Archiv für Februar 2009

Das Panzer fahrende Buddhalienchen

Sie hatte den Panzer zum fünften Geburtstag von ihrem sehr reichen Großonkel Herbert bekommen. Erst wusste sie nichts damit anzufangen, denn sie hatte sich eigentlich die aktuelle Figur der Penny Mae-Puppe gewünscht, eine an Anorexia nervosa leidende Plastikpuppe. Doch nach zwei Tagen des Darbens stieg das Buddhalienchen in den Panzer und alle Verwandten freuten sich, dass die Kleine nun doch noch ihr Geschenk in Besitz nahm. Das Buddhalienchen kletterte in den Panzer und machte es sich bequem. Anschließend probierte sie den Zündschlüssel.

Der Panzer sprang sofort an. Er machte einen unglaublichen Lärm und Oma Elsbeth hielt sich beide Ohren zu. Dabei lachte sie weiter, ihr Gesicht war fratzenhaft entstellt. Nach kurzer Zeit roch es im Wohnzimmer nach Benzin und Abgasen und alle begannen zu husten. Der Panzer hatte schließlich einen 1.1er Benzinmotor mit Miniturbo und war bis zu 70 km/h schnell. Das Buddhalienchen begann nun ebenfalls zu husten und merkte dabei nicht, wie ihre linke Hand einen Hebel berührte, der sofort nach links sprang. Mit einem Ruck drehte sich das Panzerohr nach links und zertrümmerte dabei den Kiefer von Onkel Herold. Es knirschte laut und Harold spuckte Blut, Zähne und Knochenstückchen auf die ihm gegenüber sitzende Oma Hannelore. Das Panzerrohr indes drehte sich schnell weiter und krachte mit einem dumpfen Geräusch gegen das Gesäß von Opa Horst, der sich gerade die Ablagerungen des Rauchs von seiner Brille putzen wollte. Er wurde quer durch den Raum geschleudert und prallte mit dem Kopf an einen Eisenpfeiler. Alle schrieen wild durcheinander und das Buddhalienchen drehte und drehte sich bis sie durch Zufall wieder mit ihrer linken Hand den Schalter berührte und der Panzerturm plötzlich anhielt. Sie wollte natürlich sofort aussteigen und trat dabei aus Versehen auf das Gaspedal des Panzers.

Er schoss sofort los.

Es gab ein rasselndes Geräusch, einen tumben Knall, und der Panzer hatte die Hauswand durchbrochen und raste quer über den Vorgarten auf Onkel Helmuts VW Polo zu. Der Panzer schoss in Richtung Polo, verkeilte sich krachend in ihm und schob in unbeirrt auf die gegenüberliegende Hauswand zu. Der Goldfischteich, Gartenzwerge, Briefkästen, Sträucher: alles wurde zerstört. Der Panzer zerdrückte den Polo schließlich an der Hauswand, durchbrach auch diese noch und schob ihn direkt in das Wohnzimmer von Familie Kubujeit.

Herr Kubujeit schien gar nicht amüsiert darüber zu sein, plötzlich einen VW Polo in seiner Wohnstube vorzufinden. Er schrie durch das Loch nach draußen (der Panzer war mittlerweile stehen geblieben und hatte sich selbst abgewürgt):

„Ehhhhhh…was solln die Scheiße! Spinnt ihr, ihr Volldeppen? Wem jehört dit Ding hier??“

Es war Donnerstag gegen 14.25 Uhr und Herr Kubujeit schien schon ordentlich angetrunken zu sein. Er stapfte durch das Loch in seiner Wand nach draußen und wankte quer über die Straße auf das Loch der Weigels zu. Bei dem Versuch, durch das Loch zu steigen, rutschte er aus und rammte sich einen spitzen Mauerstein in seinen Oberschenkel. Er brüllte und krakeelte und niemand verstand ihn. Dann sah er Onkel Herold blutüberströmt in der Ecke liegen und er blickte auf die weinende Oma Hannelore und er war verwirrter als jemals zu vor.

Er sagte erschrocken: „Warn dit Teroooooorrissssten?“

Olaf trat auf Herrn Kubujeit zu und versuchte ihm klar zu machen was hier gerade passiert war. Der schüttelte immer wieder mit dem Kopf und blickte sich um. Sofort schoss ihm fieberhaft in den Kopf, wie er die Versicherung um einige Tausender prellen konnte, indem er den Wert seines Hauses noch morgen neu berechnen ließ. Hastig stieg er wieder durch das Loch nach draußen.

Irgendein Handy klingelte, und schräg gegenüber sah man die Friedrichs demonstrativ entspannt mit dem Gartenschlauch ihre Hecke wässern. Sie taten so, als hätten sie nichts gesehen, denn mit Blutenden oder gar Toten wollten sie um Himmels Willen nichts zu tun haben.

Ein paar Vögel flogen durch den blauen Himmel und es kam eine leichte Briese auf. Vielleicht wird es heute noch ein Gewitter geben.

Wer weiß.

VEB Kernkraftwerk Bruno Leuschner

Das wusste ich noch nicht: in der Nähe von Stendal steht eine Kernkraftwerksruine, die seit einigen Jahren sukzessive demontiert bzw. abgerissen wird. Ursprünglich sollte das Kraftwerk (Typ: WWER-1000/320) in mehreren Schritten bis zu einer Gesamtleistung von 4000 Megawatt ausgebaut werden und wäre somit eine der größten Anlagen dieser Art gewesen. Aufgrund von potenziellen Sicherheitsmängeln wurde das Projekt nach der Wende gestoppt und der Rückbau des Kolosses dauert bis heute an.

Der Internet-Benutzer Nerdbert hat sich den Trumm kürzlich etwas genauer angesehen und ein paar beeindruckende Fotos geschossen. Er hat es sogar bis auf das Dach des Containments der Betonkonstruktion geschafft – nicht schlecht. Definitiv einen Ausflug wert.

Hier entlang: erster Besuch und zweiter Besuch.

Toller Tölpel tanzt total toll

Absolutes must-have für Tanz-Aficionados wie mich. Der Junge ist gut, sehr gut sogar. Man könnte auch sagen: der brennt. Genauso habe ich übrigens gestern Nachmittag getanzt nachdem mir meine Anwältin einen ordentlichen Batzen Euros überwiesen hat. Jetzt wird der Wal repariert und danach kaufe ich mich aus dieser scheiß Kälte raus.

Gute Frau, ich hätte gern zwei Flugtickets in die Sonne!
Aber gerne doch, Herr Jensen.

So machen wir das.

BOOMBOX from Ely Kim on Vimeo.

via Spreeblick

Gesang ist Sieg

Also Stalin, der konnte gar nicht singen.
Der konnte nichts.


Helge Schneider als Studienrat und Major (1 of 2)

Hier entlang zum zweiten Teil:
Helge Schneider als Studienrat und Major (2 of 2)

Nichtsdestotrotz

Zwei Dinge, die rein gar nichts miteinander zu tun haben, sind Hasslatte und Kotsche. Nichtsdestotrotz habe ich innerhalb von 30 Minuten zweimal gut gelacht. Danke Internet.

Zweimal Kunst und einmal anonym

Die Comicstrip-Künstler Wulff & Morgenthaler veröffentlichen jeden Tag einen neuen Cartoon. Prima Sache das. (via Nerdcore)





Edgar Müller aus Becheln betreibt Streetpainting der aufwändigeren Art. (via Just)





Eine Frau oder ein Herr VORNAME evtl. ZWEITER VORNAME NACHNAME (hier einen Namen eurer Wahl einsetzen) besucht seit einiger Zeit über einen Anonymisierungsdienst dieses Blog. Lieber Herr oder Frau VORNAME evtl. ZWEITER VORNAME NACHNAME: du kannst ruhig unanonymisiert hier surfen, ich trace keine IPs. Ich weiß nicht mal, was eine IP eigentlich en détail ist. Also alles easy, okay?

Das Design sowie der Begrüßungstext des Anonymisierungsdienstes verdienen auf jeden Fall das Prädikat irritierend putzig:

Viele Mäuse surfen im Web unter der Illusion, dass ihre Aktionen privat und anonym sind. Leider ist das nicht so. Jedes Mal, wenn Du eine Site für ein Stückchen Käse besuchst, hinterlässt Du eine Aufrufer-Karte, die preisgibt woher Du kommst, welchen Computer-Typ Du hast und weitere Details. Und viele Katzen fertigen Protokolle von allen Deinen Besuchen an, so dass sie Dich fangen können!

Is nich wahr!

plus/minus made my day

Unfassbar tolle Band: plus/minus aus Brooklyn, New York. Diese Band hat nur einen Makel: den überaus blöden Namen. Doch was wiegt das schon gegen die wunderschöne Regenbogen-Rock-Musik? Fast nichts. Genau. Vor ein paar Wochen schon mal gehört und zwischendurch wieder vergessen. Jetzt nochmal rein gehört. Ich muss mich wiederholen: diese Band ist unfassbar. Ich höre gerade den Song „I‘ve been lost“ von der MySpace-Seite. Toller Krawall mitten drin, klingt wie MOB und am Ende wie Lounge-Music. Für den Frühling, für die Liebe, für den Aufbruch zu neuen Abenteuern in HiFi und LowFi und SciFi! Yeah!


plus/minus – „Snowblind“

Achtung, jetzt wirds eng:


plus/minus – „Unsung“

Ein Wort mehr zur Lage der Nation und zur Degeneration meiner Generation

Gestern Abend, nachdem ich mir ein leckeres Schüsselchen Kellogg’s Toppas mit Milch kredenzte, schaltete ich mutwillig meinen Fernseher an. Ich löffelte und zappte und blieb schließlich bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) hängen. Ich sah mir das 5 Minuten an und staunte. So was war also heutzutage im Fernsehen möglich! Unglaublich. Ich hatte ja keine Ahnung, welches menschenverachtende Niveau die Sendung mittlerweile erreicht hatte. Meiner Meinung nach verstößt die Show eindeutig gegen das Grundgesetz. Ich wiederhole: das Grundgesetz! Es tauchten bizarre Geschöpfe auf meinem Fernsehschirm auf, Geschöpfe aus einer Welt, die mir unheimlich, bedrohlich und unendlich weit weg erschien.

Doch dann schlug ich mir mit meiner Hand frontal gegen die Stirn! Na klar! Ich Dummchen. Ich süßes kleines Dummchen. Es gibt diese bemitleidenswerten Kreaturen doch gar nicht. Es kann sie gar nicht geben. Diese Leute sind nämlich alle professionelle Schauspieler. Jawohl, so muss es sein. Da! Dieser hässliche Junge mit Rattengesicht und dünnem Oberlippenbärtchen! Ich ging näher zum Fernseher und staunte: war der Oberlippenbart etwa angeklebt?

Danach kam ein Spinnenmädchen mit schwefelgelben Zähnen. Mein Gott war die gut! Ob die Schauspieler das vorher proben oder ob die das improvisieren? Anschließend wurde ein schwuler Friseur vorgestellt. Hier muss ich allerdings anmerken, dass der Darsteller etwas zu krass persiflierte. Und natürlich durfte der Friseur, wie die Kandidaten vor ihm, nicht zum Recall.

Es folgte die meiner Meinung beeindruckendste Performance des Abends: Typ ultra aggressiver Vollblutprolet mit Migrationshintergrund und postmoderner Clownsfrisur durfte richtig vom Leder ziehen und der Gummimaske Bohlen mal ordentlich die Meinung geigen. Auch hier hätte eine leicht dezentere Persiflage der Darstellung gut getan.

Aber ich schweife ab. Ich saß nun in meinem Sessel, die Schüssel leer gelöffelt, und ich fühlte mich erleichtert und etwas amüsiert. Dieses clevere RTL. Fast hätten sie mich gekriegt, diese Schlingel. Ich schaltete die Glotze ab. Stille. Diese Menschen. Meine Menschen. Diese Irren. Ich mag diese Irren. Meine Spackofranken. Das sind sie. Tolle Darsteller.

Wer rettet diese Menschen vor sich selbst?

Ich habe bewusst auf die Verlinkung illustrierender YouTube Clips verzichtet.