Archiv für März 2007

Warten, dass…?

Du wartest 3 Stunden beim Arzt. Du wartest auf Arbeit darauf, dass du endlich nach Hause gehen kannst. Dann wartest du an einer Ampel oder auf die Straßenbahn. Du wartest vor dem Geldautomaten, weil die Oma vor dir ihre PIN nicht findet. Du wartest im Supermarkt an der Kasse. Oder beim Bäcker oder Fleischer. Du wartest, bis endlich die Werbung vorbei ist. Und dann wartest du auf deine Liebste. Nichts ist quälender als das. Du wartest auf den Pizzamann, auf deinen DSL-Anschluss und darauf, dass die Spaghetti endlich fertig sind. Du wartest in Ämtern, in Werkstätten, im Krankenhaus, in der Schule, im Kindergarten. Du wartest darauf, dass der Scheiß-Film endlich vorbei ist. Oder ein Abend bei Menschen, die mit dir verwandt sind. Du wartest darauf, dass dein Wecker endlich klingelt. Und wann geht endlich das Konzert los, damit du sehnsüchtig das Ende herbei warten kannst? Und natürlich, du wartest auf den Frühling und den Sommer. Du wartest darauf, dass du endlich los fahren kannst. Und wenn du fährst, wartest du auf deine Ankunft. Hast du Sex, wartest du vielleicht darauf, dass dein Freund irgendwann sein verdammtes Sperma in dich schleudert, damit du noch Flavor of Love kucken kannst. Oder du wartest darauf, dass die Schwellung in deinem Gesicht endlich zurückgeht. Du hattest doch nur versucht, die Freundin von BWL-Student Horst Hodenfuchs zu küssen. Du hängst in Warteschleifen und wirst auf später vertröstet. Wenn du etwas von Leuten haben möchtest, dann richte dich darauf ein, zu warten. Egal wer oder was es ist.

Eigentlich wartest du das ganze Leben auf den Tod. Und dann bist du tot. Und dann wartest du darauf, dass du wiedergeboren wirst. Und dann…ja dann geht die ganze Scheiße von vorne los.

Das Warten ist das Ziel. Draußen: blauer Himmel und drinnen: Arcade Fire.

MOB live

Hier habe ich bereits auf die großartige dänische Noiserockband MOB hingewiesen. MOB sagen:

Wir glauben an die Schönheit des Krachs, und den Krach in der Schönheit. Und an die moralischen Dilemmas, die die Liebe zur Veränderung und das Bedürfnis zur Beständigkeit mit sich bringen. (MOB)

Und nun sind sie auf Tour. Hoffentlich flenne ich nicht.

18.02.07. DENMARK – KØBENHAVN – RUST
29.03.07. GERMANY – HAMBURG – HAFENKLANG
30.03.07. GERMANY – ROSTOCK – JAZ
31.03.07. GERMANY – SCHWERIN – DOKTOR K (+ AMPERSAND)
02.04.07. GERMANY – BONN – BLA
03.04.07. SCHWEIZ – ZÜRICH – ZIELGEL OH LAC
04.04.07. SCHWEIZ – LAUSANNE – BLEU LÉZARD
05.04.07. GERMANY – LÖRRACH – ALTES WASSERWERK
18.05.07. DENMARK – ROSKILDE – GIMLE

Smegma Für Alle!

Hätte ich richtig viel Zeit, würde die Frage nach meinem Haupthobby folgendermaßen von mir beantwortet werden:

Ich sammel absurd-lustige Namen real existierender Bands!

Ich würde mir eine Liste anlegen und alle beknackten Bandnamen, die mir unterkommen, dort eintragen. Dann würde ich monatlich einen dieser so beliebten Polls veranstalten, an dem allerdings nur ich teilnehmen dürfte. Ich würde jeden Monat eine neue Top 10 erstellen und mir neben meinen Badspiegel hängen.

Eine Band, die sicher regelmäßig in dieser Top 10 auftauchen würde, wären Äh…weys’sch nä…, die am 6. April zusammen mit Klabusterbären und Agent Krüger im Alternativen Jugendzentrum Dessau spielen werden. Als ich neulich den Flyer, der für diese Veranstaltung wirbt, fand, dachte ich nur: geniale Bandnamen!

Was machst du heute Abend?
Ich gehe zu Äh…weys’sch nä… !
Geil! Da komme ich mit!

Da fielen mir auch gleich wieder die Bands ein, in denen Trash-Autor Jan Off früher gespielt hat: Muttis Schuppen, Margarete Mitscherlichs Schalmeienorchester, Besoffen Zu Fuß und Smegma Für Alle. Es handelte sich immer um dieselbe Band und die dauernde kreative Suche nach neuen Bandnamen beanspruchte einen Großteil der unregelmäßg stattfindenden Proben. Irgendwann hieß die Band Der Chef Hat Vier Eier und sollte die deutsche Antwort auf Black Flag sein.

Wie Der Chef Hat Vier Eier geprobt haben, hat Jan Off sehr schön in seinem Buch Vorkriegsjugend beschrieben:

Ein Instrument beherrschte keiner von uns, genauso wenig, wie irgendwer über Kenntnisse im Songschreiben verfügte. Aber selbst, wenn das der Fall gewesen wäre, so hätte wohl niemand Lust gehabt, den anderen die erdachte Akkordfolge näher zu bringen. Wir hatten noch nicht einmal Lust zu üben.

Unser Repertoire bestand aus zwei geklauten Stücken von Slime und einer trashigen Version des Kufsteinliedes – eine Art Polka, zu der Achmed Vornefett, unser Frontmann, in kurzer Zeit immer wieder die Zeilen „Ich bin ein Hengst. Ich brauch’ ’ne Kopfnuss“ ausstieß.
[…]
Wenn Frauen im Proberaum anwesend waren (was hin und wieder vorkam), rissen wir kurz unser Programm ab, nur um im Anschluss daran angeberische Diskussionen anzuzetteln, die uns einen zumindest semiprofessionellen Anstrich geben sollten.

„Alter, du musst wirklich ‚n bisschen aufs Tempo achten“, mahnte Properski, unser übergewichtiger Gitarrist, den wulstigen Finger anklagend auf Melzer, unseren Bassmann, gerichtet. „Wenn du beim Spielen nicht ständig furzen würdest, hätte ich auch keine Probleme, den Takt zu halten“, entgegnete Melzer. Properski konterte mit der ihm eigenen intellektuellen Überlegenheit: „Hätte mein Alter mich gegen die Eisenbahn gespitzt, hätt’ ich was von der Welt gesehen.“

Es kam einfach gut, in einer Band zu sein.

Wäre ich 16 und hätte die Absicht, eine Punkband zu gründen, würde ich spontan den Namen Die Vollgeschissenen Tütenschrauben wählen. Wer ihn benutzen möchte: nur zu!