Archiv für November 2006

Schock: DISCO ENSEMBLE

Neulich, es muss irgendwann zwischen 3 und 4 Uhr morgens gewesen sein, saß ich vor meinem Fernseher und sah mir eine Sendung über den Schriftsteller Martin Suter an. Er redete von Bergen und Wiesen und von seinem Sommerhaus auf Ibiza. Kurze Zeit später fiel ich in einen angenehmen, prä-komatösen Halbschlaf. Das dumpfe Geräusch, das mich wieder weckte, war mein Kopf, der auf die Fernbedienung fiel und zufällig den Musiksender MTV anzappte. Was ich sah und hörte schockierte mich! Was war denn das für eine Band, die sich dort die Seele rausschrie und mitten in der Nacht ungeniert nach vorne bretterte?

Die Musik begeisterte, und erst die Typen! Das man sich spätestens seit den Strokes und den Arctic Monkeys die Gitarre wieder direkt vor die Brust schnallen durfte, wusste ich bereits. Und auch enge, zu kurze Hodenzwickerhosen sind im Bereich der Rockmusik kein Fauxpas mehr. Hier wurde die Gitarre jedoch kurz unterm Kinn installiert und die formschönen O-Beine des Gitarristen zogen mich in einen eigenartigen Bann. Die finnische Gruppe DISCO ENSEMBLE riss mich mit ihrer Single „Drop Dead, Casanova“ aus meiner Lethargie und ich beugte meinen Oberkörper samt Kopf und Gesicht mehr und mehr in Richtung meines TV-Gerätes. Nach dem Ende des Liedes ging ich mit offenem Mund schlafen. Am nächsten Tag kaufte ich mir das komplette Album („First Aid Kit“). Okay, relativierend muss ich eingestehen, das die Band nix wirklich neues macht und teilweise doch arg an Billy Talent, Thursday und My Chemical Romance erinnert. Aber für einen Tag, mindestens, werde ich sie lieben und mich dafür nicht entschuldigen, und mein einziges Martin Suter-Buch werde ich demnächst auch nochmal lesen. Echt!