Archiv für Februar 2008

Ertrinken in Gold

Herr Jensen?

Hier.

Kann ich dich mal was fragen?

Logo.

Mit einigen Sachen auf deinem Blog kann ich nicht so viel anfangen.

Wo drückt denn der Schuh?

Du erwähnst z.B. häufig die Quantenmechanik oder verweist auf fernöstliche Geisteshaltungen.

Ich versuche, diesem Thema mehr Pop-Appeal zu verleihen.

Warum?

Um auf einen eklatanten Irrtum hinzuweisen, der die Quelle unzähliger menschlicher Neurosen und Fehltritte ist. Kennst du René Descartes?

Der Philosoph?

Genau. Descartes war ein staubiger Bürokrat, obendrein ein Mathefreak und Rationalist. Er trieb die Ideen der griechischen Philosophen Leukipp und Demokrit auf die Spitze und verteidigte zusammen mit Isaac Newton ein rein mechanistisches Modell der Wirklichkeit, in dessen Folge die Trennung von Geist und Materie zum allgegenwärtigen Paradigma in der abendländischen Kultur wurde. Auch wenn du das jetzt nicht komplett verstehst: die meisten „äußeren“ Probleme wie Kriminalität, Genozid, Umweltverschmutzung, Kriege etc. als auch die ursächlichen „inneren“ psychischen Probleme wie Angst, Habgier, Aggression, Eifersucht etc. sind direkte Folgen dieses geistigen Saatgutes, es durchdringt uns alle auf ekelhafte Art und Weise. Und wie verheerend dies ist, kannst du der aktuellen Tagespresse entnehmen.

Was hat denn bitte Descartes mit meinem Wohlbefinden zu tun?

Sehr viel. Du hast manchmal vor irgendwas Angst (und ich weiß genau, dass du manchmal Angst hast). Du denkst, du bist ein „Ding“, was in einer monströsen Umwelt (Universum) abgeladen wurde. Wehrlos. Alleine. Ausgesetzt. Und da sind die anderen Menschen…so viele Fremde…gegen die es sich zu wehren gilt, von denen man sich irgendwie abgrenzen muss…mit Worten, Waffen oder Ellenbogen. Diese diffuse Angst zersplittert erst dich und in Folge dessen auch deine Umwelt und ist ein Resultat Jahrhunderte langer Zementierung durch das cartesianische Weltbild. Du fühlst dich von deiner Umwelt getrennt.

Aber waren die Menschen denn vor Descartes nicht auch schon etwas wild und unzufrieden?

Omar Klaro. Aber nicht alle. Schon circa 2000 Jahre vor Descartes hat Buddha andere Dinge gewusst.

Ja aber was hat denn das nun mit der Quantenphysik zu tun? Und kannst du nicht auch mal was über Nazis, Linux oder den neuesten Britpop-Hype schreiben?

Besonders Nazis sollten sich das hier mal durchlesen, denn sie leiden neben der Körper-Geist-Trennung zusätzlich an schreiend großer Dummheit. Zu deiner ersten Frage: der Mensch neigt dazu, Dinge nur dann als real anzusehen, wenn sie durch Experimente wissenschaftlich nachgewiesen werden können. Grob gesagt: was ich nicht sehen oder anfassen kann gibt’s auch nicht. Es herrscht die immer noch weit verbreitete Vorstellung, dass man die Dinge nur gründlich zerlegen muss, um aus den entstandenen Einzelteilen objektive und wertfreie Rückschlüsse auf die Funktion ziehen zu können. Soweit klar?

Jo.

Die Quantenphysik zertrümmerte erstens die Idee der Diversifikation, die Descartes so toll fand. Auf einer sehr tiefen Ebene, die für uns niemals sinnlich erfahrbar ist, kann man nicht mehr von einzelnen Objekten sprechen, ohne gleichzeitig über alle anderen zu reden. Auf subatomarer Ebene hängt alles mit allem unteilbar dynamisch zusammen. Zweitens kommt dem Beobachter (also uns) eine erschreckend große Bedeutung zu. In frühen Experimenten (z.b. dem Doppelspaltexperiment) fand man heraus, dass bei Experimenten, die den subatomaren Bereich betrafen, der Ausgang des Experiments von der Fragestellung des Experimentators abhing. Einfach ausgedrückt: die Natur schaute erst mal, was wir messen wollen, und entschied sich dann für ein Ergebnis. Der naturwissenschaftliche Determinismus wurde durch die Quantenmechanik fies gemeuchelt.

Aber Physiker reden doch von „Teilchen“, also von getrennt existierenden Objekten.

Aber nicht immer. Strahlung (z.B. Licht) kann sich wie ein Teilchenstrom oder wie eine Welle verhalten.

Und wann entsteht ein Teilchenstrom?

Paradoxerweise dann, wenn du via Experiment die Teilchen nachweisen möchtest. Vor deinem Experiment existiert Licht (bzw. Photonen) in einem nicht näher beschreibbaren Zustand, einer so genannten Superposition. Über Wellen oder Teilchen zu reden, bevor man etwas misst, hat also keinen Sinn. Nicht mal vorstellen darf man sich das. Es handelt sich hierbei um reine Abstraktion, die an der Schwelle zur makroskopischen Welt durch Dekohärenz gebrochen wird.

Aber woher wissen denn bitte die Teilchen, dass ich gerade eine Apparatur aufgebaut habe, um sie experimentell nachzuweisen?

Teilchen sind nicht wie Tiere in einem Zoo, die du objektiv vom Zaun aus beobachten kannst. Übertragen wir dieses Beispiel in die subatomare Welt. Hier wäre es so, dass es in dem Gehege, wo wir die Tiere vermuten, noch nichts zu sehen gibt. Die Tiere befinden sich vor unserer Messung in einer Überlagerung aus allen möglichen Zuständen und nicht nur das: sie befinden sich sogar an jeder Stelle des Universums gleichzeitig. Ich weiß, schwer vorstellbar. Aber genau hier endet der menschlich-intellektuelle Horizont bzw. so was wird gerne mit Hilfe der Mathematik beschrieben. Nun stellen wir uns die Frage: was wollen wir hier eigentlich messen? Kühe, Vögel oder gar Kätzchen? Oder Vögel und Kätzchen? Wir treffen eine Entscheidung: wir möchten Kätzchen messen. Wir bauen unseren Kätzchenmessapparat auf und in dem Moment, in dem der Messvorgang beginnt, entsteht vor uns in dem Gehege ein Kätzchen, und zwar instantan.

Das hört sich ziemlich unglaubwürdig an.

Google nach „Schrödingers Katze“ und du wirst sehr schnell fündig. Alles ist wahr. Die Quantenmechanik ist das weltweit am besten verifizierte physikalische Gedankengebäude.

Aber Herr Jensen! Ich kann doch keine Kätzchen hervor zaubern.

Um dich nicht weiter zu verwirren sage ich dir jetzt lieber nicht, dass du nicht nur Kätzchen hervor zauberst, sondern ein ganzes Universum. Das Licht „weiß“ von deinem Experiment, weil ihr auf einer fundamentalen Ebene…du ahnst es vielleicht…eins seid.

Was soll das? Ich bin nur ein unbedeutender Zufall, entstanden durch günstige Umstände wie beispielsweise eine Leben fördernde Planetenkonstellation. Das hört sich alles ziemlich esoterisch an.

Descartes hat auch dich verseucht. Und das ist keine Esoterik…das ist Physik. Und der glaubst du doch eher als beispielsweise einem buddhistischen Mönch, oder?

Buddhismus hat doch auch nichts mit Esoterik zu tun…

Scharfsinnig erkannt.

Mhmm…schau mal, Herr Jensen…

Kann ich noch was von den Chips?

Selbstverständlich.

Danke.

Was ich sagen wollte: das mag ja alles stimmen mit den Kätzchen und so. Aber was haben diese schwer verständlichen Sachen und Abstraktionen denn mit meinem Leben zu tun?

Die Quantenphysik überträgt dir eine Verantwortung für deine erlebte Realität, deren Ausmaß sich dir nur langsam erschließen wird. Einsichten in die Konvergenz der modernen Teilchenphysik mit östlicher Philosophie und Mystik können zu deiner persönlichen Weiterentwicklung führen und im Idealfall zu einer umfassenden kulturellen Transformation der menschlichen Gesellschaftsform. Wenn du eine Ahnung davon bekommst, inwiefern dein Bewusstsein mit deiner Umwelt zusammen hängt, wirst du anders denken, fühlen und handeln. Du wirst vielleicht von einer Mentalität des Habens zu einer Mentalität des Seins finden. Ich möchte noch einmal betonen: der Zusammenhang zwischen deiner erlebten materiellen Realität und deiner „Ich-Wahrnehmung“ ist absolut essenziell! Das Wort „Zusammenhang“ irritiert hier allerdings schon wieder, impliziert es doch zwei verschiedene Dinge, die miteinander verbunden sind. Man sollte sich das Ganze vielleicht wie eine Münze vorstellen: vorne Zahl, hinten Kopf. Zwei scheinbar verschiedene Dinge, aber eigentlich doch nur „eine“ Münze. Und dabei ist es auch noch so, dass Kopf und Zahl sich gegenseitig sehen können.

Kommen wir bitte auf den Zusammenhang zwischen Quantenmechanik und östlicher Philosophie zu sprechen.

Diese zwei Sachen verhalten sich komplementär zueinander. Komplementarität bedeutet: sich scheinbar gegenseitig ausschließende Gemeinsamkeiten. Sie ist neben der Symmetrie eines der wichtigsten Prinzipien der Natur. In unserem Fall bedeutet dies: analytische Rationalität versus Intuition. Sowohl Atomphysik als auch östliche Mystik überschreiten die Grenzen unserer alltäglichen Sicht auf die Wirklichkeit, in dem Paradoxa als wirklich wahr hingenommen werden. Allerdings unterscheiden sich sowohl die Herangehensweise zur Erklärung des Seins als auch die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse stark voneinander. Dies treibt gerade im Bereich der Physik monströse Blüten. In der Schweiz wird zurzeit die größte jemals von Menschen erdachte experimentelle Anlage gebaut, der Large Hadron Collider (LHC). Der 4 Milliarden Euro teure Teilchenbeschleuniger mit einem Umfang von 27 Kilometern wird diesen Mai in Betrieb genommen und soll Zustände abbilden, die auch kurz nach dem Urknall auftraten. 15 Petabyte an Daten müssen pro Jahr ausgewertet werden. Diese Informationsmenge entspricht beispielsweise der des gesamten Internets.

Der östliche Mystiker hingegen ist an einer Interpretation seines Wissens nicht sonderlich interessiert. Er nimmt den direkten Weg der unmittelbaren Erfahrung, häufig ist hier Meditation das Mittel zum Zweck. Während also der Physiker das Einssein der Welt aus seinen mathematischen Konstrukten (bzw. Experimenten) herleitet, erfährt der Mystiker eine unmittelbare Einsicht, welche genauso schwer mit Worten zu beschreiben ist wie die Gleichzeitigkeit von Welle und Teilchen. Das Wichtige ist jedoch: Physiker und Mystiker meinen beide das Selbe.

Herr Jensen, wer bin ich?

Du bist ich.

Warum sind so viele Menschen unglücklich?

Weil sie in Gold ertrinken.

GOld?

In G01LD. Genau.

Äh…was hat das jetzt bitte mit gOlD zu tun?

Die Menschen sind über alle Maßen von der andauernden Existenz von Nicht-Leere zum Schreien gelangweilt, sie sehnen sich geradezu danach, auch mal gar nichts zu empfinden, auch mal leer zu sein, man könnte es als eine Art unbewusste Sehnsucht nach der Abwesenheit von Existenz bezeichnen.

Aber das q0ld…

Stell dir vor, du wohnst in einem Haus aus G0LD. Alles ist aus lGod. Wirklich alles. Und draußen…da ist ebenfalls alles aus dLog. Bäume…Vögel…Straße…alles aus purem OGLd. Wäre das schön?

Vielleicht etwas langweilig.

Aber warum? Gold ist doch so aufregend. Siehst du nicht den wunderschönen Reichtum? Überall verfügbar?

Du verwirrst mich. Was ist das da oben eigentlich für ein Bild?

Dies ist das Bild einer Teilchenkollision. Diese Kringel sind ultrastarke Magnetfelder, welche die Teilchen sozusagen auf eine Bahn zwängen. Nun ist es bei einer Kollision mehrerer Teilchen nicht so, das die Teilchen durch die Wucht in noch kleinere Stückchen zerbrechen. Vielmehr entsteht hier aus purer kinetischer Energie Materie, neue Materie. Erinnert mich ein wenig an eine Fotografie einer sehr weit entfernten Galaxie. Hier gibt es übrigens delikate Bilder vom Weltraumteleskop Hubble. Einfach mal durch klicken und staunen.

Nicht schlecht.

Sieh dir das bitte mal genau an. Sieh genau hin. Siehst du das GQLd, den Reichtum?

Ähh ja?

Schau dir mal dieses Bild hier an. Der explodierte Stern (Entfernung: 20.000 Lichtjahre) wurde zwischen 2002 und 2004 mehrmals von Hubble fotografiert. Man sieht schön, wie unglaublich langsam und stetig sich alles verändert.

Ich denke, wir machen jetzt mal lieber Schluss. Angenehmen Abend noch.

Werde ich haben, keine Sorge.

If I had a heart

Ich liebe Slut.
Das neue Album „Still no. 1″ ist seit 25. Januar draußen.

If I had a heart
I would have a heartache
If I had a soul
It was cold.

Was für eine geile melancholische Tralalla-Scheiße.
Ich liebe Slut.

Abwaschen…

…kann man sehr gut mit Weezer. Habe ich gerade gemerkt. Uhh…ahhh!

Anmerkungen zum 6. Februar

Unleaded only!

Gestern lief ich auf meinem Nachhauseweg zufällig am großen Tourbus des Rappers Kool Savas vorbei, der vor dem Leipziger Werk II parkte. Und was soll ich sagen: der Bus roch nicht nach Öl. Er roch auch nicht nach Benzin oder Busfahrerschweiß. Nein, der Bus roch nach Gras. Hoffentlich unverbleit.

Heute steht vor dem Werk II der Tourbus der Band Diary of Dreams. Ich schnüffelte wieder am Bus…diesmal roch er jedoch nach Öl.

Die wahre Liebe

Beim Spielen:

Sie: Papa, weiß du was?
Ich: Ja?
Sie: Die Lkws hier…die liebe ich.
Ich: Aha. Und liebst du auch mich?
Sie: Ja…ich liebe alle Dinge auf der ganzen Welt…und besonders Rutschen.

Peter Lauster wäre stolz auf dich.

Des Wahnsinns fette Beute

Schon mehrmals äußerte ich die Vermutung, Radiohead wären wahnsinnig. Einfach mal wieder Ok Computer raus kramen, Track 8 (Electioneering) anwählen und vorspulen bis Minute 3:28 (um besser reinzukommen geht auch 3:25). Jeder wird wissen was ich meine.