Liebes Facebook,

ich habe da mal eine klitze kleine Frage an dich, dauert auch nicht lange.

Ich habe schon so viel von dir gehört. Facebook hier, Facebook da, Facebook trallalla. Ehemals renitente StudiVZ-Verweigerer haben mittlerweile ihren eigenen hübschen Eintrag bei dir und sogar einer der Gründungsinvestoren vom StudiVZ hat selbigem einen Arschtritt verpasst und ist in deine offenen Arme getaumelt. Gut, da gibts diese kleine unschöne Sache mit der CIA – Schwamm drüber. Woll‘n wa ma nich so sein.

Neulich hatte ich Langeweile und bekam Lust dich mal anzugucken. So wie man halt ab und zu in den Zoo geht. Nix weiter dabei. Ich wollte wissen, ob du eine schöne Ergonomie hast, ob man dich flüssig benutzen kann und ob du vielleicht Menschen beherbergst, die ich schon lange aus den Augen verloren habe. Da ich allerdings nur glotzen und nichts kaufen wollte, wählte ich mir einen Fantasienamen („Horsti Frosch“) und durchlief die üblichen Anmeldeformalitäten. Nachdem ich dir verboten hatte, meine Mailadressbücher zu filzen, zeigtest du mir vier Personen mit Bild und Namen und fragtest mich, ob ich von den vier Personen welche kenne. Meine Kinnlade klappte in Richtung Erdmittelpunkt und ein leichter Schauer lief mir über den Rücken, denn ich kannte von den vier Personen genau drei.

Nach diesem kleinen Schock dachte ich: Ahh…clever, dieses Facebook. Hat wohl gemerkt, dass ich mich von Leipzig aus angemeldet habe. IP-Adresse und so. Aber Moment: Die drei Personen wohnen ja gar nicht mehr in Leipzig. Sie wohnen nicht mal in Deutschland. Je einmal Südafrika, Frankreich und USA. Und die drei Personen kennen sich untereinander nicht. Komisch, findest du nicht auch?

Doch dann kam ich drauf: Diese drei Personen haben wahrscheinlich mal nach meinem echten Namen gesucht und endlich ist der Gesuchte in dein Körbchen gehopst. Huch, aber welch‘ Irrtum, ich bin ja als Horsti Frosch angemeldet!

Ich las, dass du weltweit ca. 250 Millionen Nutzer hast. Und jetzt kommt meine eigentliche Frage:

What the fuck?!?


27 Antworten auf „Liebes Facebook,“


  1. 1 foster 23. Juli 2009 um 13:30 Uhr

    Wie, „Mailadressbücher filzen“? Das ist doch eine im Browser laufende Anwendung, oder? Die also normalerweise gar nicht an die auf der Platte schlummernden Daten anderer Programme (wie z.B. eines Mailclienten) rankommen kann. (außer, vielleicht(!), vom IE aus auf OE)

    Bitte um nähere Erläuterung.

  2. 2 Gregor 23. Juli 2009 um 13:32 Uhr

    Könnte daran liegen, dass Du eine echte Email-Adresse angegeben hast (die Du auch für andere Zwecke nutzt). Bekanntermaßen werten Freemail-Provider alles aus, was Du per Mail machst, und verkaufen die Daten an jeden weiter der sie haben will. Oder noch einfacher: Dein freemail-Provider (schätzungsweise Google) arbeitet grundsätzlich mit Facebook zusammen und tauscht Daten aus. In beiden Fällen weiß Facebook dank Deiner Email-Adresse sofort Deinen echten Namen. Wahrscheinlich auch Deine Adresse, Telefonnummer, Email-Kontakte und wo&was Du so im Internet einkaufst. Deshalb ist es sinnvoll bei solchen Anmeldungen Wegwerf-Mailadressen zu benutzen.

  3. 3 Gregor 23. Juli 2009 um 13:36 Uhr

    @foster: Die fragen Dich ernsthaft nach Deinem Login und Passwort für Deinen Email-Account. Facebook scannt dann Dein Postfach, kopiert Deine Kontakte und wertet Deine Mails für Werbezwecke aus.

  4. 4 foster 23. Juli 2009 um 13:51 Uhr

    Die fragen Dich ernsthaft nach Deinem Login und Passwort

    Ich glaub, mein Unterkiefer klappt gerade unkontrolliert runter. Zum einen über die Dreistigkeit der Frage. Zum anderen darüber, dass sich Leute finden (und offenbar nicht wenige), die diese Frage aus freien Stücken zu beantworten bereit sind, um sich im Netz zu „präsentieren“. Oder was sie dafür halten. (Apropos: wird Webzwonull evt. „Web 00″ geschrieben?)

    Bitte, bitte sag mir, dass du mich nur veralberst!

    Dann schreiben die einem also auch noch vor, einen E-Mail-Anbieter aus einer vorgegebenen Liste haben zu müssen? (denn nur per POP3 kann man vielleicht Mails, aber meines Wissens nicht Adressbücher vom Server laden)

  5. 5 Gregor 23. Juli 2009 um 14:09 Uhr

    Nö, die schreiben Dir keinen Anbieter vor. Aber wenn Du bei Gmail bist (keine Ahnung ob & welche anderen Anbieter unterstützt werden), fragt Facebook halt nach Deinem Login/Passwort.

  6. 6 Sandy 23. Juli 2009 um 14:12 Uhr

    Interessant finde ich bei Facebook auch, dass man seinen einmal bestehenden Account nicht mehr löschen, sondern lediglich „deaktivieren“ kann. Wenn man dann aber Lust hat, Facebook doch wieder zu nutzen, muss man sich einfach nur wieder anmelden und tadaaa, alles ist wieder da.

  7. 7 Gregor 23. Juli 2009 um 14:14 Uhr

    Das machen anscheinend viele Leute mit, weil es den Prozess des Freunde suchens auf Facebook vereinfacht. Danach wird Dir eine Liste mit Leuten aus Deinem Adressbuch präsentiert, die schon auf Facebook sind, und Du kannst die direkt adden. Saudumm für so ein bisschen Komfort freiwillig irgendeinem Konzern das Passwort zum Email-Account anzuvertrauen – aber der Mehrheit ist das egal.

  8. 8 Gregor 23. Juli 2009 um 14:24 Uhr

    @Sandy: bei Facebook kann man eigentlich gar nichts richtig löschen, es gab da mal ne Studie bzgl. gelöschten Bildern bei Social Networks. Nicht nur löschen die Bilder niemals von ihren Datenbanken, wer die URLs der Bilder kennt kann auch übers Internet noch lange drauf zugreifen.

  9. 9 foster 23. Juli 2009 um 14:42 Uhr

    aber der Mehrheit ist das egal.

    Damit erklärt sich dann auch, wieso bestimmte datensammelfreudige Politiker so um Fassung ringend auf Widerworte reagieren: das ist gar keine Show, die verstehen das angesichts solcher Realitäten wirklich nicht.

  10. 10 foster 23. Juli 2009 um 15:03 Uhr

    HerrJensen, frag doch bitte mal die blogsportlichen Admins nach einer Dressuranleitung für dem Spamfilter. Das Biest hat mich wieder im Visier, nachdem ich mich eine zeitlang sicher wähnte.

  11. 11 Gregor 23. Juli 2009 um 15:10 Uhr

    Hier noch ein Beispiel, wie manche Seiten das nutzen um Spam zu versenden: http://lifehacker.com/5299833/dont-give-your-email-address-and-password-to-other-web-sites

    Vielleicht achten Leute denen das passiert in Zukunft wenigstens besser darauf, was sie mit ihren Passwörtern anstellen. Das Spamen ist aber nur ein winziger Teil des Problems, die eigene Privatsphäre freiwillig vollkommen aufzugeben ist der eigentliche Knackpunkt. Man stelle sich das mal im realen Leben vor: man geht irgendwo einkaufen, und wird an der Kasse gefragt, ob man nicht ne Liste mit allen Freunden und Verwandten abgeben, dem Anbringen von Wanzen in Handy und Wohnung und dem regelmäßigen Durchwühlen von Post und Müll zustimmen möchte. Ich tippe mal, dass die wenigsten Leute da einfach „ja klar!“ sagen würden. Im Internet ist das aber vollkommen normal, da lässt man Unbekannte die eigene Post lesen, sich per Cookies verfolgen und gibt die Daten von Freunden und Bekannten (die sich dagegen nicht mal wehren können!) bereitwillig kostenlos heraus.

  12. 12 Herr Jensen 23. Juli 2009 um 16:23 Uhr

    @Gregor:

    Dein freemail-Provider (schätzungsweise Google) arbeitet grundsätzlich mit Facebook zusammen und tauscht Daten aus. In beiden Fällen weiß Facebook dank Deiner Email-Adresse sofort Deinen echten Namen.

    Das funktioniert doch aber nur, wenn ich mich bei Google mit einem Realnamen angemeldet habe. Oder? Putzi_das_Eichhörnchen@googlemail.com wäre doch sicher. Bei der Registrierung zuvor hätte ich natürlich keinen echten Namen angegeben.

    Aber du hast Recht: der Knackpunkt ist die Mailadresse (hoffe ich mal…). Ich hatte mich allerdings mit meiner alten Uni-Mailadresse angemeldet. In dieser Mailadresse steht jedoch nicht mein Name. Und das die Uni solche Daten weiter verscherbelt glaube ich auch nicht (und wieder: hoffe ich mal…). Aber ich habe mit dieser Adresse noch einen YouTube-Account, und YouTube gehört ja bekanntermaßen zu Google. Allerdings hat YouTube ebenfalls keinen Realnamen von mir.

    Gruselig.

  13. 13 Herr Jensen 23. Juli 2009 um 16:27 Uhr

    @foster:

    Vermutlich liegt es an den heutigen Performance-Problemen bei Blogsport. Beschwerden bitte hier vortragen. ;)

  14. 14 foster 23. Juli 2009 um 16:42 Uhr

    HerrJensen, haben vielleicht die drei bewussten Leute diese deine alte Uni-Mailadresse, natürlich in Verbindung mit deinem Namen? Und wenn die dann im Gegensatz zu dir ihr Adressbuch lesen lassen, dann wäre das die Erklärung.

  15. 15 Gregor 23. Juli 2009 um 16:49 Uhr

    @Herr Jensen: Dein Name muss nicht direkt in Deiner Email-Adresse stehen, es gibt da noch viele andere Angriffspunkte:
    - Du hast beim Anlegen des Mail-Accounts Deinen echten Namen angegeben
    - Im „Von“ steht Dein echter Name (Name + Mailadresse)
    - Du hast Dich irgendwo anders mit echtem Namen und dieser Mail-Adresse angemeldet (z.B. ebay, amzon, etc.)
    - Du hast irgendwann schon einmal eine Mail bekommen, die mit sehr geehrter Herr & Deinem Namen beginnt
    - Jemand anders hat Deine Email-Adresse mit Deinem echten Namen verknüpft, z.B. in seinem Webmail-Account (Das ist unter Garantie der Fall, außer Du lebst total isoliert)

    Das alles bezieht sich jetzt auf Webmail-Accounts. Bei Deinem Ex-Uni-Account trifft wahrscheinlich der letzte Punkt zu. irgendjemand hat Dich mit Vorname Nachname Mailadresse in seinem Webmailaccount stehen. Und von da wandert die Info an Adresssammler, andere Webmailaccounts, Facebook (falls sich derjenige dort anmeldet und seinen Mail-Account durchsuchen lässt) usw.. Du kannst davon ausgehen, dass jeder im Web akitve Konzern, der Bock drauf hat, rausfinden kann wer hinter Deiner Email-Adresse steckt. Dagegen helfen wie gesagt nur Einweg-Adressen.

  16. 16 Herr Jensen 23. Juli 2009 um 17:31 Uhr

    HerrJensen, haben vielleicht die drei bewussten Leute diese deine alte Uni-Mailadresse, natürlich in Verbindung mit deinem Namen? Und wenn die dann im Gegensatz zu dir ihr Adressbuch lesen lassen, dann wäre das die Erklärung.

    Bei Deinem Ex-Uni-Account trifft wahrscheinlich der letzte Punkt zu. irgendjemand hat Dich mit Vorname Nachname Mailadresse in seinem Webmailaccount stehen.

    Das muss es sein. Danke.

  17. 17 foster 23. Juli 2009 um 18:16 Uhr

    Du bist (wen wunderts) nicht allein mit dem Problem:
    http://www.stoibaer.de/facebook-macht-mir-angst.html

  18. 18 Sandy 23. Juli 2009 um 18:21 Uhr

    @Foster: Danke für den Link, man kann seinen Account also doch löschen. Dann werd ich das doch gleich mal tun.

  19. 19 foster 23. Juli 2009 um 19:06 Uhr

    Die schwierig gestaltete Accountlöschung lässt dann vielleicht auch die beeindruckend/entsetzlich hohen Nutzerzahlen in einem etwas anderen Licht erscheinen.

  20. 20 Herr Jensen 24. Juli 2009 um 9:24 Uhr

    Nachtrag zum Thema Facebook: eine der drei Personen hat tatsächlich das Mailadressbuch durch Facebook filzen lassen. Damit sollte das Rätsel entgültig gelöst sein. Danke für eure Mitarbeit. ;)

  21. 21 Simon 07. September 2009 um 17:45 Uhr

    @Herr Jensen,

    die Lösung liegt doch auf der Hand.
    Besagte drei Kollegen haben ihr E-Mail Postfach/Adressbuch von Facebook scannen lassen. Und in allen drei Postfächern stand deine E-Mail Adresse.

    Daher „weiß“ Facebook, dass du sie kennst. ;-)

    Falls die Adressbucheinträge gut gepflegt sind, könnte dir Facebook sogar deinen Namen verraten, bevor du es ihnen verrätst. ;-)

    Gruß
    Simon

    Beängstigend – Trotz bester Kontrolle über veröffentlichte Daten ist man für Facebook kein unbeschriebenes Blatt ;-)

  22. 22 Micha 17. Oktober 2010 um 20:12 Uhr

    Das Thema ist Moment ja aktueller denn je. Unglaublich was alles mit unseren Daten passiert, ohne das wir es wissen. Bei Facebook wurden ja bereits desöfteren solche Lücken gefunden, was nicht gerade für das Unternehmen spricht.

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