Archiv für März 2009

Herrenlose Bücher im Hausflur

Heute ein Bild aus der Reihe „Dinge, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben“:

Die technologische Singularität

Neulich saß ich da und dachte: scheiße, auch du wirst irgendwann sterben. Und du auch. Alle die du kennst werden bald tot sein. Sie werden ohne ihr Zutun beendet. Diesmal gibt es keine Wahl. Abends einschlafen und nie wieder aufwachen. Wäre das eine Erlösung oder ein Verlust? Die meisten Menschen würden sagen: Verlust.

Verlust von allem. Die zentrale Frage lautet: was ist Tod und wie könnte dieser Tod vermieden werden? (mehr…)

Das endet wenn ich ablehne mich zu wehren / Und draußen viele andere die sich wehren

Samstag.

Wir hatten mit großer Mühe die Ghost Bees überstanden und sehnten uns nach purem goldenen Krach. Glass and Fishes hatten wir leider verpasst, sehr schade. Das letzte was ich hörte klang gut. Pling Plang Plang Pling Plang Plang. Die zwei mit Federn geschmückten Jungmatronen bauten sorgsam ihre Bühnendekoration ab, die wohl eine Art Reminiszens an indianisches Folkloretum darstellen sollte. Ich schob mein Saftglas in die Jackentasche und wir gingen nach draußen, um ein wenig Connewitzer Vorfrühlingsluft zu atmen. Als wir in den Saal zurück kehrten versuchte ich, das K. in Richtung der Bühne zu ziehen, denn ich hatte das Gefühl, die Leute warteten ungeduldig auf unseren Auftritt. Ich bemerkte meinen Irrtum aber schnell und wir platzierten uns in der Nähe des leicht adipös wirkenden Mischers.

Der schönste Moment, der beginnt und gleich wieder trennt.

Plötzlich stand er neben uns. Mit Parka, Umhängetasche und obligatorischer Hornbrille. Er stand wie versteinert da und stierte in Richtung Bühne. Ich erschrak und vergrub mein Gesicht in ihrem unglaublich gut riechenden Haar. Dann schaute ich wieder hin. Er hatte abgenommen und war scheinbar nicht betrunken. Er rührte sich nicht. Gut so, dachte ich, und ich ließ mich wieder von der Band mitnehmen. Doch dann begann er ohne Vorwarnung exaltiert zu tanzen, und die Brille rutschte ihm dabei fast aus dem eckigen Gesicht. Das mit Backpulver oder Paracetamolstaub verschnittene Speed, dass er sich offensichtlich kurz vor Konzertbeginn auf der mit Urinstein verkrusteten Klobrille eingefahren hatte, begann zu wirken und Holden tanzte sich recht schnell warm.

In deinem Garten machen wir kaputt was wir erwarten.

Dann pfiff es und die Band musste aufgrund eines technischen Problems pausieren. Der mit Truckermütze bemützte Mützer ähhh Mischer verfiel in wohl dosierte Hektik und Holden ergriff seine Chance. Er schrie quer durch den Raum zur Bühne:

„Ehh, macht euch doch ma locker! Ihr seid so unlocker!“

Stille.

Dann schrie er noch einmal:

„Ich meine, ihr macht coole Musik, aber ihr seid so unlocker!! Macht euch doch mal locker!“

Die Replik kam ad hoc von einer couragierten Konzertbesucherin aus dem Publikum:

„Halt deine Schnauze!“

Holden in Richtung der Couragierten:

„Ja sag ich doch!!“

Die Band bedankte sich höflich beim Publikum und alle klatschten. Holden schniefte und bebte. Er war offensichtlich kein glühender Verehrer des Shoegazertums und stürmte, ich würde sagen, ziemlich unlocker, aus dem Saal. Die unglaubliche Rampensauigkeit, die Holden in seinen eigenen Shows zelebriert, scheint offenbar der Maßstab für alle zu sein. Holden, du respektloses Arschloch.

Auf der Bühne indes mehrstimmige, live gesampelte Chöre, Hackbretter und Schifferklaviere direkt aus der psychedelischen Hölle. Feuer und Einsamkeit. Wärme und Hoffnung. Knabenhafter Gesang und akribisch arrangierte, fantastisch dargebotene Songs.

Die Band heißt Klez.e und das gerade erschienene Album nennt sich „Vom Feuer der Gaben“, erschienen bei Loob Musik.


Klez.e – „Strandlied“, vom Vorgängeralbum „Flimmern“. MySpace

Röyksopp kommen wieder

Am 23. März (also bald) erscheint das neue Studioalbum der norwegischen Elektropopper Röyksopp. Und es kann nur toll werden. So toll wie das Video zur aktuellen Single „Happy up here“. Oder vielleicht noch toller. Falls toller, dann werde ich zum tollen Troll, der temperamentvoll trutzige Trolle transzendiert.

Aber hohe Erwartungen werden ja häufig zu Recht enttäuscht.

Happy Up Here from Röyksopp on Vimeo.

Am Telefon

Guten Tag, Sie sprechen mit Herr Jensen.

Hallo?

Ja, hallo.

Jürgens?

Nein, Jensen.

Ah, ich hatte Jürgens verstanden. Guten Tag, Frau Jensen.

Nein, Herr Jensen!

Ah, guten Tag, Frau Herrjensen.

Nein, ich bin der Herr Jensen.

Oh, Entschuldigung, Sie klingen so weiblich.

Gut. Worum geht es?

[…]

Vielen Dank, Herr Jensen, und b b.

Was heißt denn b b?

Das heißt: bis bald.

Ja, bis bald. Auf Wiederhören.
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NICHT.