.

Platzi und die Kaiserin oder über die Möglichkeit der Befeuerung von PrOn-Fantasien durch Betrachtung von Nachrichtenportalen

Na Kathi Kaiserschnecke, alles klar? Was soll‘n der Platzi nachher noch mit dir machen?
Ähh…hihi…vielleicht das Gleiche wie gestern?
Bist du sicher?
Äh…hihi…ich denke schon.
Pass auf, Muschikätzchen, die Scheiße hier dürfte nur ’ne knappe Stunde dauern, dann kommt der Platzi zu dir, okay?
Hihi…oh ja.

Bild: Geklaut (was sonst) von SprOn.

Blauer Vogel

Da ist er wieder, der blaue Vogel. Seht ihr ihn? Der große blaue Vogel. Wäre so gern mehr. So unendlich gern mehr. Und manchmal spielt er es sogar. Er nervt jeden. Wirklich. Er kann mit einer infantilen Penetranz nerven, die ich so bei Vögeln noch nie erlebt habe. Und klugscheißen kann er, unser blauer Vogel. Weiß immer Bescheid, hat den Durchblick, hat immer Recht. Ein verlorener Travestiestar. Und Schauspieler. Ein schlechter zwar, aber immerhin. Muss sprechen, braucht enorm viel Aufmerksamkeit und regelmäßigen Ledersex. Leicht überheblich, oft verständnisvoll tuend. Monologisiert ohne Pause über Gott und die Welt. Was Gutes? Schwer… Tatscht gern. Tratscht gern. Unterschreitet Distanzbedürfnisse. Versucht, jeden zu vereinnahmen. Kann ohne Aufmerksamkeit einfach nicht existieren, der blaue Vogel.

Achtung, er flattert! Er kommt näher…was will er?

Ahh. Ja. Mhmm. Echt? Jaja. Ja. Mhmm…und dann? Ah. Moment…okay. Mhmm. Jo. Hehe. Jaa. Ach! Nee! Doch doch…klar. Mhmm. Uff. Wirklich? Irre. Nein. Nein. Ja. Nein. Immer. Manchmal. Mhmm. Jup! Oh.

Wieder weggeflattert.

Manchmal muss man den blauen Vogel auch einfach mal annehmen. Buddha hätte es auch so gemacht.

10.000.000 Sonnen

Name: Omega Centauri
Beruf: Kugelsternhaufen
Größe: 150 Lichtjahre
Alter: 12 Milliarden Jahre

Bildquelle: Hubblesite.org

Bitte staunen Sie jetzt. Vielen Dank.

Mein Meisenmann

Hey hey Meisenmann, du süßer kleiner Meisenmann, was machst du denn hier? Hey, Meisenmann, warum schaust du so betrübt? Bist du traurig? Mensch, da kullert ja eine Träne über deine frisch rasierte Wange. Nun mach mal deinen Schlips locker, du schwitzt ja.

Ich weiß, du wolltest immer so lieb sein. Du wolltest es allen Recht machen, allen helfen, gut sein. Du bist so vernünftig, mein Meisenmann, na komm, schau mich an: Bist du frei, Meisenmann? Nein? Bist du deswegen so traurig? Zeig mal deine Flügel, die sind ja ganz nass. Komm her. Du weißt nicht genau, was mit dir los ist? Du fühlst dich leer, einsam und sinnlos? Aber Meisenmann, du hast doch alles, was man sich nur wünschen kann. Einfach alles. Was, du fühlst dich überfordert? Aber das machen doch alle, ich meine, viele so. Die schaffen das doch auch. Nur noch drei oder zehn oder fünfundreißig Jahre, kein Problem. Das bekommst du hin. Was, du willst nicht mehr? Jetzt? Meisenmann, das geht nicht. Was man anfängt muss man auch beenden, das weißt du doch. Ja, genau, man muss was leisten im Leben. Leistung, verstehst du? Leistung hält gesund, klar, auf jeden Fall. Immer am Ball bleiben, du putziger Meisenmann.

Du musst wissen, Meisenmann, dass ich dich sehr lieb habe. Du kannst nichts dafür. Wirklich nicht. Schau dich mal an, dein enttäuschter Blick, deine nassen schwarzen Flügel, Meisenmann, bist das überhaupt du? Was ist denn mit deinen Augen? Bist du übermüdet? Wie, ich soll dir helfen? Wie meinst du das? Frage lieber, wie du dir selbst helfen kannst. Nein, nein, du kannst nicht weg rennen. Das wäre doof. Aber ich verstehe deine Fluchtfantasien. Du Träumer. So, und jetzt reiß dich mal zusammen. Komm, steh auf, Meisenmann. Das nächste Meeting wartet. Alle warten schon auf dich. Alle. Du kennst das doch. Eloquent sein, pünktlich, höflich, geistreich. All das kennst du, Meisenmann. Und all das kannst du.

Und jetzt rein mit dir. Mach’s gut, mein Meisenmann, sei tapfer und beiß dich durch. Kommen auch mal wieder andere Zeiten. Wann? Bald. Keine Ahnung, komm, geh da jetzt rein und erklär dich. Überzeug sie, egal wie. Wir brauchen dich. Du hältst uns schließlich alle aus. Mit deiner schönen und wahren Pflicht.