Archiv für April 2009

Guten Tag, ich möchte mich beschweren!

Sie möchten sich beschweren? Ja, sehr gut. Wie hätten Sie es denn gern: mit Blei, Beton oder möchten Sie, dass wir Sie mit unserer hauseigenen Cat CP76 bedienen? Wie, falsch verstanden? Ach so, Sie möchten sich über etwas aufregen. Worum geht es denn? Moment, nicht so schnell, ich habe nur Katastrophe und Bus verstanden. Ihr Bus kommt seit drei Tagen aufgrund einer Baustelle 2 Minuten zu spät? Aha. Und das empfinden Sie nun als Katastrophe. Ja, ich höre Sie. Und vor 30 Jahren hat der Fahrschein mal 60 Pfennig gekostet? Interessant. Das wusste ich noch nicht. Was ist denn mit dem Busfahrer? Hat fettige Haare und sieht ausländisch aus? Und die neue Linientaktung empfinden Sie ebenfalls als katastrophal?

Soll ich Ihnen mal was sagen? Sie sind ein weinerliches, jammerndes Häufchen stinkender, hypersaturierter Katzenscheiße.

Nein, jetzt mal Fresse halten und zuhören! Katastrophen sind: Krieg, Erdbeben, Kometeneinschlag, AIDS. Keine Katastrophen sind: Stau, Bahnverspätungen, Parkverbote, Eintrittspreise oder TV-Programme. Noch einmal: Katastrophen sind: Hurrikane, Taifune, Super-GAU und gerade noch so der Tornado. Keine Katastrophen sind: Schlaglöcher, Nebenkostennachforderungen, Öffnungszeiten und defekte Geldautomaten. Kündigung und Arbeitslosigkeit? Keine Katastrophe. Kolbenfresser? Keine Katastrophe. Eine Woche feiner Durchfall? Tut mir leid, auch keine Katastrophe.

Da ich bereits gemerkt habe, dass Sie ein renitentes Querulantenarschloch sind, gebe ich Ihnen mal drei anschauliche Beispiele für Katastrophen in der jüngeren Menschheitsgeschichte. Da hätten wir als Erstes den Völkermord in Ruanda im Jahr 1994. In drei Monaten wurden 800.000 Menschen größtenteils mit Macheten abgeschlachtet. Hat damals keinen interessiert. Weiter. Mal vom Bürgerkrieg in Uganda gehört, wo unter Zwang mehr Kinder als Erwachsene gekämpft haben? Sagt Ihnen Srebrenica was? 30 Tage, 8000 Tote?

Wie, ich bin frech? Wer will mir hier Wohlstandslappalien als Katastrophe verkaufen, Sie oder ich? Und jetzt legen Sie lieber schnell auf, sonst beschwere ich mich bei der Bundeskanzlerin über Sie!

Hallo?

Deutsches Museum München –
Geekshit of the Universe

Wer sich als kleiner Junge oder kleines Mädchen für Flugzeuge, Hubschrauber, Schiffe, Raketen, Teilchenbeschleuniger, Planeten, Licht, Strom, Chemie, Physik und Computer interessierte und gleichzeitig noch Sendungen wie „Abenteuer Forschung“ oder die „Knoff-Hoff-Show“ im TV verfolgt hat, der oder die sollte sich eine Woche frei nehmen und das Deutsche Museum in München besuchen. (mehr…)

Der Lonsdale-Papa

Oft sehe ich ihn nicht, aber wenn, dann ist es irgendwie unangenehm. Weder weiß ich, wie er heißt, wo er wohnt oder ob und was er arbeitet. Er riecht immer nach Zigarettenasche, selten nach Alkohol. Er ist klein und drahtig und scheint gerade der Pubertät entkrochen zu sein. Obendrein ist er unglaublich hässlich und möglicherweise dumm, denn nur so kann ich mir erklären, warum er vorzugsweise Kleidung der Marke Lonsdale aufträgt, die bekanntermaßen vor allem von Neonazis bevorzugt wird. Manchmal trägt er auch ein dunkelblaues Bomberjäckchen von Alpha Industries, dazu enge Jeans und weiße Turnschuhe. Ich kann hier nur Vermutungen anstellen, aber sollte er ausnahmsweise kein rechtes Gedankengut in seiner Gehirnbaracke stapeln, dann könnte er auch das typische Hooligan Mitläuferwürstchen sein, also einer, der sich gerne hinter den richtig harten Jungs versteckt.

Trotzdem scheint er sich liebevoll um seine Tochter zu kümmern. Neulich saßen wir in der Garderobe des Kindergartens und seine Tochter sprach ihn aus Versehen mit „Mama“ an. Er grinste jovial väterlich und griff sich mit beiden Händen an seine Brust, machte kreisförmige, reibende Bewegungen und sagte dann: „Na, da fehlt mir hier aber was!“.

Er lachte vergnügt. Ich lachte gequält mit. Zwangsläufig sozusagen. Da ich die Mama auch schon gesehen hatte wusste ich, dass ihm da sehr sehr viel fehlt. Es würde mich interessieren, was er über mich denkt. Wahrscheinlich denkt er nicht übermäßig viel, aber das Wenige, was da oben in seinem Gehirnkasten kreucht und fleucht…doch, das würde mich wirklich interessieren. Mir fällt ein, das meine Tochter vor über einem Jahr an einem Kindergeburtstag teilnahm, den er und seine Frau (Freundin? Schwester? Cousine?) ausrichteten. Ich war leider nicht dabei, aber meiner Tochter hatte es gut gefallen und sie begrüßte mich nach der Feier nicht mit „Sieg Heil“. Also machte ich mir keine Sorgen.

Das nächste mal fahre ich mit hin. Ich werde versuchen, mit ihm ein Bier zu trinken und wenn mir die Gelegenheit günstig erscheint, werde ich ihn freundschaftlich in die Seite knuffen und folgendes fragen:

„Du…mal so unter uns: wieso läufst du eigentlich so scheiße rum?“

Frohe Ostern!


„Der armlose Osterhase“ von L.

Der erste Sonnenstrahl im Tal der Lust

Normalerweise denkst du schnell, dass du abgelehnt wirst. Du gehst zu deiner Frau und wenn sie nicht bereit ist, mit dir zu sein oder sie nicht besonders liebevoll mit dir ist, dann fühlst du dich zurück gewiesen. Dein Ego ist verletzt. Dieses Ego ist kein besonders intelligentes Ding. Alle Egos sind idiotisch.

Intelligenz kennt kein Ego. Intelligenz sieht einfach, was passiert. Intelligenz versucht zu verstehen, warum die Frau jetzt nicht mit dir sein will. Sie weist dich nicht zurück – du weißt das, denn sie hat dich so geliebt, sie liebt dich immer noch so sehr – aber in diesem Moment möchte sie gerne alleine sein. Wenn du sie liebst, dann wirst du sie alleine lassen. Du wirst sie nicht erpressen, du wirst sie nicht dazu zwingen, mit dir zu schlafen.

Wenn der Mann alleine sein will, dann wird sich die Frau nicht denken: „Jetzt ist er nicht mehr an mir interessiert. Wahrscheinlich ist er mit einer anderen Frau…“ Eine intelligente Frau wird den Mann alleine lassen, damit er sich sammeln kann und wieder Energie zum Teilen bekommt.

Dieser Rhythmus ist wie Tag und Nacht, Sommer und Winter. Es verändert sich ständig. Wenn zwei Menschen miteinander respektvoll umgehen – und Liebe ist immer respektvoll, sie schätzt den anderen, sie verehrt den anderen, wie während eines Gebets – dann werdet ihr euch langsam aber sicher verstehen. Dir wird der Rhythmus des anderen bewusst sein, ebenso wie dein eigener.

Bald werdet ihr bemerken, dass mit der Liebe sich eure beiden Rhythmen annähern. Wenn du dich liebevoll fühlst, fühlt sie es auch. Die Beziehung wird von selbst stabil. Sie wird synchron.

Osho, Philosophia Perennis

Einen Toast mit Butter und Salz essen (Das Korn mit den gelben Ähren)

Wenn wir uns im Zustand höchster Achtsamkeit befinden, dann kann etwas sehr einfaches zu etwas sehr besonderem werden. Gehe zu deinem Toaster und röste dir einen Toast. Nimm den Toast heraus und lege ihn auf einen Teller. Betrachte ihn eine kurze Zeit und streiche dann eine Menge Butter deiner Wahl auf die warme Oberfläche. Sieh, wie die Butter zerläuft und langsam flüssig wird.

Bestreue den Toast mit etwas Salz. Nimm ihn in deine Hand und führe ihn zu deinem Mund. Beiße hinein und fange langsam an zu kauen. Merkst du, wie deine Geschmacksnerven feuern und wie immer mehr Speichel in deinen Mund schießt? Siehst du das Korn? Die gelbe Weite? Sanft weht ein Sommerwind durch die gelben Ähren. Es raschelt leise und es ist sehr trocken. Ein goldener Sommertag, an dem wir früher als Kinder immer ganz lange draußen geblieben sind und abends völlig fertig und verdreckt nach Hause kamen um feucht träumend am nächsten Morgen wieder los zu rennen auf der Suche nach neuen Abenteuern. Du schaust nach oben und siehst die Sonne. Das Licht der Sonne wird umgewandelt und es entstehen Pflanzen die wachsen und später goldene Ähren ausbilden, die zu Mehl gemahlen werden, dann zu Teig verarbeitet werden, dann gebacken, dann abgekühlt, dann aufgeschnitten, dann gegessen, dann umgewandelt und dann wieder abgesondert werden. Ohne Sonne kein Brot. Sieh, wie sich die Ähren der Sonne entgegen strecken, wie sie gelockt werden, sie lechzen nach Licht. Wir alle lechzen nach Licht.

Kaue weiter, lass dich fallen. Schmecke das Fett der Butter. Die Butter war mal Milch in einer Kuh. Die Kuh stand draußen auf der Wiese und fraß Gras. Das Gras wuchs nur unter dem Einfluss von Sonnenlicht. Alles ist ein goldener pulsierender Strom. Es gibt hier keine Zeit. Es gibt nur einen Moment der ewig dauert. Beiß erneut von deinem Toast ab.

Kannst du das Licht schmecken?