Archiv für Mai 2008

Balzen

Frühlingszeit = Balzzeit. Wie man es richtig macht, führt uns der Paradiesvogel eindrucksvoll vor:

Was machen eigentlich…

… Klaus Zumwinkel und all die anderen schlimmen Jungs? Stern Online (STOL) weiß es:

In den vergangenen Wochen erwischten ihn (Zumwinkel) Pressefotografen allenfalls dabei, wie er im schwarz-roten Trainingsanzug und mit Baseball-Cap seinen Jagdhund in einem Kölner Park Gassi führte.

Geil. Klaus Zumwinkel führt seinen Hund persönlich Gassi? Hat der keine Angst vorm angry Mob? Und was ist das eigentlich für ein Wort, Gassi? Sollte sich K. Zumwinkel nicht besser hier hin wenden?

Ja, aber was macht K. Zumwinkel denn bitte noch, ich meine, außer Gassi gehen?

Für Klaus Zumwinkel gibt es ohnehin im Moment kaum einen Anlass, seine Kölner Villa zu verlassen statt sich dort seinen Hobbys zu widmen – der Lektüre philosophischer Werke und zeitgenössischer US-Literatur.

Sieh an, ein Schöngeist. (kompletter Artikel)

Nerds überall!

Ich kenne einen der hatte früher genau so eine Frisur wie Rivers Cuomo im neuen Weezer-Video (und ich meine jetzt nicht mich selbst). (via)

Wie ich bei Wikipedia las, ist der Sänger von Weezer ein Anhänger der Vipassana-Meditation. Hätte ich nicht gedacht.

Das Ziel der Vipassana-Meditation ist es, sich von allen Anhaftungen, an sowohl körperlichen, wie auch geistigen Empfindungen/Emotionen, zu befreien. Nach der Philosophie des Vipassanas ist sowohl das Anhaften an Positivem wie an Negativem leidbringend. Wenn man am Positivem anhaftet, so entsteht Sehnen nach diesem Zustand und Angst vor dem Nicht-Vorhandensein. Bei negativen Empfindungen entsteht ein „Vermeiden-Wollen“. Beide diese Zustände, da sie eine Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigem Sein darstellen, bringen den Menschen aus dem unvermitteltem Erleben des Hier und Jetztes heraus und erzeugen so Leid. Das Ziel des Buddhismus ist es, sich aus dem Samsara und somit aus dem Leiden zu befreien und Mitgefühl und Liebe für die Welt zu entwickeln. Durch die intensive Betrachtung aller geistigen und körperlichen Vorgänge erlebt der Meditierende eine allmähliche Loslösung („De-Identifikation“) mit allen zuvor als „Ich“ und „Mein“ betrachteten Vorgängen. Gipfelpunkt dieser Erfahrung ist das im Regelfall nur Momente dauernde „Wegspringen“, „Verlöschen“, das gemäß buddhistischer Lehre zu einer völligen Befreiung vom Kreislauf der Geburten führt und als „Nibbana“ (Nirvana) bezeichnet wird.

I don‘t like Holden Caulfield

Neulich habe ich Holden Caulfield im UT gesehen. Er stand hinten an der Theke, hatte den rechten Arm lässig aufgestützt und starrte ziemlich gelangweilt in der Gegend rum. Neben ihm auf dem Boden stand eine kleine schwarze Reisetasche, in der er scheinbar seine dreckige Wäsche herum schleppte. Er sah schon ziemlich fertig aus. Wahrscheinlich war er mal wieder von der Schule geflogen, traute sich nun nicht nach Hause und hurte und soff so lange, bis ihm das verdammte Geld ausging und er wohl oder übel doch noch nach Hause zurückkehren musste. Ich ging zu ihm und sprach ihn an, schließlich hatten wir uns eine ganze Weile nicht gesehen. Er begrüßte mich desinteressiert und fragte, wie es mir denn so gehe. Wir hielten eine Weile Smalltalk und am Ende fragte er mich, ob ich ihm denn nicht mal ’nen Zehner leihen könnte, er hätte wohl keine Kippen mehr. Da ich nur einen verdammten Zwanziger hatte und ich ihm keinesfalls mehr als 5 Euro geben wollte, bat ich bei der korpulenten Barfrau um Wechselgeld. Holden verschwand, kam aber trotzdem schnell wieder und berichtete mir, dass er draußen keinen Zigarettenautomaten gefunden hätte. Noch ehe ich was erwidern konnte, hatte er sich 3 Flaschen Bier bestellt und gestikulierte mir mit den Flaschen in der Hand vorm Gesicht rum.

Was für ein Trottel.

Ich überlegte fieberhaft, wie ich ihn möglichst schnell wieder loswurde. Mittlerweile hatte er sich bis auf 5 Zentimeter an mein Ohr ran gearbeitet, um mich mit wirren Theorien über die digitale Boheme zu zu schwallen. Gott sei Dank kam endlich das K. Nach einem sanften Kuss auf ihren Hals knapp unterhalb ihres linken Ohres drehte ich mich wieder zu Holden und fragte ihn, ob er denn überhaupt wisse, wer heute hier spielt. Er wusste es natürlich nicht, was ihm obendrein auch überhaupt nicht peinlich war. Das K. verschwand mit einer Freundin und ich war wieder mit Holden allein. Ich versuchte, das Gespräch neu aufzunehmen und schilderte ihm in kurzen Sätzen den Zusammenhang zwischen Meditation und sexueller Transzendenz. Holden hörte eine Weile überraschend aufmerksam zu, wobei er weiterhin diverse Getränke orderte (von welchem Geld?) und immer mehr Alkohol in seine Blutbahn schwemmte. Plötzlich starrte er mich an, griff seine schwarze Tasche und torkelte Richtung Ausgang, wobei er immer wieder seinen ungekämmten Kopf schüttelte. Ich sah ihn nie wieder.

Obwohl ich froh war, das er endlich weg ist, tat er mir auch irgendwie leid. Denn ich bin mir ziemlich sicher: Holden hätte Bodi Bill nicht nur gemocht, nein, er hätte sie geliebt. Falte deine Hände, mein Freund. Und sei mal einen Moment still.


Bodi Bill – I Like Holden Caulfield


Bodi Bill – Interview

Weiße Tretschwäne füttern am Auensee

Es summt und brummt auf der Wiese und im Kopf. Also was tun, wenn dir die Hormone das halbe Hirn verwüsten? Aufstehen und an einen See gehen. Wenn man Glück hat, gibt es dort einen Tretbootverleih. Und wenn man noch mehr Glück hat, verleiht dieser Verleih weiße Tretschwäne. Diese kann man ganz gut füttern. Sie fressen gern, gemächlich und viel. Und wenn sie satt sind, kann man sie auch streicheln.

Sie gehen an die Oberfläche

Auch ich war letzte Woche unterwegs im Leipziger Tunnel. Schönes Ding. Groß, futuristisch und scheinbar sinnlos. Ich sage bewusst scheinbar, denn eine objektive Beurteilung der Sinnhaftigkeit dieser Röhre kann sich wohl niemand von uns erlauben. Und die Trilliarden, die dort verballert werden, sind mir relativ egal. Niemals würde ich mich über sowas aufregen, denn solange wir solche Tunnel durch die Stadt treiben, kann es uns eigentlich nicht so schlecht gehen.

Aber eine große Bitte an alle, die am Bau beteiligt sind: bitte bitte nicht weiter bauen. Ich würde das Ding genau so lassen, wie es jetzt ist. Keine Schienen, keine Oberleitungen und keine Fahrkartenautomaten. Vielleicht noch einen Geldautomaten und ein paar Behindertenaufzüge, damit auch wirklich alle in die Gruben einfahren können. Meiner Meinung nach wäre der Nutzen für die Stadt in kultureller Hinsicht viel größer als in verkehrspolitischer Hinsicht. Was könnte man da nicht alles machen! Konzerte, Partys mit mehreren Floors und die längste Halfpipe, ach was rede ich hier, die längste Fullpipe der Welt! Bam Margera würde hier skaten und die ganze Stadt wäre aus dem Häuschen. Und im Winter könnte man flink den Weihnachtsmarkt unterirdisch durchqueren und würde dabei nur 1/10 der Zeit benötigen. Von mir aus könnten die dort auch ein oder zwei Glühweinstände aufbauen, mir egal. Und die ganzen Sprayer, die würden sich doch den Arsch abfreuen, wenn die dort unten offiziell malen könnten. Marathon, Wave-Gotik-Treffen, Honky Tonk, Seifenkistenrennen, Ausstellungen, Kindergeburtstage – alles im Tunnel. Das wäre die Location in Leipzig.

Ich werde gleich eine Eingabe an die Stadt schreiben.

Foto: Isa