Archiv für Juli 2007

Day off

Day off und dazu Sonnenschein. Im Moment rumpeln die Weakerthans durch die Bude. Heute früh gegen 9 sprang mein Uhrenradio an. Im Einsatz seit Weihnachten ’87. Ich mag diese grob geschnitzte 80er-Technik irgendwie.

Sie kommt unter meine Decke. Der Tag beginnt ausgesprochen erfreulich. Einige Zeit später verabschiede ich sie und gehe duschen. Danach mache ich mir einen Schokocappuccino mit einem extra Schuss Sahne und futtere, während ich Mails checke, zwei Nutella-Toast. Es geht um grüne Kugeln. Auf der Freifunk-Startseite finde ich einen Link zu Christian Worchs weinerlichem Statement (nachzulesen hier). Manche Probleme erledigen sich wirklich von selbst. Nach der Lektüre seines „Rundbriefes“ gehe ich kacken. Dabei blättere ich in Volly Tanners „Berlin muss brennen“, welches wir vorgestern zufällig in der Stadtbibo ausgeliehen haben. Häppchen:

Verbissen in der Tastatur

Da stehen sie wieder
In der Schlange
Dieses kleine
Büchlein in der Hand
Schaum vorm Mund
Theatralisch geifernd

Was für eine Scheiße
Papierverschwendung
Verbaler Müll
Und das soll Literatur sein
Hirnwichse
Eines Unterbelichteten
Eines mediengeilen Autisten
Und dafür mussten
Bäume sterben
Das haben wir
Alles schon mal besser gelesen
Das kann doch jeder

Dann macht’s doch!

Genau. Buk ist trotzdem besser. Ich jongliere ein wenig. Klappt immer besser. Dann ruft ein Haustechniker an und will das Waschbecken in unserem Proberaum reparieren. Ich hechte ins Auto und fahre hin. Vor der Eingangstür merke ich, dass ich den Schlüssel vergessen habe. Pech für mich und den Hausmeister.

Wieder zurück beschließe ich, einen Bericht über das Fusion Festival 07 zu schreiben. Geht aber nicht. War zu viel. Deshalb nur zwei Bilder und folgende Ansage: ich will da wieder hin! Am liebsten sofort.

Dann lese ich endlich den Dalai-Lama-Artikel im letzten SPIEGEL. Wenig erhellendes wird geboten. Nebenbei beobachte ich, wie draußen ein Hubschrauber kreist, aus dem 6 Leute per Fallschirm abspringen.

Anschließend chatte ich mit H. und R., telefoniere mit M. und schreibe Mails an N. und A. Alles gleichzeitig. Etwas später lese ich auf STERN ONLINE einen Artikel über Prosopagnosie. Ich gönne mir dazu ein paar Gläser Wein.

Viel viel später, ich liege im Bett: sie kommt wieder und schleicht katzenhaft unter meine Decke. Der Tag endet so wie er begann: ausgesprochen erfreulich.

Fotos: A. und Lowci at progressivewelt.de

Keine Hektik beim bizarren Sex

Ich empfinde Schnecken als sehr angenehme Tiere: selbst wenn sie wollten, könnten sie niemals in unangemessene Hektik verfallen. Stress ist ihnen wahrscheinlich völlig fremd. Neulich Nachts machten wir die Bekanntschaft einiger Dutzend Nacktschnecken, die sich vor unserer Urlaubsbehausung zusammenrotteten, um ein kleines Schüsselchen mit Biomüll zu kapern. Kurzerhand sammelte ich die Schnecken via Kehrblech und Handfeger ein, wobei mir die reizende Frau N. mit einer Taschenlampe assistierte. Der Schneckenpulk flog rüber zum Nachbarn und der Biomüll wurde sofort entsorgt.

In einer anderen Nacht kam mir die grandiose Idee, eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Nacktschnecke mit meinem Urin zu benetzen, schließlich mögen diese Tiere, genau wie ich, Feuchtigkeit und Wärme. Unter dem Schein von Frau N.s Handlampe musste ich lachend mit ansehen, wie sich das recht große Exemplar langsam zu einer Kugel einrollte. Dann blieb es so liegen. Ich hoffe, ich habe die Schnecke nicht umgebracht.

Schnecken gehören zur Gruppe der Mollusken (Weichtiere) und kommen sowohl an Land als auch im Wasser vor. Besonders schön finde ich den Tigerschnegel (auch Tigerschnecke genannt), der bzw. die sogar zum Weichtier des Jahres 2005 gekürt wurde (im Jahr 2006 war es die gemeine Flussmuschel und aktuell ist die Maskenschnecke Weichtier des Jahres). Neben der tigerähnlichen Körpermusterung fällt die Tigerschnecke außerdem durch ein recht bizarres Paarungsritual aus dem Rahmen:

Ein paarungsaktives Tier verfolgt den paarungspassiven Artgenossen zunächst auf dessen Schleimspur und stimuliert diesen durch Belecken der Schwanzspitze. Geht das umworbene Tier auf das Vorspiel ein, bilden beide Partner, Kopf an Schwanz, einen Kreis und drehen sich wie tanzend. Während dieses stundenlangen Paarungsvorspiels sondern beide Tiere sehr viel Schleim ab, der sich zwischen beiden klumpig ansammelt. Nun verengen die Tiere den Paarungskreis, umschlingen sich mehrfach, geradezu stürmisch, bewegen die Köpfe heftig hin und her, belecken sich dabei ausgiebig und spreizen die Mantelränder stark ab. Beide sondern nun am Hinterende jeweils einen stabilen Schleimfaden ab, lassen sich gemeinsam von ihrer Unterlage (Ast, Mauer) fallen und verdrehen dabei beide Schleimfäden zu einem „Seil“, an dem sie sich, weiterhin umschlungen, bis zu 40 cm tief abseilen. An den rechten Kopfseiten treten nun bei beiden Tieren die bläulichweißen Penis-Schläuche aus, die bei 4 cm Länge etwa 1/3 der Körperlänge erreichen. Beide Penes suchen sich außerhalb der Körper, umschlingen sich intensiv und bilden mit beiden Spitzen eine milchige Kugel, in die das Sperma jedes Tieres wandert und ausgetauscht wird. Am Ende der Kopula lösen und entwirren sich die Penes und werden langsam eingezogen, wobei das Sperma in den inneren, oberen Teil des Geschlechtsapparates wandert und dort monatelang befruchtungsfähig bleiben kann. Auch die Körper der Tiere lösen sich: eines lässt sich fallen, das andere kriecht an dem Schleimfaden aufwärts und frisst diesen auf.

Sehr einfallsreich. Weitere Informationen bezüglich Schnecken gibt es hier und hier.