Archiv für Februar 2007

Prinz Harry und der Krieg

Das der englische Prinz Harry, dessen Namen ich immer so ausspreche, als würde ich meinen Kumpel Harry aus der Stehbierhalle meinen, nicht gerade der Hellste ist, sollte jedem aufmerksamen Verfolger der Tagespresse klar sein. Doch wie dämlich und infantil muss man sein, um sich wie ein kleiner Dorfstrolch, der sich gerade ein neues Holzgewehr gebastelt hat, auf den Krieg zu freuen? Das Leipziger Volksblatt LVZ tümmelte heute mal wieder in der Gegend rum, und als ich mich mittags zum Frühstück niederließ, las ich auf Seite 1 folgendes:

Sein lange gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Prinz Harry darf mit seinen Kameraden in den Irak ziehen. Prinz Harry ist überglücklich, verriet ein Kamerad. Für den 22-Jährigen ist der Einsatz in einem Krisengebiet Wunsch und Pflichterfüllung zugleich. Pflicht vor allem gegenüber seiner Nation und der Königin – Queen Elizabeth II., seiner Großmutter.

Weiß denn Prinz Harry nicht, dass Krieg eigentlich ganz ganz schlimm ist? Und was hat seine Oma damit zu tun? Wäre ich Prinz Harry, würde ich Zivildienst leisten und in der Tradition seiner getunnelten Mutter Alte und/oder Kranke pflegen.

Tucker tucker tucker…RUMMS! Sieh hin Prinz Harry, das könntest bald du sein.

Bildquelle: www.rotten.com

Hey here comes the sun

Vor einiger Zeit fuhr ich mal nachts mit dem Auto sinnlos durch die Gegend und ließ Blackmail durchs Chassis dröhnen. Sie umgaben mich wie ein Anzug aus Watte und das war gut so…

Gestern besuchte ich das Blackmail-Konzert im Conne Island zu Leipzig. Ich nutzte sogar die günstige Gelegenheit und reüssierte nach gefühlten 5 Jahren Pause in einem Pogokessel, aus dem mich ärgerlicherweise mehrere kleine Mädchen dauernd wieder raus kickten. Über die Vorband Earthbend (nicht: Earthband) aus dem sonnigen Finsterwalde gibts nicht viel zu sagen: AC/DC begatten Kyuss, die Queens of the Stoneage haben da auch noch irgendwo ihre Finger mit drin und Scumbucket sitzen daneben und schauen zu. Ich schüttete mir zwei Desperados in den Hals und verfiel für einen kurzen Moment in immergute Träumereien.

Was ich an Blackmail so mag kann ich schwer ausdrücken. Vielleicht die lakonische Mischung aus morbiden Science-Fiction-Phantasien und drogeninduzierten Nahtoderlebnissen? Obwohl, das könnte man auch von den letzten Tocotronic-Alben behaupten. Ich glaube, das Wichtigste an Blackmail ist ihr charakteristischer Sound. Die brachiale Verzerrung der Gitarren, wie man sie auf den ersten Alben häufig fand, ist zwar weitest gehend verschwunden, trotzdem würde ich jedes neue Album auch ohne die cremige Stimme von Sänger Aydo Abay sofort erkennen.

Der Rest das gestrigen Abends war, so langweilig das auch klingt, eine schöne Party. Auch Blackmail haben die Ochsentour hinter sich, bei der man 800 km im Kleinbus zurücklegt, um dann vor 10 Leuten zu spielen, von denen ca. 4 zu den Veranstaltern zählten. Umso erfreulicher war zu sehen, das es mittlerweile eine feierwütige Fanbasis gibt, denn das Conne Island war rappelvoll und die Band glückselig über so viel Zuspruch. Ehrlich gesagt, ich habe sie noch nie dermaßen gut gelaunt erlebt. Nachdem noch einige Jägermeister ans Publikum verteilt wurden beendete die Band das Konzert mit einem improvisiert wirkenden Noisegewitter und entließ uns schwitzend in die kalte Nacht.

Wer errät, in welchem Blackmail-Song die Artikelüberschrift vorkommt, kriegt einen Zungenkuss von mir.

Einfach mal reinhören:

Same Sane
It could be yours
Foe

Der russische (?) Freund

In der Straßenbahn kann man ja unfreiwillig die tollsten „Gespräche“ erlauschen. Gestern unterhielten sich zwei ca. 15-jährige Mädchen über einen gemeinsamen Bekannten. Hier ein Gedächtnisprotokoll (bitte sächseln):

Mädchen1: „Ey, der is ein Russe!“
Mädchen2: „Quatsch, der is kein Russe!“
Mädchen1: „Klar, der is ein Russe!“
Mädchen2: „Du spinnst, das is KEIN Russe!“
Mädchen1: „Doch, der IS Russe!“
Mädchen2: „Nein!“
Mädchen1: „Der is Russe verdammt!“
Mädchen2: „Und seit wann reden Russen deutsch?“
Mädchen1: „Der IS Russe!“
Mädchen2: „Ich wette mit dir, der is KEIN Russe!“
Mädchen1: „Mann, der IS ein Russe, ich sags doch die ganze Zeit!“
Mädchen2: „Ohhh…der is KEIN Russe!!“
Mädchen1: „Doch!!!“
Mädchen2: „Bist du blöd? Der is KEIN Russe!“

Leider musste ich an dieser Stelle aussteigen. Erstaunlich finde ich, mit welch glasklarer Argumentation beide Seiten das Thema behandelten.