Archiv für Juli 2008

Video der Woche: Song To Say Goodbye

Eigentlich sehr traurig. Erinnert mich an etwas.


Placebo „Song To Say Goodbye“

Das Experiment („The horror, the horror!“)

Das Schöne am Bloggen ist doch, das man ungefragt zu allem und jedem seine total subjektive Meinung erbrechen darf und sowohl bewiesene als auch unbewiesene Behauptungen ungeniert ins Internet schreiben kann. Dann sperrt man die Kommentarfunktion und freut sich, dass die eigenen Thesen unlöschbar und unkommentierbar wie ein kleines Monument ihr Dasein im ewigen Cyberspace fristen.

So. Und ich behaupte jetzt: Fernsehkonsum ist doof und Peter Lustig hat es immer geahnt. Jajaja ich weiß, es gibt da ganz tolle Serien und so, Sopranos, Lost, 24, Monika Mars (hihi) und Six Feet Under. Ich kenne das alles nicht und habe weder Lust noch die dazu gehörige Zeit, mich mit diesem Zeug von mir selbst abzulenken. Dieser ganze Dreck befriedigt mich kein bisschen und stiehlt vielen Menschen wertvolle Lebenszeit. Man sitzt doch schon genug vor dem verdammten Computer. Braucht es da noch das Fernsehen, um der täglichen medialen Sedierung die Krone aufzusetzen? Schon mal ein Kind beobachtet das vor der Glotze sitzt? Zombies, und zwar alle.

Ich habe mich vor einigen Wochen zur späten Primetime durch meine 30 Kanäle gezappt und am Ende kam ich mir vor wie Colonel Walter E. Kurtz kurz bevor er starb. (mehr…)

Urban Guerilla

Ab heute neu und immer Sonntags: mein Video der Woche (gähn). Das können alte oder neue Sachen sein, je nach persönlicher Befindlichkeit. Los gehts mit Primal Scream. Das neue Album „Beautiful Future“ erscheint am 1. August und sollte die Sonne gepflegt herbei rocken. Okay, das Video (nicht der Song!) ist ziemlicher Müll, aber mir gefallen die Schuhe der Frau.

Warum?
Das würde ich auch gerne mal wissen.


Primal Scream „Can‘t Go Back“

Der Sonne entgegen!

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit der Aufzucht von Tomatenpflanzen und ich hätte niemals gedacht, dass mir das Wühlen in Blumenerde oder das regelmäßige Gießritual so viel Spaß bringen könnte. Nachdem ich einige Samen zum Keimen gebracht hatte und die ersten zarten Blätter nach Licht gierten, befinden sich nun alle Pflänzchen auf meinem Balkon und genießen den Sommer. Die Tomate (auch Liebesapfel oder Paradeiser genannt – und wer fühlt sich nicht wie im Paradies, wenn er eine Tomate gegessen hat?) ist eng verwandt mit der Kartoffel, der Tollkirsche und der Engelstrompete. Hier nun einige kommentierte Impressionen meiner täglichen Arbeit: (mehr…)

Die kleine Tannenmeise

Neulich habe ich ein putziges Vögelchen gesehen:

Die Tannenmeise ist knapp elf Zentimeter lang und zwischen acht und zehn Gramm schwer. Sie hat einen schwarzen Scheitel mit einem charakteristischen weißen Nackenfleck, der sich als weißer Längsstreifen vom übrigen schwarzen Nackengefieder abhebt. Sie hat weiße oder weißliche Wangen und einen schwarzen Kinnlatz. Die Unterseite ist gelblich bis weißlich mit rahmfarbenen Flanken. Die Oberseite ist bläulichgrau bis olivgrau mit schmaler doppelter weißer Flügelbinde.

Die Rufe klingen leise, dünn nach „si-si“ oder auch schwirrend „sirrrrr“. Der Gesang ist ein hohes, schnelles und leises „wize-wize-wize“. (Wikipedia)

Bezüglich des Gesanges scheinen sich die Vogelkundler allerdings nicht einig zu sein:

Ihr Gesang, ein monotones „sitjü-sitjü-sitjü“, macht am ehesten auf sie aufmerksam, während sie ansonsten unauffällig im Geäst umher turnt. Ein etwas wehmütiges „tii-tüh-ee“ zählt ebenfalls zu den wenigen Gesangsmotiven. In Erregung gibt sie ein kurzes „zit“ oder „tji“ von sich. (Naturschutzbund)

Egal. Süß ist sie trotzdem. Komm mein Tannenmeischen, komm zu mir…zit…zit…zit…tji…tji…tji…zit…zit…

Das schönste Ferienlager der Welt

Am letzten Tag des Fusion Festivals lief ich noch mal alleine rüber zum Trancefloor im Wald. Es war Mittag und ziemlich warm. Ich wollte den Herzschlag spüren, ein letztes Mal das Dröhnen in der Luft erleben. Ich ließ den großen Bus der Dutch Acid Family rechts hinter mir und bog über den Nordstern in den Mahadma-Gandhi-Pfad ein. Vor mir kroch einer auf allen Vieren den Weg lang, wobei seine Freundin beruhigend auf ihn einredete und ihm den Hinterkopf tätschelte. Ich tippte auf LSD-Totalschaden und war froh, dass sich jemand um ihn kümmerte. Ich kam endlich am Trancefloor an und setzte mich im Schatten ins abgefranste Gras. Da tanzten sie nun. Grinsend, matt, ekstatisch, völlig fertig, dreckig und glücklich. Und irgendwie mochte ich diese Menschen. Obwohl dieser Ort maximale Individualität und Freiheit geradezu garantierte, waren doch auch alle gleich. Gleich dreckig, gleich hässlich, gleich schön, gleich high.

Ich wollte hier einfach nicht mehr weg.

Wo kamen die alle her? Und warum? Wovon leben sie und wie stellen sie sich ihre Zukunft vor? Wovor haben sie Angst und welche Zwänge sitzen ihnen im Nacken? Ich merkte aber sofort, dass diese Fragen auf der Fusion keine Relevanz besitzen. Für 5 Tage gibt es kein Wieso und Warum, für 5 Tage gibt es nur ein regenbogenfarbig klingendes und gehauchtes Jaaaa…

Das ist es.

Es war Mitternacht und wir saßen in der letzten Reihe im Theater-Hangar, um eine mechatronische Performance mit drei Darstellern, einer Schreimaschine und einem Drehskeleton zu sehen. Erstmal wurde nur geschrieen. Später wurde wieder geschrieen. Schreiend kommt man ja auch auf die Welt. Als dann auf einer Videoleinwand zu Breakbeat-Klängen ein blutiger Rindskopf von mehreren mit Schokolade übergossenen Akteuren penetriert wurde, grinste ich rüber zum Rob und dachte an meine Omi. Ja, ich dachte wirklich an meine Omi. Und ich fragte mich, was sie sagen würde, wenn sie jetzt hier neben mir sitzen würde. Ich selbst fühlte mich einigermaßen blümerant.

Mit ziemlich verschmitztem Gesicht presste sie energisch ihre Hand auf meinen Mund. Ich war kurz weg und kam sofort wieder. Es war mittlerweile 16.30 Uhr und wir dachten allmählich an das Frühstück.

Nachdem wir im Neuland die Herkunft und den Verwendungszweck der Kichererbse geklärt hatten, gingen wir rüber zur Turmbühne. Wir waren im Jahr 2580 und gaben uns der großen Blume hin. Wir tanzten wie Kinder und ich liebte ihre Hände wie noch nie. Passt du auf mich auf?
Ich musste an letztes Jahr denken, als wir kuschelnd im Neuland saßen und die Leute beobachteten. Ich dachte an meine Cola ohne Etikett, an den sanften House und an den Typen, der seiner Freundin mit einer Pipette eine durchsichtige Flüssigkeit in den Mund tröpfelte. Sie lachte ihn dankbar an und tanzte weiter.

Wir lagen zu dritt in der Spacebar und ließen uns unseren Moonwalk („stay groovy“), Venuswave („stay sexy“) und Kokmok („stay…hab ich vergessen“) schmecken. Eigentlich wollte ich mir noch eine Cola ohne Etikett kaufen. Ich fand den Stand aber nicht mehr.

Jedesmal schwor ich mir: diesmal schaust du nicht in das Loch. Nein, diesmal nicht. Hat aber nie geklappt. Scheiße.

Fusion, du bist okay!